Akzo Nobel verkauft Spezialchemiegeschäft für 10 Mrd. Euro

Akzo verkauft das Spezialchemie-Geschäft für 10,1 Mrd. Euro an Carlyle. Der Erlös ist hoch, doch die Akzo-Aktie notiert immer noch 20 Euro unter dem im Vorjahr von PPG angebotenen Übernahme-Preis. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Der niederländische Chemie-Konzern Akzo Nobel hat den Verkaufsprozess des Spezialchemiegeschäfts erfolgreich abgeschlossen. Der Unternehmensteil geht für 10,1 Mrd. Euro an ein Konsortium bestehend aus den Finanzinvestoren Carlyle und GIC.

Dank des großen Interesses liegt der Übernahme-Preis über den Erwartungen. Der operative Gewinnmultiplikator liegt bei 9,5 – ein Wert zwischen 8 und 9 wurde von Analysten als fairer Verkaufspreis angenommen.

Auch Lanxess mit Interesse

Die Übernahme ist die in diesem Jahr die bislang größte Private Equity-Transaktion auf dem europäischen Übernahme-Markt. Anstelle eines Direktverkaufs wurde auch ein Börsengang in Erwägung gezogen, doch mit Blick auf den stattlichen Preis war diese Variante die bessere.

Am Ende des Verkaufsprozess setzte sich Carlyle, das Unternehmen des berühmt berüchtigten Hedgefondsmanagers Carl Icahn, gegen ein Konsortium um den Finanzinvestor Apollo sowie dem US-Finanzinvestor-Team Bain Capital und Advent International durch.

Es heißt, dass zum Apollo-Konsortium zunächst auch der deutsche Chemie-Konzern Lanxess zählte, Mitte Mai sollen die Kölner allerdings aus dem Bündnis ausgestiegen sein.

Aktionäre erhalten bis zu 7 Mrd. Euro

Der Verkauf des äußerst rentablen Unternehmensbereichs ist Teil der Akzo-Strategie zur Maximierung des Werts für die Aktionäre. Im Vorjahr wurde das Unternehmen Ziel einer feindlichen Übernahme-Offerte des US-Konkurrenten PPG, konnte am Ende jedoch die Avancen der Amerikaner abwehren.

Das Management warb bei den Aktionären mit einer ambitionierten Mittelfristplanung um Vertrauen und stellte den Verkauf des Spezialchemie-Geschäfts in Aussicht.

Das Geld aus dem Verkauf soll jetzt zum Großteil an die Aktionäre gehen, wie hoch die Sonderdividende ausfällt, steht allerdings noch nicht fest.

Akzo-Aktie nach wie vor weit unter PPG-Angebotspreis

Ob die Übernahme-Abwehr von Akzo Nobel aus Anlegersicht richtig war, wird sich zunächst noch zeigen müssen. Heute Mittag legte die Aktie im festen Marktumfeld an der Amsterdamer Börse um gut 3% auf 77,40 Euro zu, liegt damit allerdings noch rund 20 Euro unter dem damaligen PPG-Angebotspreis.

Die 12-Monats-Kursziele der Analysten liegen auch nach der Verkaufsankündigung recht deutlich unter dem Angebotspreis, Kepler Cheuvreux empfiehlt sogar den Verkauf der Aktie.

PPG könnte 2018 noch einmal Akzo-Übernahmeversuch starten

Akzo Nobel wird nach dem Teilverkauf und trotz der Ausschüttung eines Großteils des Verkaufserlöses noch in diesem Jahr am Übernahme-Markt aktiv werden müssen, um die Mittelfrist-Ziele erreichen zu können.

Alternativ könnte es sein, dass Akzo Nobel nicht zukauft sondern selbst Ziel einer Übernahme-Offerte wird. PPG hat sich seit dem im Vorjahr gescheiterten Übernahme-Versuch zurückgehalten und könnte in diesem Sommer einen erneuten Anlauf wagen.

Mit dem Abgang des Finanzchefs und des erbitterten Übernahme-Gegners Antony Burgmans sowie dem Finanzinvestor Elliott Management im Aktionariat sind dann die Chancen auf eine Akzo-Übernahme deutlich besser.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt