Akzo Nobel will mit Geldgeschenk Übernahme durch PPG verhindern

Neues Kapitel im spannenden Übernahme-Kampf um den niederländischen Farben-Hersteller Akzo Nobel:

Der Übernahme-Kandidat hat angekündigt eine Sonderdividende auf den Weg zu bringen, um den ungewünschten Bieter PPG zu verscheuchen.

Die Niederländer planen die Ausschüttung von 1,6 Mrd. € an die Aktionäre, um die Anleger auf ihre Seite zu bringen.

Kommen soll das Geld aus einer Unternehmens-Abspaltung, die Analysten zufolge bis zu 9 Mrd. € in die Kasse spülen könnte.

Zu wenig, zu riskant: Akzo weist 2 Übernahme-Offerten zurück

Hintergrund: Anfang März dieses Jahres unterbreitete der US-amerikanische Spezial-Chemiker PPG dem niederländischen Rivalen eine Übernahme-Offerte.

Mit dem Angebotspreis von 83 € je Aktie biss PPG beim Akzo-Management jedoch auf Granit.

Daraufhin stockte PPG den Angebots-Preis auf 88,72 € je Aktie auf, erhielt allerdings auch mit diesem Vorschlag umgehend einen Korb vom Übernahme-Kandidaten.

Akzo Nobel argumentiert, dass die Offerte nicht den angemessenen Wert des Unternehmens widerspiegelt, mit Wettbewerbs-Hürden verbunden ist und zu einem massiven Stellenabbau führen würde.

Abspaltungs-Plan könnte Übernahme lediglich verzögern

Statt sich mit dem Bieter an den Verhandlungstisch zu setzen, verfolgt Akzo einen eigenen Plan.

Die Abspaltung des Spezial-Chemiegeschäfts würde für die Aktionäre mehr Wert schaffen und sei sicherer als das problematische Übernahme-Angebot.

Innerhalb der kommenden 12 Monate soll der Geschäftsbereich an die Börse gebracht oder verkauft werden.

Aktionäre werden mit einer Sonderdividende gelockt und der Aussicht auf Kosten-Einsparungen in Höhe von 200 Mio. €.

Der Management-Plan stößt allerdings bei Teilen der Anlegerschaft auf Widerstand.

Übernahme-Aktivist Elliott Management forderte das Management wiederholt auf, einen Deal mit PPG auszuloten.

Und dieser erachtet eine Übernahme als bessere Alternative, die nach PPG-Berechnung mind. 750 Mio. € Synergien freilegen würde.

Auch Analysten zeigen sich skeptisch:

Nach der Abspaltung des Unternehmens-Bereichs wäre die schlankere Akzo erst recht Übernahme-Kandidat, da dann die Integration leichter wäre und der Firmenwert abzüglich der Unternehmenskasse geringer wäre.

Am Ende könnte dann Akzo auch nach Durchführung des Plan B übernommen werden. Der dann zu erzielende Preis ist unsicher, und auch mit Blick auf einen möglichen Stellenabbau wäre nichts gewonnen.

Unter Umständen befindet sich Akzo nach einem überraschend starken ersten Quartal heute in einer besseren Verhandlungs-Position.

Showdown in den kommenden 6 Wochen

Wie es mit dem Übernahme-Kandidaten weitergeht ist ungewiss. PPG hat nach niederländischem Übernahme-Recht noch bis zum 1. Juni Zeit, um ein formelles Übernahme-Angebot abzugeben.

Die doppelte Giftpille (Abspaltung/Ausschüttung) soll PPG den Appetit verderben, doch es sieht im Moment nicht danach aus, als wenn PPG von dem Übernahme-Plan Abstand nimmt.

An der Börse notiert die Aktie des Übernahme-Kandidaten aktuell 13% unter dem zuletzt vorgelegten Übernahme-Angebot und 24% über dem Kurs vor Bekanntwerden der Pläne.

Die Chance auf einen erfolgreichen Deal ist also noch immer teilweise eingepreist.

Verfliegt die Übernahme-Chance wird sich die Aktie mit hoher Wahrscheinlichkeit über dem ursprünglichen Kursniveau halten können, da Abspaltung, Sonderausschüttung und starke Zahlen stützen.

Setzen sich die beiden Parteien an den Verhandlungstisch und einigen sich auf eine Fusion, sind Kurse über 90 € zu erwarten.

Für Anleger lohnt es sich aus unserer Sicht also an Bord zu bleiben.

20. April 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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