Aktien kaufen, ohne sie zu haben?

Der Begriff “Synthetische Long Aktien-Position” bedeutet nichts anderes als:

“Nachbildung einer Aktien-Position ohne die Aktien zu besitzen durch den Kauf eines Calls und den Verkauf eines Puts mit gleichen Ausübungspreisen und gleichem Verfalldatum”.

Bsp:Kauf 1 SAP-Call Laufzeit Juni 2012 Basis 49 und Verkauf 1 SAP-Put Laufzeit Juni Basis 49.

Der Anleger bezahlt den Kaufpreis für die Calls und nimmt die Prämie für die verkauften Puts ein. Dabei sollte der Basispreis (Strike) in etwa gleich hoch liegen, wie der aktuelle Kurs der Aktie am Markt.

Wofür brauche ich das?

Der Anleger hat im Wesentlichen 3 Vorteile bei der synthetischen Nachbildung einer Long-Aktienposition gegenüber der direkten Anlage in der Aktie:

1. Er bildet eine Aktienposition von 100 SAP-Aktien nach und verdient am Kursgewinn von 100 SAP-Aktien, ohne diese zu besitzen.

2. Er nimmt im genannten Beispiel Geld ein und braucht nur einen Bruchteil an Kapital, lediglich etwa 300 Euro als Margin auf dem Konto zu haben. Der adäquate Kauf der Aktie würde 4.900 Euro kosten!

3. Er hat den Vorteil eines leicht billigeren Einkaufskurses gegenüber dem aktuellen Preis der Aktie.

Beispiel: (Kurse vom 25.04.2012, 12:42 Uhr)

SAP-Aktienkurs:  49,00 Euro

SAP-Call, Juni 2012, Basis 49:  1,35 Euro

SAP-Put, Juni 2012, Basis 49:   2,00 Euro

Der Kontraktwert für SAP an der Terminbörse EUREX beträgt 100. Das bedeutet, 1 Kontrakt (Mindesthandelsgröße) entspricht dem Kurswert von 100 Calls oder Puts.

Aufbau der synthetischen Long-SAP-Position:

Der Anleger kauft:

1 Kontrakt SAP-Call, Juni 2012, Basis 49

und verkauft gleichzeitig:

1 Kontrakt SAP-Put, Juni 2012, Basis 49.

Rechnung:

Der Anleger bezahlt 100*1,35 = 135 Euro und nimmt ein: 100*2,00 Euro = 200 Euro.

Damit erzielt er ein Plus von 65,- Euro.

Für dieses Konstrukt muss der Anleger eine Margin von 375 Euro auf dem Konto haben.

Der direkte Kauf der Aktie würde kosten:  4.900,- Euro.!

Szenario 1: Aktie steigt auf 55 Euro

Rechnung: Der Call ist (55 – 49)*100 = 600,- Euro Wert.

Der Put ist wertlos.

Damit hat der Anleger 600 Euro + 65 Euro = 665 Euro Profit gemacht.

Das Direktinvestment hätte nur 600 Euro Profit erwirtschaftet. So gesehen hat der Anleger die 100 SAP-Aktien synthetisch für 48,35 Euro erworben und nicht für 49 Euro. Ein Kaufvorteil versus dem Direktkauf von immerhin 1,32%

Szenario 2: Aktie bleibt stehen auf 49 Euro

Rechnung: Der Call und der Put sind beide wertlos.

Macht unterm Strich: +65 Euro, da die anfangs eingenommene Prämie für den Put um genau 65 Euro höher war, als der gekaufte Call.

Der Anleger macht also 1,32% Plus, bezogen auf das Anfangskapital sogar 20% Plus obwohl die Aktie keinen Kursgewinn verzeichnete.

Szenario 3: Aktie fällt auf 45 Euro

Rechnung: Der Call ist wertlos. Der Put kostet (49-45)*100 = 400 Euro. Der Anleger hat also folgende Endabrechnung:  65 Euro – 400 Euro = -335 Euro Verlust.

Beim Direktkauf der Aktien hätte der Anleger sogar 400 Euro Verlust eingebüßt, er macht also mit dem synthetischen Kauf weniger Verlust.

Fazit:

Der synthetische Kauf von Aktien macht Sinn, denn der Anleger erkauft sich die Aktie günstiger, braucht nur ein Bruchteil des Kapitals und profitiert genauso wie die Aktie von den Kursen.

Jedoch gibt es nichts ohne auch einige Nachteile:

Der synthetische Käufer erhält keine Dividenden.

TIPP: Es ist sehr zu empfehlen, derartige Käufe erst nach der Dividendenausschüttung durchzuführen und diese maximal ein halbes bis ¾-Jahr zu halten.

25. April 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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