Aktienrückkauf: Warum Unternehmen Aktien zurückkaufen

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Lernen Sie neben den Gründen für Aktienrückkäufe auch ein Negativbeispiel in diesem Zusammenhang kennen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Zu Beginn dieser Woche habe ich Ihnen hier im Schlussgong von der Erhöhung des Aktienrückkaufprogramms des US-amerikanischen Technologie-Konzerns Intel berichtet und Ihnen daran anschließend erläutert, wie sich Aktienrückkäufe auswirken.

Heute möchte ich das Thema Aktienrückkäufe abschließen und Ihnen aufzeigen, aus welchen Gründen Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen. Darüber hinaus werden Sie ein Negativbeispiel für Aktienrückkäufe kennenlernen.

Gründe für ein Rückkaufprogramm

Wenn ein Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm ankündigt, wird das oft als phantasielos kritisiert. Der Vorwurf lautet: Ein Unternehmen hat keine Investitions- und Geschäftsideen mehr, daher kauft es als Notlösung eigene Aktien zurück.

Der Vorwurf kann sogar stimmen. Doch die Gründe, die für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen, sind sehr vielfältig. Hier eine Auswahl der taktischen Motive:

a) Die zusätzliche Aktien-Nachfrage soll einen kurzfristigen Abwärtstrend stoppen.

b) Der Vorstand signalisiert mit den Rückkäufen, dass er die eigene Aktie für unterbewertet hält.

c) Da Übernahmen aktuell oft zu teuer sind, kann das Geld gewinnbringender in eigene Aktien investiert werden.

d) Der Großaktionär kann mit einem Aktienrückkaufprogramm seine eigene Machtstellung ausbauen, wenn Privatanleger das Angebot annehmen, der Großaktionär aber keine Aktien abgibt.

e) In extremen Niedrig-Zins-Phasen (wie aktuell) kann es sich für ein Unternehmen sogar lohnen, für einen Aktienrückkauf Fremdkapital aufzunehmen, wenn die Zinsen niedriger sind als die eingesparten Dividenden.

f) Das Geld in der Unternehmenskasse wirft keine Zinsen mehr ab. Durch Aktienrückkäufe kann das tote Kapital arbeiten.

g) Aktienrückkäufe können Aktionäre bei Laune halten, wenn das Unternehmen in einer Umbruchphase steckt und Umsatz und Gewinn nicht steigern kann (so wie im Fall IBM; IBM entwickelt sich von einem Hardwarehersteller zu einem Software- und Dienstleistungsunternehmen. Aktienrückkäufe und Dividenden sollen die IBM-Aktionäre an das Unternehmen binden).

h) In einigen Ländern werden Kursgewinne nicht so hoch besteuert wie Dividenden. In diesen Fällen kann es sich lohnen, die Dividende niedrig zu halten und den Kurs mit Aktienrückkäufen zu steigern. Außerdem: Die Dividende wird sofort versteuert, der Kursgewinn erst nach dem Aktienverkauf. Die Steuerbelastung kann also in ein passendes Jahr verschoben werden.

i) Ein reifes Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinnstagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt (falls der Kurs zunächst stabil bleibt). So wird die Aktie wieder attraktiver.

Diese Gründe, warum Unternehmen eigene Aktien kaufen, sind mehrheitlich positiv zu werten. Aber wie bei fast allen Instrumenten, kann auch ein Aktienrückkaufprogramm missbraucht werden, oder zumindest die Risiken erhöhen.

Negativbeispiel Bankenbranche

Als es den Banken vor Ausbruch der Finanzkrise wirtschaftlich sehr gut ging, haben diese in großem Stil eigene Aktien zurückgekauft. Dadurch wurde Eigenkapital aufgezehrt, das im Zuge der Finanzkrise sehr hilfreich gewesen wäre.

Denn wenn die Eigenkapitalbasis der Banken größer gewesen wäre, hätten Sie nicht mit Ihren Steuergeldern einige der Banken vor dem Ruin retten müssen. Doch was war das Motiv der Banken für die Aktienrückkäufe? Es ging oft nur darum, die Eigenkapitalrendite (EK-Rendite) aufzupolieren. Höhere Eigenkapitalrenditen waren regelmäßig mit höheren Bonus-Zahlungen für die verantwortlichen Banker verbunden.

Durch den Rückkauf von eigenen Aktien wird das Eigenkapital verringert. Das alleine verbessert noch nicht die EK-Rendite. Was also muss noch passieren? Das Unternehmen muss lediglich den Gewinn stabil halten und schon wird durch die geringere Eigenkapitalbasis die EK-Rendite gesteigert.

Nicht nur auf Aktienrückkäufe achten

Abschließend noch einmal meine Empfehlung, die ich Ihnen bereits am Dienstag gegeben habe: Aktienrückkäufe sind zumeist positiv zu werten. Ein Aktienrückkaufprogramm reicht isoliert betrachtet jedoch nicht als Kaufargument für eine Aktie. Wählen Sie Aktien aus, die den Spagat schaffen: Aktienrückkäufe, Dividenden und Investitionen in neue Geschäftsfelder.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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