Aktie von Tele Columbus bleibt ein Papier für kurzfristige Spekulanten

Großaktionäre flüchten in Scharen aus der Aktie von Tele Columbus. Hierfür ist nicht allein die Gewinnwarnung verantwortlich. (Foto: Phongphan / Shutterstock.com)

Hinterher ist alles ganz einfach. Doch wer hätte geahnt, dass die Aktie von Tele Columbus bis auf 2,50 Euro fallen könnte – nachdem sich diese noch im März aufmachte, wieder die 10 Euro-Marke zu knacken? Nun scheint eine Gegenbewegung eingesetzt zu haben und so manch einer unter Ihnen mag sich fragen, ob die Zeit reif ist für einen Einstieg.

Mit 3,6 Mio. angeschlossenen Haushalten ist Tele Columbus der drittgrößte Kabelnetzbetreiber Deutschlands. Regional ist Tele Columbus auf Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fokussiert, ist jedoch auch in zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen präsent. Dabei beschränkt sich Tele Columbus nicht auf die einfache Weiterleitung von Signalen, sondern arbeitet über eine eigene Produktplattform aktiv an der Ausweitung des Programmangebots und der Entwicklung von Zusatzdiensten.

Zeichen deuten nach unten

Das Hauptproblem von Tele Columbus ist seine hohe Verschuldung. Aus dem letzten Quartalsbericht geht hervor, dass das Unternehmen eine Nettoverschuldung von mehr als 1,3 Milliarden Euro aufweist, die Eigenkapitalquote liegt bei gerade einmal 24,5 %. Dementsprechend haben im vergangenen Jahr die Zinsaufwendungen von 57,6 Mio. Euro das operative Ergebnis (EBIT) von 41,4 Mio. Euro deutlich überschritten.

Gleichzeitig zeigten in der jüngeren Vergangenheit sämtliche Trends in die falsche Richtung: Erträge und operative Cashflows gingen tendenziell zurück, Investitionen und Verschuldung stiegen tendenziell an.

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Gewinnwarnung nur der Anfang

Doch im laufenden Jahr scheint sich die Lage nochmals verschlimmert zu haben. Zunächst wurde die Guidance 2018 gekappt: An Stelle eines Umsatzwachstums im mittleren einstelligen Prozentbereichs erwartet der Vorstand nur noch ein Umsatzwachstum im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Damit konnte auch die ursprüngliche EBITDA-Prognose nicht gehalten werden, die auf eine Spanne zwischen 265 und 280 Mio. Euro (zuvor 280 bis 290 Mio. Euro) zurückgenommen werden musste.

Und dann kam der 10. August: Nur fünf Tage vor der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen wurde der Veröffentlichungszeitpunkt auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben. Dass es das Unternehmen nicht für erforderlich hielt, die Verschiebung als Ad hoc-Meldung zu verkünden: Geschenkt! Doch dass als Begründung für die Verschiebung lapidar die „Finalisierung des Integrationsprojekts“ angegeben wurde, kam an der Börse nicht gut an. Die Aktie, schon zuvor unter mächtigem Druck, hat sich in der folgenden Woche nochmals beinahe halbiert.

Neue Besen kehren gut, möglicherweise zu gut

Insbesondere die Großinvestoren sind, das zeigen mehreren Stimmrechtsmeldungen, scharenweise aus der Aktie geflüchtet. Corporate Goverance muss eben auch gelebt und nicht als bloßes Lippenbekenntnis auf die Website des Unternehmens gestellt werden. Das neue Management – CEO und CFO haben erst in diesem Jahr ihre Tätigkeit aufgenommen – scheint zwar mit eisernem Besen durch die Bücher und Bilanzen zu fegen, doch unzweifelhaft Nachholbedarf in Kapitalmarktkommunikation zu haben.

Hinzu kommt: Müssten die bisherigen Wertansätze der Beteiligungen korrigiert werden, würden sich die dadurch ausgelösten Impairment-Abschreibungen unmittelbar auf das Eigenkapital durchschlagen. Ob dann noch die Covenants eingehalten werden können, ist fraglich. Vom Gewinneinbruch zum Bilanzskandal á la Steinhoff scheint plötzlich alles möglich zu sein. Kein Wunder, dass einzelne Banken die Aktie zwischenzeitlich als “uninvestierbar” bezeichnet haben. Abhilfe dürfte erst die Veröffentlichung des Quartalsabschlusses schaffen, doch bis dahin bleibt die Aktie ein volatiler Spielball der Spekulanten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.