Alibaba Group: Chinesischer Internetgigant setzt Einkaufstour ungebremst fort

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Alibaba: Chinesischer Technologieriese setzt weiter auf milliardenschwere Zukäufe. Mit Kaola und Netease-Deal soll die starke Position im E-Commerce-Markt zementiert werden. (Foto: Peter Beens)

Die Übernahmewelle rollt weiter ungebremst durch den Technologiesektor. Vor allem grenzüberschreitende Deals haben an Bedeutung gewonnen. Zuletzt hat der chinesische Internetriese Alibaba gleich mehrfach zugeschlagen, um seine Marktposition weiter auszubauen. Mit Netease und Kaola hat der Technologiekonzern zwei milliardenschwere Zukäufe auf den Weg gebracht.

Wer sich hinter Alibaba verbirgt

Bevor ich auf die aktuellen Übernahmen eingehe, möchte das Geschäftsmodell des chinesischen Shootingstars erst einmal vorstellen. Alibaba dominiert den chinesischen E-Commerce- und Cloud-Markt und baut beide Geschäfte schrittweise nach Übersee aus. Je nach Quelle beherrscht der Konzern bis zu 80% des digitalen Handels in China. Weltweit dürften es über 12,5% Marktdurchdringung sein.

Alibaba ist aber nicht im Kerngeschäft mit E-Commerce stark gewachsen. In den vergangenen Jahren hat sich der Konzern rasant ausgebreitet. Und zwar in viele Dienstleistungsbereiche wie Financial Services, Cloud-Infrastruktur-Services und Digital Entertainment.

Eines der am schnellsten wachsenden Internetunternehmen weltweit

Die rasante Expansion in den vergangenen Jahren ist beeindruckend. Erwirtschaftete Alibaba in 2006 gerade einmal einen Umsatz von 174 Millionen Dollar, waren es im zurückliegenden Geschäftsjahr bereits 56,14 Milliarden Dollar. Nicht weniger beeindruckend fiel die Gewinnentwicklung aus. Seit 2006 schoss der Nettogewinn von 28 Millionen auf zuletzt 13,09 Milliarden Dollar in die Höhe.

42% Umsatzwachstum im zweiten Quartal

Begünstigt durch die Rahmenbedingungen in China zeigt der Konzern auch weiterhin exorbitante Wachstumsraten. Trumps Handelskrieg prallt an Chinas Konsumenten ab. Gegenüber 2018 hat die Plattform 121 Millionen neue Kunden dazugewonnen. Mittlerweile kauft jeder zweite Chinese bei Alibaba ein. Im zweiten Quartal kletterten die Umsätze um 42% auf 16,7 Milliarden Dollar.

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Alibaba schluckt Luxus-Onlinehändler….

Nicht nur operativ will Alibaba weiterwachsen. Auch Zukäufe spielen eine große Rolle bei dem Konzern. Gerade hat der chinesische Technologieriese die Übernahme des Luxus-Onlinehändlers Kaola für 2 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Kaola, 2015 gegründet, bietet in China Produkte von Edelmarken an. Die Waren werden direkt von Lieferanten bezogen, um sie an Verbraucher weiterzuverkaufen. Alibaba und Kaola kontrollieren fast 60% der gesamten plattformbasierten Transaktionen für ausländische Marken in China. Alibaba selbst beabsichtigt, seine Wettbewerbsfähigkeit im Online-Handelsgeschäft in China durch den Kauf von Kaola zu erhöhen.

Es wird erwartet, dass die Transaktion Alibaba im Wettbewerb gegen chinesische Konkurrenten wie JD.com und Pinduoduo stärken wird, um die führende Marke des Landes für E-Shopping zu bleiben.

…..und übernimmt NetEase für 2 Milliarden Dollar

Zugleich hat der Internetriese die E-Commerce-Plattform NetEase für rund 2 Milliarden Dollar gekauft und wird sich an einer 700 Millionen Dollar Investition in den Musik-Streaming-Service von NetEase beteiligen. In der geplanten Finanzierungsrunde wird auch das Private Equity Unternehmen Yunfeng Capital des Mitbegründers Jack Ma teilnehmen.

Einstieg in das Musik-Streaming-Geschäft

Dabei soll das Geld in den Musik-Dienst NetEase Cloud Music fließen. NetEase stärkt seine Kapitalbasis, um so mit den anderen Größen im aussichtsreichen Markt für Musik-Streaming mithalten zu können. Gleichzeitig sichert man sich mit Alibaba einen starken Partner, um Tencent die Stirn im Musik-Streaming bieten zu können. Alibaba hingegen zementiert seine führende Position im E-Commerce und positioniert sich gleichzeitig im Music-Streaming-Markt, ohne selbst das Geschäft aufbauen zu müssen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.