Aktien: Deutsche zu ängstlich oder zu unwissend?

Erst kürzlich habe ich Ihnen hier an dieser Stelle geschrieben, dass sich die Deutschen in den vergangenen Wochen eher von Aktien und Fondsanteilen getrennt haben als neue zu erwerben.

In die gleiche Kerbe schlägt jetzt auch ein aktueller Bericht des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Das DAI hat heute gemeldet, dass die Zahl der Aktionäre in Deutschland trotz anhaltender Niedrigzinsen wieder leicht gesunken ist.

Laut der DAI-Meldung besaßen knapp 8,98 Mio. Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das waren 30.000 weniger als im Jahr zuvor. Im Vorjahr wurde dank eines kräftigen Zuwachses mit 9,01 Mio. der höchste Stand seit dem Jahr 2012 erreicht.

In vielen Berichten – so auch in dem DAI-Bericht – ist vor allem die Rede davon, dass die Deutschen trotz niedriger Zinsen nicht auf Aktien setzen. Dabei fehlt mir der Faktor Inflation. Zumal – wie ebenfalls heute berichtet wurde – die Inflationsrate in Deutschland im Januar dieses Jahres auf 1,9% und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2013 geklettert ist.

Was es bedeutet, in Zeiten historisch niedriger Zinsen und einer anziehenden Inflation auf Aktien als Geldanlage zu verzichten, zeigt die folgende Musterrechnung, die ich vor einigen Wochen schon einmal an dieser Stelle aufgemacht habe.

Die Mehrzahl der deutschen verbrennt bares Geld

Die für 2017 erwartete Inflationsrate von 1,6% übersteigt das Zinsniveau, das Sie bei Anlagen auf Tages- und Festgeldkonten erhalten, mittlerweile um ein Vielfaches. Wenn Sie beispielsweise 100.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto anlegen und dafür 0,3% Zinsen erhalten, so verlieren Sie auf Jahressicht rund 1.300 Euro an Kaufkraft.

Zwar erhalten Sie – wenn wir in unserem Beispiel bleiben – 300 Euro Zinsen gutgeschrieben. Dafür haben Ihre 100.000 Euro nach Ablauf des Jahres und unter Berücksichtigung der Zinsen und der Inflationsrate nur noch eine Kaufkraft von 98.700 Euro.

Dieses vereinfachte Zahlenbeispiel verdeutlicht Ihnen, dass eine steigende Inflationsrate und ein gleichzeitig auf historisch niedrigem Niveau verharrender Zins für Sparer eine denkbar ungünstige Kombination darstellt.

Warum die meisten Deutschen einen Bogen um die Börse machen

Obwohl sie unter dem Strich immer mehr an Kaufkraft verlieren, wenn sie auf beliebte Sparprodukte wie Sparbuch oder Tagesgeld setzen, machen die meisten Deutschen nach wie vor einen weiten Bogen um die Börse. Doch warum ist das so?

Dafür gibt es aus meiner Sicht 2 wesentliche Gründe: Auf der einen Seite Angst und auf der anderen Seite Unwissenheit.

In einigen Fällen resultiert die Angst aus Unwissenheit, in anderen Fällen aus negativen Erfahrungen. Denn gerade in der älteren Generation sind einige Ex-Aktionäre zu finden, die im Zuge des Platzens der New-Economy-Blase Lehrgeld gezahlt haben und seither Aktien scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Bei der jüngeren Generation sieht es oft anders aus. Hier sind weniger schlechte Erfahrungen mit Aktien als vielmehr Unwissenheit ursächlich dafür, dass es zu wenige Aktionäre in Deutschland gibt. Angesichts der sinkenden gesetzlichen Rente möchte ich aber vor allem an die jüngere Generation appellieren, Aktien zu kaufen.

Denn: Auf lange Sicht können Sie mit Aktien fast nur gewinnen. So brachte der deutsche Leitindex DAX beispielsweise in den vergangenen 29 Jahren (seit der Gründung im Jahr 1988) eine jährliche Durchschnittsrendite von rund 8% (inklusive Dividenden).

14. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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