Aktien-Indizes: Die große Schwung-Analyse

Was sagt der Schwung-Indikator, das Momentum, derzeit über die wichtigen Aktien-Indizes aus? (Foto: Deutsche Börse AG)

In den einschlägigen Marktkommentaren erhalten Sie derzeit vermehrt vorsichtige, ja teils sogar warnende Einschätzungen zu den Aktienmärkten. Das hat, aus einem bestimmten Blickwinkel heraus, durchaus seine Berechtigung.

Schauen wir beispielsweise einmal auf den DAX: Laut meiner Datenbank ist der September für den deutschen Leitindex der mit Abstand schlechteste Monat im Kalenderjahr in den zurückliegenden 58 Jahren!

Der DAX erzielte danach nur in 23 Jahren ein positives Ergebnis – 35x schaute am Ende ein Minus heraus. Summiert ergeben alle September-Verluste seit 1960 einen Saldo von -183,5%.

Der August folgt mit einem kumulierten Minus von -138,4% in 26 Jahren auf Rang 2 und der Oktober mit -121,2% in 23 Jahren.

Sie sehen: Es scheint – zumindest aus statistischer Sicht – tatsächlich Anlass zur Sorge zu bestehen. Wir schauen daher heute und morgen einmal auf einige bedeutende Aktien-Indizes in Deutschland und den USA.

Für die Analyse verwende ich das 50-Tage-Momentum, um alle Indizes mit demselben Indikator zu vergleichen.

Was ist eigentlich Momentum?

Doch bevor wir in „medias res“ gehen, klären wir die häufig gestellte Frage, was denn Momentum eigentlich genau bedeutet.

Nehmen wir einmal an, Sie fahren in Ihrem Auto, treten dabei das Gaspedal kräftig durch und lassen es dann urplötzlich los:

Ihr Fahrzeug erhält einen massiven Geschwindikgkeits-Schub, von dem es dann noch einige Zeit weitergetragen wird. Genau das ist Momentum!

Auf die Börse übertragen zeigt Ihnen dieser Indikator also an, wie viel Schwung und Dynamik in einer Kursbewegung stecken.

Was Sie zum Momentum noch wissen sollten

Das Momentum wird errechnet, indem vom aktuellen Schlusskurs der Schlusskurs vor X Tagen subtrahiert wird. „X“ bezeichnet mithin den Zeitraum, gemessen in Tagen, den Sie selbst bei Ihrer Analyse vorgeben.

Ich persönlich bevorzuge seit jeher eine Spanne von 50 Tagen: Das entspricht 10 Handelswochen (10 x 5 Handelstage pro Woche). Damit lässt sich der mittelfristige Trend eines Marktes beurteilen.

Je nachdem, welche Handelsfrequenz Sie bevorzugen, können Sie selbstverständlich auch niedrigere oder höhere Werte einsetzen: Trading-orientierte Anleger beispielsweise dürften sich mit einem 15- oder 20-Tage-Momentum wohl fühlen.

Der Indikator kann Werte im positiven und im negativen Bereich annehmen. Entsprechend wird dann positive oder negative Kursdynamik aufgebaut. Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

An der Wall Street steht der nächste Trendschub anDer amerikanische S&P 500 hat ein neues Allzeithoch erreicht und steht vor einer weiteren mittelfristigen Trendbewegung. › mehr lesen

Wenn sich das Momentum beispielsweise oberhalb der Nulllinie seitwärts bewegt, kann (und wird auch meistens) der Kurs des betrachteten Marktes durchaus weiter klettern. Das wird häufig missinterpretiert.

Doch je höher der Momentum-Wert, umso größer ist natürlich die daraus resultierende Schwungkraft. Das gilt umgekehrt für negative Dynamik.

Abwärts aus dem Dreieck?

Damit genug der Vorrede: Schauen wir zu Beginn unserer Betrachtung auf den DAX.

DAX-Momentum: Seit Juni wird negative Dynamik aufgebaut

Der deutsche Leitindex hat seit Mai dieses Jahres ein absteigendes Dreieck ausgebildet: Auf der Oberseite wurden immer tiefere Hochs (rote Bögen) generiert, während die Abwärtsbewegung bei 12.100 Zählern bislang immer abgebremst wurde (grüne Bögen). Übersetzt heißt das:

Nach oben trauten die Anleger dem DAX immer weniger zu, während sie bei 12.100 Punkten den Index als kaufenswert ansahen. Fällt daher diese Unterstützung, dürfte sich die Abwärtsbewegung noch einmal verschärfen, weil die früheren Käufer Verluste realisieren.

Das ist der Grund dafür, warum das Kursmuster des „absteigenden Dreiecks“ eine negative Prognose-Kraft besitzt.

Worauf es jetzt beim DAX ankommt

Mit dem heutigen Tag „knabbert“ der DAX an der genannten Unterstützung: Es könnte daher in der nächsten Zeit noch einmal „hässlich“ werden.

Das 50-Tage-Momentum scheint auf den ersten Blick gegen eine solche Entwicklung zu sprechen: Der Indikator ist vor 1 Woche erst durch den seit Juni bestehenden Abwärtstrend gebrochen. Allerdings:

Wie Sie auch sehen, bewegt sich das Momentum seit der letzten Juniwoche unterhalb der Nulllinie. Somit baut der Indikator bestenfalls neutrale, überwiegend jedoch negative Dynamik auf.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Sollte das letzte Tief im Momentum (grüner Bogen) nicht unterschritten werden, falls der DAX auf Tauchstation geht, dann würde eine Divergenz (Abweichung) ausgebildet.

Eine solche Divergenz des Indikators zum Kursverlauf kündigt in aller Regel eine bevorstehende Trendwende an. Doch das gilt es erst noch abzuwarten.

Morgen schauen wir dann auf weitere bedeutende Indizes und ihr Momentum!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.