Aktionäre nicken Alcatel-Lucent-Übernahme durch Nokia ab

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Der finnische Netzwerk-Ausrüster Nokia startet mit einem Milliarden-Deal in das neue Jahr. Die 15,4 Mrd. Euro-Übernahme von Alcatel-Lucent wurde von den Aktionären abgenickt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das neue Jahr beginnt für den finnischen Handy-Pionier Nokia mit einem kleinen Erfolg. Die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten Alcatel-Lucent haben dem 15,6 Mrd. Euro schweren Übernahme-Vorstoß mehrheitlich unterstützt.

Knapp 80% der Anleger stimmten auf der außerordentlichen Hauptversammlung für einen Zusammengang der beiden Konzerne. Da bereits die Wettbewerbsbehörden die Übernahme freigegeben haben, steht dem Deal nichts mehr im Wege.

Nokia: Handy-Geschäft wird vom Zugpferd zum Bremsklotz

Die goldenen Zeiten des Handy-Pioniers Nokia sind längst vorüber. Die Finnen verpassten den Anschluss im Smartphone-Geschäft und gerieten daraufhin massiv unter Druck.

Das Handy-Geschäft, eigentlich Zugpferd des Konzerns, wurde schleichend zum ganz großen Bremsklotz. Nie erreichte Nokias Lumia-Serie den gleichwertigen Standard eines iPhones (Apple) oder Galaxy-Smartphones (Samsung). Nicht einmal 5% Marktanteil konnte Nokia mit der Serie erreichen und die Bilanzkennzahlen wurden immer schlechter.

Bis 2013 versuchte Nokia noch Anschluß zu erhalten durch bis die Führungsspitze erkannte, dass die Zukunft in einem anderen Unternehmensbereich liegen muss. Für 5,44 Mrd. Dollar wurde das kriselnde Smartphone-Geschäft an Microsoft veräußert.

Umstieg auf das Netzwerk-Geschäft stoppt Talfahrt

Nokia konzentrierte sich daraufhin auf die Netzwerk-Sparte. Ausgerechnet das Geschäft, das bei anderen IT-Konzernen aufgrund des stark schrumpfenden Computer-Markts problematisch ist, sollte nun der Heilsbringer sein.

Und in der Tat, Nokias Managern gelang es, den Konzern wieder auf ein festeres Fundament zu stellen. Nach 3 Jahren mit teils hohen Verlusten, gelang 2014 wieder der Sprung in die Gewinnzone. Investoren belohnten die Leistung – die Aktie ist heute mehr als doppelt so viel wert wie 2013.

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Nokias Management will nicht noch einmal Niedergang des Kerngeschäfts riskieren

Das neue Nokia-Kerngeschäft ist hart umkämpft. Um nicht noch einmal unter die Räder zu geraten, versucht Nokia mit der Alcatel-Lucent-Übernahme über Größen-Effekte effizienter zu werden. Immerhin schrumpft der Markt und ein Zusammenschluss zur neuen Nummer 2 mit 17% Marktanteil bringt wichtige strategische Vorteile.

Dennoch ist die Übernahme nicht unumstritten – gerade weil der Markt schrumpft und Alcatel-Lucent in den USA mit Investitionszurückhaltung der großen Telekom-Konzerne zu kämpfen hat. Daher die übliche Skepsis: Der Deal sei zu teuer und zu schwierig sei eine Integration der selbstbewussten Franzosen.

Gleichwohl kann sich bei erfolgreicher Integration der Deal schnell auszahlen. Zudem wird Nokia sich nicht noch einmal vorwerfen lassen wollen, nichts bzw. zu spät etwas unternommen zu haben. Es zeichnet sich schließlich ab, dass der Markt für Netzwerkausrüster sich eintrübt.

Weitere Deals in der Branche werden folgen: Begehrte Ziele liegen in den USA

In der Netzwerk-Branche ist die Übernahme-Aktivität bereits vor dem Zusammenschluss von Nokia und Alcatel-Lucent hoch gewesen. Huawei, Hewlett Packard und Cisco Systems setzen ebenfalls auf Deals, um sich neue Technologien zu sichern und die Wettbewerbsposition zu festigen.

Sehr begehrt sind innovative Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe, die sich hauptsächlich auf dem US-Markt tummeln. In meinem Börsendienst „Übernahme-Gewinner: American Targets“ setze ich mit meinen Lesern auf einen technologisch führenden Wireless-Netzwerk-Anbieter, der aktuell für unter 10 $ die Aktie zu haben ist.

Früheren Gerüchten zufolge soll Nokia auf der Seite der Interessenten stehen. Aber auch ohne Deal ist der Kandidat höchst attraktiv. So haben die Analysten von Goldman Sachs das Papier im November nach Zahlen auf die Conviction Buylist mit Kursziel 16 $ genommen. Ein echter Ritterschlag, der das aktuell hervorragende Chance-Risiko-Profil unterstreicht.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.