Akzo Nobel: Farben-Hersteller schlägt Offerte von US-Rivale in den Wind

Die Spezialchemie-Branche befindet sich seit geraumer Zeit in einer Phase der Neuordnung:

Viele Chemie-Konzerne sortieren ihr Portfolio neu, verkaufen einzelne Segmente und verstärken im Gegenzug ihr Kerngeschäft. Dabei strecken zunehmend US-Firmen ihre Fühler nach Europa aus.

Erst vor wenigen Monaten weckte der Schweizer Spezialchemie-Konzern Clariant Begehrlichkeiten in den USA. Jetzt ist Akzo Nobel ins Visier der Firmenjäger aus den USA geraten.

Bei dem Weltmarktführer für Farben und Lacke hat jetzt der US-Rivale PPG angeklopft und sein Interesse bekundet.

21 Mrd. € schweres Übernahme-Angebot

Bei PPG Industries aus den USA handelt es sich um das zehntgrößte Chemie-Unternehmen weltweit, was die Erlöse angeht.

Zu den Produkt-Bereichen gehören Kunstglas-Produkte, Kunstharze und Beschichtungs-Werkstoffe für die Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Für den niederländischen Konkurrenten Akzo Nobel hat PPG jetzt eine Offerte über 54 € in bar sowie 0,3 PPG-Anteile auf den Tisch gelegt.

Damit bewertet das Gebot den Chemie-Konzern mit rund 83 € je Aktie oder insgesamt 21 Mrd. €. Das entspricht immerhin einem satten Aufschlag von 29% auf den Schlusskurs vor der Übernahme-Meldung.

Deal würde neuen Marktführer für Glasbeschichtungen schaffen

Dabei wäre der Deal eine richtig große Nummer und würde einen weltweiten führenden Anbieter von Glasbeschichtungen schaffen.

Für Sie zum Vergleich:

Zuletzt erwirtschaftet Akzo Nobel  mit seinen Farben und Industrie-Lacken einen Jahres-Umsatz von 14,85 Mrd. Dollar. Bei einem Gewinn von 979 Mio. € lag die Gewinnmarge 6,59%.

Der US-Rivale PPG ist ähnlich groß, aber auf die Herstellung von Flachglas und bruchsicheren Gläsern für Autos und die Luft- und Raumfahrt spezialisiert.

Darüber hinaus produziert der Konzern auch Kunstharze, Farben und Autolacke.

Mit 14,75 Mrd. Dollar Umsatz erwirtschaftet der Chemie-Konzern einen Nettogewinn von 877 Mio. Dollar. Das entspricht einer Gewinnspanne von 5,95%.

Konzernführung winkt ab – Angebot zu niedrig

Die Reaktion des Akzo Nobel-Managements war eindeutig. Mit Verweis auf einen deutlich höheren inneren Wert des Unternehmens wurde die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen.

Aber die Konzernführung steht nun unter Zugzwang. Denn seit geraumer Zeit fordern Anleger die Aufspaltung des Konzerns.

Sie können davon ausgehen, dass Firmenchef Ton Büchner diese Möglichkeit auch in Betracht zieht.

Denn es ist kein Geheimnis, dass im Moment der Verkauf oder auch ein möglicher Börsengang der Spezialchemie-Sparte durchgedacht wird.

Mit 4,8 Mrd. € Jahres-Umsatz und einem Vorsteuer-Ergebnis von 630 Mio. € könnte ein möglicher Verkauf laut Experten immerhin einen Betrag von bis zu 10 Mrd. € in die Kassen spülen.

Als mögliche Interessenten für das Segment gelten dem Vernehmen nach sowohl Finanz-Investoren wie Carlyle oder CVC genauso wie strategische Investoren aus der Branche wie BASF oder Evonik.

Wettbewerbs-Behörden könnte Deal lahm legen

Ohnehin wäre eine Komplett-Übernahme kein einfacher „Home Run“. Mögliche Einwände der Kartell-Behörde dürften vorprogrammiert sein.

Immer würden sich die 2 größten Farben- und Lackhersteller der Welt zusammenschließen.

Das scheinen auch die Anleger so zu sehen. Denn bei einem aktuellen Kurs von gut 75 € notiert die Akzo Nobel-Aktie noch gut 10% unter dem Übernahmepreis.

16. März 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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