Aixtron-Übernahme wackelt: Feinster Polit-Zirkus im Anmarsch?

Wer an der Börse spekuliert, der weiß: Nichts ist 100%-ig sicher. Es gibt immer wieder Überraschungen. Bestes Beispiel dafür ist zum Wochen-Auftakt die Aixtron-Übernahme.

Der Deal war eigentlich gelaufen, bis jetzt aus dem Nichts plötzlich an den Beinen der Übernahme gesägt wird.

Das Wirtschaftsministerium hat die Unbedenklichkeits-Genehmigung wieder zurückgezogen und eine erneute Prüfung angekündigt.

Übernahme-Abschluss zunächst so gut wie sicher….

Eigentlich wollte sich Aixtron für 6 € je Aktie von dem chinesischen Investor Fuijan Grand Chip übernehmen lassen.

Das Management stimmte einer vor wenigen Monaten vorgelegten Offerte zu und empfahl den Aktionären die Angebots-Annahme.

Die folgten der Weisung des Managements, bis vergangenen Freitag hatten 65% der Aktionäre ihre Anteile angedient.

Der Aktienkurs kletterte im Zuge dessen bis rund 5% unter dem Angebots-Preis – ein Indiz dafür, dass der Markt den Deal für sehr sicher hielt.

…doch jetzt nur noch mit Außenseiter-Chance

Heute wendete sich jedoch das Blatt. Für die Aixtron-Aktionäre ist der urplötzliche Einspruch höchst unvorteilhaft, denn dadurch wird die Übernahme wieder unsicher.

Dementsprechend reagierte auch die Aktie, die um mehr als 15% einbrach.

Mit aktuell 4,84 € liegt das Papier 24% unter dem Angebots-Preis, ein Zeichen dafür, dass der Markt die Übernahme inzwischen für kaum noch wahrscheinlich hält.

Platzt der Deal, wird die Aktie mit hoher Wahrscheinlichkeit noch viel tiefer fallen. Erste Analysten-Stimmen rechnen aufgrund der angespannten Situation mit 3 – 4 €.

Was sind die konkreten Befürchtungen einer veränderten Eigentümer-Struktur?

Es ist schon überraschend, wie die Politik sich hier wieder versucht in Szene zu setzen.

Das Thema der Stunde lautet: „Vorsicht vor dem Ausverkauf deutscher Technologien nach China“.

Wie bei Populisten, wird die Angst nicht konkret sondern bleibt nebulös:

China ist gefährlich! Erst schnappen die sich unsere Technologien, dann sind die deutschen Arbeitsplätze in Gefahr!

Wird schon irgendwie stimmen. Der bequeme Geist hinterfragt nicht die Zusammenhänge, bisherige Erfahrungen, oder vergleichbare Situationen.

Egal ob es stimmt oder nicht: Wenn wir die Übernahme verbieten, gehen wir auf Nummer sicher, scheint der Grundgedanke zu sein.

Neue Handels-Barrieren? – Wirtschafts-Verbände schlagen Alarm

Dass im Falle von Aixtron nicht eine deutsche Spitzen-Technologie „geklaut“ wird, sondern ein angeschlagenes Unternehmen die bitter benötigte Hilfe angeboten bekommt, um wieder erfolgreich zu werden, wird vollständig übersehen.

Dass die Eigentumsrechte der Aktionäre beschnitten werden, scheint egal zu sein, weil das vermeintlich höhere Gut der Schutz deutscher Spitzen-Technologie ist, die im Falle von Aixtron mit Blick auf die Geschäftsentwicklung hoffentlich nicht  die Speerspitze „deutscher Spitzen-Technologie“ ist.

Das Wirtschaftsministerium will hier ein Unternehmen schützen, dass eigentlich gerettet wird und erlaubt es den Aktionären offenbar nur an bestimmte Käufer ihre Anteile abzugeben.

Es wird bereits befürchtet, dass das Wirtschaftsministerium noch weiter ausholt und generelle Regeln zur Verhinderung von Nicht-EU-Auslands-Übernahmen einführt.

Die Wirtschafts-Verbände sind angesichts dessen alarmiert und verweisen auf die wechselseitigen Abhängigkeiten.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer warnt im Handelsblatt, dass keine Volkswirtschaft so sehr von freien Märkten abhängig ist, wie die deutsche Wirtschaft.

China ist kein Risiko

Es ist kurios. Die Politik will etwas schützen, das gar nicht geschützt werden will. Für viele Unternehmen ist China eine Chance und nicht ein Risiko.

Es gibt keinen „Ausverkauf“ sondern lediglich einzelne Transaktionen, die von den Unternehmen und von deren Aktionären gewollt sind.

Für die Aixtron-Aktionäre ist das Angebot des chinesischen Bieters fast allen Analysten zufolge ein äußerst positives Szenario. Ohne einen Deal droht erheblich Ungemach.

Die Politik schützt also in diesem Fall nicht, sondern drängt sich nachteilig auf und riskiert damit neue Handels-Barrieren in einem Schlüsselmarkt für die deutsche Industrie.

24. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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