Aktie von General Electric stürzt nach Betrugsvorwürfen ab

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Die Aktie von General Electric stürzt nach Betrugsvorwürfen ab. Angeblich ist das Liquiditätsloch noch größer als bei Enron. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Am vergangenen Donnerstag hat es eine Ikone der amerikanische Industriegeschichte erwischt: Die Aktien von General Electric stürzten zeitweise um mehr als 14% ab, nachdem dem Konglomerat vorgeworfen wurde, Buchhaltungslücken zu nutzen, um Verluste von insgesamt 38 Milliarden US-Dollar zu verstecken.

Vom Aufdecker des Madoff-Skandals

Das ist natürlich starker Tobak und hätte vermutlich auf nicht viel Aufmerksamkeit erregt, wäre nicht der Autor der Vorwürfe in der Vergangenheit bereits durch investigative Berichterstattung aufgefallen. Harry Markopolos, der sich selbst als forensischer Buchhalter und Finanzbetrugsermittler bezeichnet, war vor rund zehn Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass die Vermögensverwaltung von Bernard „Bernie“ Madoff als das größte Schneeballsystem der US-Geschichte enttarnt wurde. 2009 wurde Madoff bekanntlich zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nun also folgt der nächste Streich. In dem 175-seitigen Bericht, den Markopolos nach mehr als einjähriger Recherche in Zusammenarbeit mit einem nicht genannten Hedgefonds veröffentlicht hat, wird behauptet, dass GE seine Kosten und Verbindlichkeiten in den Abschlüssen der vergangenen Jahre massiv geschönt habe. Seinen Untersuchungen zufolge, die als erste vom renommierten Wall Street Journal zitiert wurden, verfügt das Versicherungsgeschäfts von GE gar nicht über die notwendigen Mittel, um bestehende Ansprüche auf Langzeitpflegepolicen abzudecken.

War schon Jack Welch involviert?

Die berechneten 38 Milliarden US-Dollar – mehr als der Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung des Mischkonzerns – seien sogar nur die Spitze des Eisbergs. Auch die Rückstellungen in einer Versicherungssparte müssten eigentlich um 18,5 Milliarden US-Dollar aufgestockt werden. Hinzu kommen Unregelmäßigkeiten im Geschäft mit der Ausrüstung der Öl- und Erdgasindustrie. Letzten Endes sei Mischkonzern nur eine lange Betrugsgeschichte, die bis in die 1990er-Jahre zurückreiche. In eine Zeit also, in der GE noch vom legendären Jack Welch geführt wurde.

Größer als Enron?

Markopolos geht sogar so weit zu behaupten, der geschichtsträchtige, milliardenschwere Konzern sein “ein größerer Betrug als Enron und Worldcom” zusammen. Dieser „enroneske Geschäftsansatz“, den Markopolos entdeckt haben will, werde aller Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass das Unternehmen Konkurs anmelden wird, sagte Markopolos in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC. Nachdem es bei WorldCom und Enron etwa vier Monate gedauert habe, werde man sehen, wie lange sich GE noch halten könne.

Dass sich GE zur Wehr setzen würde, war absehbar. Auf die Vorwürfe angesprochen erklärte ein Unternehmenssprecher, dass der Elektrokonzern hinter seinen Finanzzahlen stehen und in seiner Finanzberichterstattung mit dem “höchsten Maß an Integrität” arbeiten würde. Und der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Larry Culp, ergänzte, dass die Behauptungen irreführend seien und einen Versuch zur Marktmanipulation darstellten.

Jetzt hat sich die Securities and Exchange Commission (SEC) eingeschaltet, der führende Finanzüberwacher der USA, die in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium das Unternehmen auf Rechnungslegungsunregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit den Versicherungs- und Energiebereichen untersuchen wird.

Und die Aktie leidet weiter

Das einst wertvollste Unternehmen der Welt musste in den vergangenen Jahren an mehreren Fronten kämpfen: Drei Vorstandsvorsitzende in den letzten vier Jahren, Verkäufe und Restrukturierungen, unter anderem des notleidenden Glühlampengeschäfts. Von den Höchstkursen, die die Aktie während der Blütezeit des Unternehmens in den 90er Jahren erreicht hatte, ist GE inzwischen weit entfernt. Jetzt geht es erst mal um Schadensbegrenzung – was für gewöhnlich nicht hilfreich für eine Stabilisierung des Aktienkurses ist.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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