Aktienmärkte: Alles ist gut?

Den DAX 30 scheint seit Wochen nichts mehr erschüttern zu können. Und wenn wir nach Argumenten suchen, was den deutschen Leitindex unter Druck bringen könnte, dann tun wir uns mittlerweile schwer:

Ein möglicher Grexit (Ausstieg Griechenlands aus dem Euro-Verbund) scheint inzwischen niemanden mehr überraschen zu können. Nicht wenige, mit denen ich darüber zuletzt diskutiert habe, wären sogar froh, wenn dieses leidige Thema endlich „irgendwie“ aus ihrem Alltag verschwände.

Auch das Thema Ukraine scheint mittlerweile „uninteressant“

Die Zinsen sind so niedrig wie noch nie zuvor und fallen als Alternative zu Aktien aus: Die Umlaufrendite fiel im März auf 0,15%. Nur mal zur Erinnerung: Die Umlaufrendite bildet die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, deutschen Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren ab!!

Der schwache Euro stärkt Europas (und natürlich Deutschlands) Exporte. Seit dem Sommer 2014 hat der Euro gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar in der Spitze -25% an Wert verloren!

Die Europäische Zentralbank (EZB) stützt beide Entwicklungen – Zinsen und Euro – durch das im März gestartete Anleiherückkaufprogramm. Bis September 2016 sollen auf diese Weise rund 1.100 Mrd. Euro in den Markt geschleust werden.

Inflation ist derzeit kein Thema. Mit -0,4% (Januar), +0,1% (Februar) und +0,3% (März) im Vergleich zum Vorjahr stehen wir eher an der Schwelle zur Deflation.

Alles ist gut?

Also ist alles gut? Ich sage: Das ist eine nicht ganz ungefährliche Situation. Warum?

Weil wir Menschen „Gewohnheitstiere“ sind. Wir lieben Vertrautes, fühlen uns wohl, wenn wir zu wissen glauben, wohin am Aktienmarkt „die Pferde galoppieren“. Indes:

Die Börse „liebt“ Überraschungen

Die Börse neigt immer genau dann zu Überraschungen, wenn wir uns allzu sicher fühlen. Die Großinvestoren scheinen ein feines Gespür dafür zu haben, was an den Märkten geschieht. Kein Wunder:

Die zu dieser Anlagekategorie zählenden Investmentfonds, Pensionsfonds, Hedgefonds, Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltungen verfügen über gigantische Kapitalmengen, mit denen sie die Trends an den Märkten bestimmen.

Schauen Sie auf die Großanleger!

Das Verhalten dieser Großanleger zu beobachten und den Spuren zu folgen, die sie in den Märkten hinterlassen, ist das Beste, was Sie für Ihren persönlichen Investment-Erfolg tun können.

Die Charttechnik hält hierfür ein exzellentes Werkzeug bereit: Das On-Balance-Volumen (OBV). Dieser Indikator verknüpft die täglichen Handelsumsätze mit den täglichen Kursveränderungen.

Auf diese Weise zeigt Ihnen das OBV, ob Geld in einen Markt hinein oder aus ihm heraus fließt. Und damit können Sie zugleich das Verhalten der Großinvestoren verfolgen.

Schauen wir uns das einmal bei 3 Indizes an: Dow Jones, S&P 500 sowie DAX 30. Ich habe mich hier auf die Entwicklung seit dem Oktobertief 2014 beschränkt:

vergleich dow jones-s&p 500-dax 30-02-04-2015

Vergleich: Die Großinvestoren an der Wall Street ziehen sich zurück

Die Großinvestoren an der Wall Street ziehen sich zurück

Es ist gut zu erkennen, dass die Wall Street die Aufwärtsbewegung nur bis zum Jahreswechsel mitgemacht hat. Der Versuch im Februar, mit einer Rallye dem DAX 30 zu folgen, war nur von geringem Erfolg gekrönt.

Tatsächlich bemühten sich die Bären bereits vor einer Woche, Dow Jones und S&P 500 unter ihre Kontrolle zu bringen: Der Aufwärtstrend wurde verletzt, der Trend-Bruch jedoch gleich wieder „geheilt“. Gestern unternahmen die Bären einen weiteren Versuch (gelbe Kreise).

Das On-Balance-Volumen macht sichtbar, in welchen Aktienmarkt die Großinvestoren in den vergangenen Monaten investiert haben. Tatsächlich ziehen sie sich bereits seit Januar bzw. seit März (Dow Jones) an der Wall Street zurück.

Die Rallye-Versuche im Februar und März entpuppen sich somit als Bemühungen der Großanleger, bestehende Aktienpositionen zu günstigen Preisen weiter abzubauen.

Beim DAX 30 ist andererseits die Übertreibung anhand des Trend-Kanals ablesbar (blauer Kreis).

Um dies klar und deutlich zu sagen: Ich rechne derzeit nicht mit einem Crash (auch wenn ich ihn natürlich nicht ausschließen kann)! Eine deutliche Korrektur wäre indes am deutschen Aktienmarkt dringend notwendig.

Möglicherweise wird eine schwächelnde Wall Street zum Auslöser eines solchen Rücksetzers.

2. April 2015

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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