Aktienmarkt: Was Mario Draghis Worte für Sie bedeuten

Erfahren Sie hier, warum viele Anleger gestern und heute einen Fehler gemacht haben und was Mario Draghis Worte für Sie bedeuten. (Foto: Deutsche Börse AG)

In den vergangenen Jahren bewegte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die Kurse europäischer Aktien teils mit wenigen Worten ein ganzes Stück nach oben.

Gestern sorgte Draghi dafür, dass die Kurse europäischer Aktien den Rückwärtsgang einlegten.

Doch was genau hat Draghi gesagt und ist die Reaktion darauf angemessen?

Gerade mit dem 2. Teil dieser Frage – also mit der Frage nach der Angemessenheit der Reaktion der Anleger auf Draghis Äußerungen – hat sich bis dato kaum jemand beschäftigt.

Daher möchte ich an dieser Stelle für Sie etwas Licht ins Dunkel bringen:

Was Mario Draghi gesagt hat

Mario Draghi äußerte sich gestern zur aktuellen Situation in der Euro-Zone und machte Andeutungen zur zukünftigen Geldpolitik der EZB.

Allein die Tatsache, dass er die Worte „Inflation“ und „Normalisierung“ in den Mund nahm, sorgte dafür, dass sich viele Anleger im großen Stil von europäischen Aktien trennten.

Draghi deutete an, dass sich die Inflation in der Euro-Zone bald wieder in Richtung der Inflationsziele der EZB bewegen könnte.

Faktoren, die die Inflation derzeit noch drücken, seien vor allen Dingen vorübergehend, so Draghi.

Daraus schlossen Marktbeobachter, dass die EZB über eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik nachdenkt. Das ist jedoch nichts Neues.

Jedem Investor, egal ob Profi oder Privat-Anleger, musste doch klar sein, dass die EZB irgendwann den gleichen Kurs einschlägt wie die US-Notenbank Fed und die Zinsen langsam wieder anhebt.

Keine Spur von zinsgetriebener Aktien-Blase

Nur wird das 1. nicht in diesem Jahr passieren und 2. nicht dafür sorgen, dass Aktien quasi über Nacht unattraktiv werden.

Denn es gibt in Folge der niedrigen Zinsen keinesfalls – wie viele immer wieder beharrlich behaupten –  eine Blasenbildung oder zumindest die Tendenz einer Blasenbildung an den Aktienmärkten.

Schauen wir uns einmal die Faktenlage an:

Die 30 DAX-Unternehmen werden derzeit mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 14 bewertet.

Dieser Wert liegt tendenziell sogar leicht unter dem historischen Durchschnittswert.

Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, wenn wir eine Blase an den Aktienmärkten haben, will ich Ihnen zum Vergleich eine interessante Zahl nennen:

Im Jahr 2000, am Höhepunkt der Spekulationsblase zu Zeiten der sogenannten New Economy, kam der DAX auf ein KGV von 30.

Das bedeutet: Damit wir eine ähnliche Blasenbildung erreichen wie im Jahr 2000, müsste der DAX auf rund 27.000 Punkte klettern – und das noch in diesem Jahr.

Denn die Gewinne der DAX-Unternehmen sprudeln aktuell wie selten zuvor.

Das wiederum sorgt dafür, dass das Durchschnitts-KGV der DAX-Konzerne sinkt, sofern der DAX nicht weiter steigt.

Aktien bleiben attraktivste Anlageklasse

Einzelne Aktien weisen ohne Zweifel ein vergleichsweise hohes Bewertungs-Niveau auf. Von einer flächendeckenden Blase an den Aktienmärkten kann aber keinesfalls die Rede sein.

Somit bleiben Aktien unter objektiven Gesichtspunkten auch dann die mit Abstand attraktivste Anlageklasse, wenn die EZB 2018 damit beginnen sollte, die Zinsen in der Euro-Zone langsam wieder anzuheben.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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