Alarmstufe bei den BRIC-Ländern

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Vor allem ganz aktuelle Daten aus Indien und China zeigen: Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich deutlich. (Foto: Nerthuz / shutterstock.com)

Die Börsianer schauen gebannt auf Europa und die USA.

Doch die größte Gefahr für die Weltwirtschaft kommt nicht aus den Industrieländern, sondern aus den Emerging Markets.

Ausgerechnet die BRIC-Staaten, die Speerspitze der Weltwirtschaft, weisen inzwischen bedenkliche Wachstumsverlangsamungen auf.

Die vier BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China waren in den letzten Jahren der Garant für ein solides Weltwirtschaftswachstum – obwohl es in den etablierten Industrieländern heftig kriselte.

Immerhin waren es die Emerging Markets, angeführt von diesen vier Ländern (vor allem Brasilien und China), die 2009 die Weltwirtschaft aus der Finanzkrise führten, als die Ökonomien in den westlichen Ländern am Boden lagen.

Die Bedeutung dieser vier Länder für die Weltwirtschaft ist deshalb in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Zwischen 2000 bis 2007 lag der Anteil der BRICs am globalen Wirtschaftswachstum bei durchschnittlich 27 Prozent.

In den vergangenen drei Jahren ist dieser Anteil laut Goldman Sachs auf über fünfzig Prozent angestiegen. Damit ist klar: Wenn die Weltwirtschaft wieder Tritt fassen will, dann sind nicht die Situationen in Griechenland oder Spanien entscheidend, sondern in den vier BRIC-Ländern.

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Dort entscheidet sich, wie die Entwicklung der Weltwirtschaft verlaufen wird. Doch die neuen Daten aus diesen Ländern zeigen, dass die neuen Zugpferde der Weltwirtschaft zu lahmen drohen – mit dementsprechend negativen Auswirkungen für den Rest der Welt.

Drastische Wachstumsrückgänge in Brasilien und Indien

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Indien waren verheerend. Im ersten Quartal 2012 lag das Wirtschaftswachstum nur noch bei 5,3 Prozent. Dies ist das niedrigste Wachstum seit neun Jahren und lag sogar unter den Werten während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09.

Die Analystenerwartungen wurden damit deutlich verfehlt. Die Schätzungen lagen im Mittelwert bei 6,1 Prozent (teilweise reichten sie sogar bis 7,3 Prozent). Doch Indien ist kein Einzelfall. In China lag der neue PMI-Index letzte Woche erneut unter den Marktprognosen.

Im Mai fiel der PMI Index auf 50,4 Punkte (von 53,3 Punkten im April). Der wichtige Subindikator für Neuaufträge fiel sogar unter die entscheidende Marke von fünfzig Punkten (Werte unter fünfzig Punkten signalisieren eine Schrumpfung der Wirtschaft).

Auch aus Brasilien kamen überraschend schlechte Wachstumszahlen. Die Wirtschaft in dem Land am Zuckerhut expandierte im ersten Quartal 2012 ebenfalls nur um mickrige 0,2 Prozent. Damit wurden die Markterwartungen von 0,5 Prozent ebenfalls verfehlt.

Nicht ohne Grund hat die brasilianische Zentralbank die Leitzinsen jüngst in einem weiteren großen Zinsschritt um 50 Basispunkte gesenkt. Inzwischen liegt der Leitzins in Brasilien nur noch bei 8,5 Prozent. Dies ist ein Allzeittief. Mehr zu den BRICs in der nächsten Ausgabe.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.