Aktienkurs von Varta unter Strom

Mann Kurse Zettel Rechner Tisch – Rawpixel.com – shutterstock_613049738

Der Aktienkurs von Varta steht unter Strom, nachdem sich chinesische Wettbewerber um Patente wenig zu kümmern scheinen. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

An Volatilität nur schwer zu übertreffen ist derzeit die Varta-Aktie, nachdem Anfang Januar auf Seekingalpha, einer renommierten Börsenwebsite, eine Studie veröffentlicht wurde, in der der Autor die Varta-Aktie mit einem „Strong Sell“ eingestuft hat. Daraufhin hat die Aktie in der letzten Woche bereits deutlich zweistellig korrigiert. Nach kurzer Belebung scheint sich die Entwicklung in dieser Woche jedoch fortzusetzen. Insgesamt hat die Varta-Aktie seit Jahresanfang bereits ein Drittel ihres Wertes verloren. Ein Start ins neue Jahr zum Vergessen.

Schneller Gewinn von Marktanteilen…

Auslöser der Verkaufsempfehlung war, dass der Autor die nahezu monopolistische Marktstellung von Varta bei schnurlosen Audio-Kopfhörern in Frage gestellt hat. In diesem Bereich der münzförmigen wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Mikrobatterien (“Li-Ion”) konnte Varta in den vergangenen Quartalen exorbitante Wachstumsraten verzeichnen, da sich das Unternehmen durch seine gute Marktstellung bei Einwegbatterien für Hörgeräte auch im Bereich der audiophilen Endgeräte einen hochmargigen First-Mover-Vorteil verschaffen konnte.

Nachdem Varta durch seine jahrelange Erfahrung der weltweit einzige Anbieter mit nennenswerter Produktionskapazität von kleinformatigen Li-Ionen-Batterien war, hat das schwäbische Unternehmen in kurzer Zeit mit namhaften Kopfhörerherstellern wie Apple, Bose oder Sony „Design-In-Verträge“ abgeschlossen – und zu deren Bedienung erhebliches Kapital in den weiteren Kapazitätsausbau investiert.

…die der anonyme Autor nun in Frage stellt

Nun hat jedoch der unter dem Pseudonym „Black Mamba“ agierende Autor in seiner Verkaufsstudie berechtigte Zweifel an der Marktstellung von Varta geäußert. Und dies auch belegen können. Ganz einfach, indem er sich die Mühe gemacht hat, einige der Kopfhörer aufzuschrauben um herauszufinden, welche Batterien in diesen eigentlich verarbeitet worden waren. Zu seiner Überraschung fand er dort weniger deutsche Qualitätsware vor, sondern Produkte von chinesischen Billiganbietern, darunter, wie die Börsen-Zeitung unter Berufung auf einen Varta-Sprecher mitteilte, die Batteriehersteller Mic Power und Eve.

Die zuvor offensichtlich massiv aufgerüstet haben. Der größte von ihnen verfügt nach Ansicht des Autors über ein Produkt, das dem von Varta nicht nur technologisch überlegen ist, sondern auch zu einem niedrigeren Verkaufspreis angeboten wird. Damit wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Marktstellung von Varta im Unterhaltungsbereich sukzessive erodiert wird. Selbst unter sehr großzügigen Annahmen geht der Autor davon aus, dass sich die Varta-Aktie in den kommenden Monaten mehr als halbieren werde.

Zweifel mehren sich

Black Mambas Argumentation scheint solide zu sein. So solide, dass nun auch die Varta begleitenden Finanzanalysten, die bislang die Aktie mehrheitlich zum Kauf empfohlen haben, Zweifel an ihrem Investment Case bekommen. So haben die Analysten der Commerzbank in ihrer jüngsten Studie gemutmaßt, dass die Kunden von Varta vor allem deshalb immer häufiger auf andere Zulieferer gesetzt hätten, da Varta deren starke Nachfrage nicht länger selbst befriedigen konnte.

Was von Varta auf einer eilige anberaumten Telefonkonferenz gar nicht bestritten wird. Wohl aber, so der Vorstand, dass es rechtlich in Ordnung wäre, wie sie die chinesischen Billiganbieter verhalten hätten. Von Patentrechtsverstößen war die Rede und dass Varta dagegen rechtliche Schritte einleiten werde. Doch bis diese Wirkung zeigen, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Kaufchance oder Griff ins fallende Messer?

Wie sollte man nun mit der Aktie auf dem aktuellen Niveau verfahren? Ergibt sich eine langfristige Kaufchance oder handelt es sich um den sprichwörtlichen Griff ins fallende Messer? Kurzfristig ist die Kursrichtung der Varta-Aktie nicht zu prognostizieren, da insbesondere die Zurückhaltung der institutionellen Akteure belasten dürfte.

Langfristig sollten Anleger die Bewertung der Aktie berücksichtigen, die selbst auf dem aktuell gedrückten Kursniveau ausgesprochen ambitioniert erscheint: Denn selbst wenn die ambitionierten Ergebnisschätzungen erreicht werden sollten, wird die Varta-Aktie mit dem 38-fachen der 2020er Gewinne gehandelt. Eine stramme Bewertung. Um sie zu rechtfertigen, wäre von Varta jedoch auch nach 2020 weiteres zweistelliges Wachstum vonnöten.

Deutschland Aktien shutterstock_401691988 gopixa

Warum Deutschland kein Aktienland istDeutschland ist in Sachen Aktienkultur ein Entwicklungsland. Das ist schade! Denn vor allem die Nicht-Aktionäre leiden unter den Niedrig-Zinsen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz