Bewertung Commerzbank: Neues Dax-Gewicht bringt Kurssprünge

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Commerzbank hat neue Aktien ausgegeben - dadurch steigen Fonds weiter ein. Vorsicht, meinen wir. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Gewicht von Commerzbank im Dax höher – Aktienbewertung zeigt “Vorsicht”

Erst vor noch nicht einmal 36 Stunden ist der wesentliche Teil der Kapitalerhöhung der Commerzbank abgeschlossen worden. Nunmehr hat die Aktie das 3fache Gewicht im Dax – aus technischen Gründen ein Kaufargument. Wir haben eine neue Aktienbewertung für Sie vorgenommen und kommen zum Schluß: “Vorsicht”.

Wer bis dato schon Aktionär der Commerzbank war, weiß, warum. Der Kurs hat in rund zwei Monaten fast 40% verloren – allein die anstehende Kapitalerhöhung hat Investoren den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Inzwischen sind die Bezugsrechte für neue Aktien gehandelt worden – bis Mittwoch. Jetzt haben sich die Verhältnisse neu geordnet.

Kapital insgesamt verdreifacht

Der erste Schritt der Kapitalerhöhung der Commerzbank brachte 11 Milliarden Euro, jetzt hat die Bank nach Einschätzung von Analysten das Doppelte “eingenommen”. Daher der Handel mit den Bezugsrechten für “Altaktionäre”, die auf diese Weise entscheiden konnten, teilzunehmen.

Der Anteil der Commerzbank im Dax wird dadurch, weil der Dax nach der Marktkapitalisierung zusammen gestellt ist, von bis dato 0,6% auf etwa 2% steigen. Indexfonds müssen die Aktie kaufen und haben daher jetzt bereits den Kurs stabilisiert und sogar nach oben getrieben.

Fraglich ist nur, wie nachhaltig der Trend ist. Unsere Aktienbewertung hat eine gehörige Portion Skepsis aufgeworfen.

Aktien-Analyse: Commerzbank riskant

Trotz der scheinbar positiven Stimmung müssen wir daher etwas Salz in die Suppe kippen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) steht scheinbar bei günstigen 3,9. Dies wäre ein Einstiegsgrund.

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Das Gewinnwachstum für die nächsten Jahre wird nach Konsensus Schätzungen der Analysten um jährlich mehr als 20% steigen. Auch dies ist ein guter Wert, der an sich zu Investments einladen müsste.

Schließlich beträgt die Korrelation zum Vergleichsindex ein weiteres Kaufargument: die Aktie wird rechnerisch unabhängig von der Marktentwicklung sein. Gerade in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung für sicherheitsorientierte Investoren und für institutionelle Investoren wie Versicherungen ein Kaufargument.

GeVestor.de meint aber: Dividenden dürfen Sie vorerst nicht erwarten. Dies ist ein erstes Argument gegen den Kauf. Zudem kommt aber gerade die Finanzkrise ungelegen. Nach neuesten Meldungen wird “Griechenland” nicht ausfallen – aufgeschoben aber ist nicht aufgehoben.

Kurzfristig atmet die Commerzbank auf. Sie hat etwa 3 Milliarden Euro nach Griechenland verliehen und hätte in der eigenen Bilanz sofort Verluste mit Anleihen abschreiben müssen. Daher ist allerdings das Risiko geblieben. Da wir mit davon ausgehen, dass Griechenland eines Tages “umschulden” wird, folgt die Abschreibung noch.

Das neue Gewicht im Dax ist nur Kosmetik, die bald wieder vorbei ist. Der langfristige Nachteil: die Bank ist aus unserer Sicht nicht so gesund wie die Deutsche Bank. Diese empfehlen wir her zum Kauf.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.