Akzo Nobel schlägt auch aufgestockte PPG-Offerte aus

Der Übernahme-Poker um den niederländischen Chemie-Konzern Akzo Nobel spitzt sich zu:

Nachdem das Unternehmen bereits einen 1. Vorstoß des US-Rivalen PPG als unzureichend zurückwies, konnte der Werber auch nicht mit einer aufgestockten Offerte beim Management punkten.

Das neue Angebot hatte einen Gesamtwert von 22,4 Mrd. € und lag damit knapp 7% über dem Erstgebot.

Für Akzo Nobel sieht jedoch weiterhin kein Grund, um sich an den Verhandlungstisch zu setzen; die Offerte spiegle weiterhin nicht den Wert des Konzerns wider und trage erhebliche Risiken für die Aktionäre.

Aktionäre fordern Verhandlungen – Akzo-Chef hat eigene Pläne

Mit dem erneuten Vorstoß wächst der Druck auf Akzo-Chef Ton Büchner. Einflussreiche Aktionäre verlangten schon vor der Aufstockung, dass weitere Offerten genau geprüft werden.

Das dürfte auch im Interesse des Übernahme-Aktivisten Elliott Advisor sein, der auch im Aktionariat vertreten ist.

Akzo Nobel-Chef Büchner hält allerdings dagegen:

Nicht nur, dass die Offerte zu niedrig sei, auch würden Arbeitsplätze vernichtet, müssten große Teile verkauft werden, seien die Verschuldung nach einem Deal sowie die Unterschiede in der Firmen-Kultur zu groß.

Büchner hat einen eigenen Plan: Er will das Spezialchemie-Geschäft abspalten und damit den Wert zugunsten der Aktionäre vergrößern.

Akzo-Aktie kann 20%-Gewinn auch nach erneuter Absage verteidigen

PPG glaubt nach der erneuten Abfuhr offenbar weiterhin an einem Deal.

Unternehmens-Bosss Michael McGary ist nach Amsterdam aufgebrochen, um Unterstützung für den Übernahme-Plan von den Aktionären zu erhalten.

Diese sind vorsichtig optimistisch, dass es mit einem Deal noch klappen könnte.

Das Cash- und Aktien-Angebot lautet auf 88,72 € je Aktie. An der Heimatbörse in Amsterdam kostet das Papier aktuell 77,85 € – etwa 14% weniger.

Vor Bekanntwerden des Übernahme-Plans notierte die Aktie allerdings bei rund 65 €. Trotz der doppelten Abfuhr konnten Akzo-Anteilsscheine also einen 20%-Kurssprung verteidigen.

Sonderfall Niederlande: Stiftungs-System macht feindliche Übernahme unmöglich

McGary wurde gefragt, ob er sich einen feindlichen Vorstoß am Management vorbei vorstellen könnte. Seine ausweichende Antwort war, dass er mit Akzo zusammenarbeiten wolle.

Der PPG-Boss weiß, dass ein feindlicher Vorstoß unmöglich ist. Das niederländische Stiftungs-System zur Wahrung von Unternehmens- und Aktionärs-Interessen würde auch bei Akzo Nobel greifen.

Sieht die Stiftung eines von beiden als gefährdet an, kann durch die Ausgabe von Vorzugsaktien mit Stimmrecht der Einfluss so vergrößert werden, dass ein feindlicher Übernahme-Versuch sinnfrei ist.

In der Vergangenheit haben sich schon Mylan und Telekom-Mogul Carlos Slim an dem niederländischen Sonderfall die Zähne ausgebissen.

Wenn es also zu einer Übernahme kommt, dann nur, weil das Akzo-Management auch einen Deal will.

23. März 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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