Algo-Trader und automatische Handelssysteme: Lösten sie Krise aus?

Vorsicht: Computer übernehmen die Macht an den Aktienbörsen.

So lautet die Warnung vor Aktienbörsen, die krisenanfälliger werden. Das heißt:

Als Privatinvestor könnten Sie kaum noch investieren, wenn es um die Sicherheit und Kalkulierbarkeit solcher Investitionen geht. Allerdings sind Algorithmen-Trader oder automatische Handelssysteme etwas harmloser als es von außen den Anschein hat. Wir meinen: die Krise(n) an Börsen gehen nicht nur auf solche Systeme zurück.

Automatische Systeme: Trend-Programme

Wenn Sie sich selbst in die Rolle der Programmierer versetzen, sehen Sie ziemlich schnell, wie diese Systeme in der Regel funktionieren. Da ein Programm lediglich eine Abfolge von Reaktionen ist – Wenn-Dann-Konstruktionen – müssen Programmierer nach festen Mustern vorgehen.

Das kann nur bedeuten, dass die Programme nach Trends – also Muster, in denen die Kurse in dieselbe Richtung laufen –  suchen. Wahlweise könnten die Programme gegen oder mit den Trends investieren. Das bedeutet:

Algo-Trader sind Trendfolge-Systeme, die anders als bei menschlichen Händlern oder Investoren automatisch auf die Kurstrends reagieren. Deren einziger Vorteil gegenüber disziplinierten menschlichen Investoren: sie sind schneller.

Weitere Vorteile ergeben sich aus der Idee der Trendfolge selbst:

  • Emotionen spielen bei disziplinierten Anwendungen keine Rolle, da die Systeme nicht nach Gründen, sondern nach Fakten (Kursen) fragen.
  • Fehler sind auswertbar, da sie sich an einzelnen Fakten und Fehlsignalen orientieren. Demnach können falsche Handelsentscheidungen und -regeln nach und nach umgestellt werden.
  • Die Systeme sind in der Regel nicht allzu kompliziert. Die Zahl der Faktoren ist um ein Vielfaches geringer als für Bilanzanalysten.
  • Das Ende dieser Herangehensweise ist vorab definiert und hängt nicht an neuen Erkenntnissen, die Sie als Investor über das Unternehmen oder den betreffenden Index haben müssten.

Nachteile, die sowohl Rechner als auch menschliche Investoren betreffen:

  • Die Reaktion ist in dem Sinne zu spät, als erst ein Trend ausgebildet sein muss, bevor dieser die Handelsgrundlage bilden kann. Das heißt: optimal ist das Timing nicht.
  • Dasselbe gilt für den Ausstieg – der Trend muss zunächst beendet sein, so müsste beispielsweise ein Aufwärtstrend durch fallende Kurse schon vorbei sein. Optimale Systeme sind daher mit Timing-Komponenten angereichert.
  • Deshalb können auch diese Systeme wiederum komplizierter werden. Je mehr Regeln das Timing optimieren können, desto schwieriger ist die Anwendung.

GeVestor meint: Nicht anders funktionieren die Algorithmen-Trader und automatischen Handelssysteme. Die Erfolge und Fehler der Trend folgenden Systeme werden Sie hier ebenso finden.

Der Nachteil für die Finanzwelt ist wie beschrieben einzig die Geschwindigkeit. Daher können Algo-Trader dann, wenn sie Trends in einer ungünstigen Weise verstärken, die vorgezeichnete Krise nur früher herbeiführen. Sie sind nicht Verursacher.

Auf ein Verbot von automatischen Handelssystemen können Sie zudem nicht setzen – aufgrund der internationalen Vernetzung kann keine Behörde mehr kontrollieren, ob und wo Rechner für Entscheidungen verantwortlich sind. Sie „leben“ mit Algo-Tradern, wenn Sie entweder:

– Sehr konsequent „buy and hold“ über Jahre betreiben und das Auf und Ab der Kurse ignorieren (geeignet dafür beispielsweise: Berkshire Hathaway als Aktie),

– oder selbst technische Elemente wie Trendanalysen in die Entscheidungen einbauen.

5. Januar 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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