Aixtron-Übernahme: 6 € werden es wohl nicht mehr

Die Aixtron-Übernahme verläuft alles andere als planmäßig:

Nachdem der Deal kurz vor der Ziellinie gestoppt wurde, folgte ein Rückschritt nach dem anderen. Heute musste das Unternehmen die nächste Niederlage bekannt geben.

Die Übernahme, die von den US-Behörden zur Genehmigung dem Präsidenten mit der Empfehlung vorgelegt wurde, den Deal zu untersagen, bekam erwartungsgemäß nicht die Zustimmung von Präsident Barack Obama.

Damit ist der Deal in der bisherigen Form vermutlich tot.

Militärische Nutzungsmöglichkeit der Anlagen erschwert Übernahme

Rückblick: Der chinesische Investor FGC hat für den Halbleiter-Anlagenbauer Aixtron im Mai dieses Jahres ein Übernahme-Angebot von 676 Mio. € – 6 € je Aktie – abgegeben.

Mit dem Deal wollte sich das angeschlagene Unternehmen in die Arme eines finanzstarken Partners retten. Zunächst sah alles nach einem reibungslosen Deal aus.

Doch kurz vor Übernahme-Abschluss entzog das Bundeswirtschaftsministerium eine für den Deal notwendige Unbedenklichkeits-Bescheinigung; mit der Begründung neue Informationen erhalten zu haben, die eine Neubeurteilung erfordern würden.

Es soll dabei um Bedenken gehen, die eine militärische Nutzung der Aixtron-Anlagen ermöglichen.

Diese könnten zur Herstellung von Chips für Waffensysteme genutzt werden – u. a. kommt die Technologie bei der Patriot Missiles-Verteidigung zum Einsatz.

Aixtron ohne US-Geschäft vermutlich nicht mehr 6 € je Aktie wert

Aus diesem Grund folgte der US-Präsident der Empfehlung der CFIUS-Behörde, die Übernahme zu untersagen.

Ein Deal ist damit nicht automatisch vom Tisch, doch kann sehr stark davon ausgegangen werden, dass die Transaktion zumindest nicht mehr zu den bisherigen Voraussetzungen stattfinden wird.

Denn ohne die Genehmigung kann FGC nicht das US-Geschäft und auch nicht die in den USA angemeldeten Patente erhalten.

Wenn davon ausgegangen wird, dass dies nicht ohne Wert ist, muss angenommen werden, dass es eine Korrektur des Übernahme-Preises geben wird.

Aktie weit unter Angebots-Preis: Markt hat Chance auf ursprüngliches Übernahme-Angebot aufgegeben

An der Börse sorgte die Entscheidung für keine nennenswerte Kursreaktion.

Es wurde bereits erwartet, dass die Genehmigung verweigert wird. In einem starken Marktumfeld steigt die Aixtron-Aktie um 0,9% auf 3,87 €.

Damit ist die Kurslücke zum Angebots-Preis von 6 € inzwischen auf über 50% angewachsen. Dies zeigt Ihnen, dass der Markt nicht mehr mit einem Deal zu den Ursprungs-Konditionen rechnet.

Deal-Chance lebt weiter, doch ohne Übernahme könnte es ungemütlich werden

Es stellt sich die Frage, ob es am Ende überhaupt eine Übernahme gibt. Vielfach wird noch darauf gesetzt, dass es eine Transaktion ohne US-Geschäft geben könnte.

Dies ist möglich, doch ist ebenso gut vorstellbar, dass das Bundeswirtschaftsministerium die gleichen Sicherheitsbedenken anführt wie die US-Behörden und die Übernahme untersagt.

Dann wird es keine Übernahme geben, was für die Aixtron-Investoren nachteilig sein könnte.

Unternehmens-Chef Martin Goetzeler warnte im Sommer höchstpersönlich, dass ein Übernahme-Aus Entlassungen und eine Verkleinerung des Technologie-Portfolios nach sich ziehen könnten.

5. Dezember 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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