Akzo-Nobel-Aktie: Absturz-Gefahr

Akzo Nobel gibt PPG erneut einen Korb. Jetzt droht die Deal-Chance wegzufallen – was die Aktie weiter unter Druck setzen dürfte... (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der Übernahme-Kampf um den niederländischen Chemie-Konzern Akzo Nobel ging in dieser Woche in die neue Runde:

Der Übernahme-Kandidat teilte dem ungeliebten Bieter PPG Industries, ein Branchen-Rivalen aus den USA, mit, dass auch das 3.  Übernahme-Angebot keine Basis für Übernahme-Verhandlungen biete.

Die neue Offerte hatte ein Volumen von 26,9 Mrd. € und sollte den Übernahme-Kandidaten endlich an den Verhandlungstisch bringen.

Das Angebot beinhaltete eine Prämie von rund 50% auf den Aktienkurs, doch das Akzo-Management verfolgt andere Ziele.

Wie der Bieterkampf ausgeht, ist weiterhin ungewiss. Es besteht allerdings für Aktionäre ein greifbares Risiko, dass die Aktie stark unter Druck gerät.

Zu wenig, zu riskant – Akzo weist 3 Übernahme-Offerten zurück

Rückblick: Anfang März dieses Jahres unterbreitete der US-amerikanische Spezial-Chemiker PPG dem niederländischen Rivalen eine Übernahme-Offerte.

Mit dem Angebots-Preis von 83 € je Aktie biss PPG beim Akzo-Management jedoch auf Granit.

Daraufhin stockte PPG den Angebots-Preis auf 88,72 € je Aktie auf, erhielt allerdings auch mit diesem Vorschlag umgehend einen Korb vom Übernahme-Kandidaten

Als PPG dann auf 96,75 € je Aktie aufstockte, überlegte das Akzo-Management länger – schlug das Angebot des Bieters aber dann doch abermals aus.

Akzo Nobel argumentierte, wie bereits bei den vorherigen Angeboten:

Auch die jüngste Offerte spiegele nicht den angemessenen Wert des Unternehmens wider, sei mit Wettbewerbs-Hürden verbunden und würde zu einem massiven Stellenabbau führen.

Elliott will Abwahl des Aufsichtsrats-Chefs erzwingen

Nicht wenige Analysten sind von der erneuten Ablehnung des Übernahme-Angebots überrascht, da sie den Preis als solide Grundlage für Gespräche erachteten.

Investoren reagieren sogar erbost:

Der Übernahme-Aktivist Elliott Management verklagt Akzo Nobel-Aufsichtsrats-Chef Anthony Burgmans wegen einer groben Pflichtverletzung und will dessen Abwahl juristisch durchsetzen.

Für Elliott und mehrere andere Top20-Akzo-Investoren ist die erneute Ablehnung von Gesprächen mit PPG nicht nachvollziehbar.

Akzo hält dagegen und bezeichnet den eigenen Plan als bessere Alternative für deen Konzern und die Aktionäre.

Diese sehen u. a. den Verkauf des Spezialchemie-Geschäfts nebst Ausschüttung des Verkaufs-Erlöses an die Aktionäre vor.

PPG prüft feindliche Übernahme

In den kommenden 3 Wochen fällt bei dem Übernahme-Krimi die Entscheidung.

PPG hat sich ausdrücklich vorbehalten, mit dem Übernahme-Plan am Management vorbei direkt an die Aktie zu gehen.

Bis zum 1. Juni hat der Bieter nach niederländischem Übernahme-Recht noch Zeit für die Abgabe einer Übernahme-Erklärung.

Die Erfolgs-Aussichten einer feindlichen Offerte sind allerdings gering.

In den Niederlanden gibt es ein spezielles Stiftungs-System, das feindliche Übernahmen verhindern kann, falls ein Deal nach Ansicht der Stiftung den Firmen-Interessen entgegensteht.

Vielleicht kommt es jedoch auch gar nicht soweit. PPG teilte mit jetzt eine Entscheidung treffen zu wollen, ob ein feindlicher Vorstoß gestartet wird, oder ob sich der Bieter zurückzieht.

Wegfall der Übernahme-Chance dürfte Aktienkurs weiter belasten

Nach der erneuten Ablehnung der PPG-Offerte hat die Akzo Nobel-Aktie den Rückwärtsgang eingelegt; auf Wochensicht verbilligt sich das Papier um über 4%.

Mit aktuell 76,17 € notiert die Aktie mehr als 20% unter dem rechnerischen Wert der PPG-Offerte.

Sollte sich der Bieter dazu entscheiden von einer Übernahme Abstand zu nehmen, dann dürfte die Aktie weiter unter Druck geraten.

Mit der nun deutlich schlechteren Aussicht auf einen Deal – freundlich oder feindlich – sollten Aktionäre ihr Engagement überdenken.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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