Alibaba Group: Chinesischer Internetriese ist nicht aufzuhalten

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Alibaba: Von Handelsstreit keine Spur. Die Geschäfte des Internetriesen laufen weiter auf Hochtouren. Alibaba erzielte 150%igen Gewinnsprung im zweiten Quartal. (Foto: Peter Beens)

Aktien von Technologiefirmen sind bei Anlegern hoch im Kurs. Dabei sind es nicht nur die großen US-Firmen, die ins Visier der Investoren geraten. Vor allem auch die chinesischen Konzerne haben es den Anlegern angetan und das aus gutem Grund. Die Wachstumsraten der Firmen aus dem Reich der Mitte sind beeindruckend hoch. Daran scheint zumindest bei dem Onlinegiganten Alibaba auch der anhaltende Handelsstreit vorerst wenig zu ändern.

Alibaba – nicht nur ein Amazon-Klon

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich ein paar Worte zum Geschäftsmodell von Alibaba verlieren. Fälschlicherweise wird hierzulande Alibaba meist immer noch als der chinesische Amazon-Klon betrachtet. Diese Annahme basiert auf der starken Marktposition, die Alibaba innerhalb der letzten 20 Jahre in China erreicht hat. Je nach Quelle beherrscht der Konzern bis zu 80% des digitalen Handels in China. Weltweit dürften es über 12,5% Marktdurchdringung sein.

Alibaba ist tatsächlich ein Konglomerat aus verschiedenen digitalen Plattformen, die in fast allen Bereichen des Lebens präsent sind. Selbstverständlich ist da der E-Commerce im Kern, aber das Unternehmen hat sich rasant ausgebreitet. Und zwar in viele Dienstleistungsbereiche wie Financial Services, Cloud-Infrastruktur-Services und Digital Entertainment.

Eines der am schnellsten wachsenden Internetunternehmen weltweit

Die rasante Expansion in den vergangenen Jahren ist wirklich beeindruckend. Erwirtschaftete Alibaba in 2006 gerade einmal einen Umsatz von 174 Millionen Dollar, waren es im zurückliegenden Geschäftsjahr bereits 56,14 Milliarden Dollar. Nicht weniger beeindruckend fiel die Gewinnentwicklung aus. Seit 2006 schoss der Nettogewinn von 28 Millionen auf zuletzt 13,09 Milliarden Dollar in die Höhe.

42% Umsatzwachstum im zweiten Quartal

Begünstigt durch die Rahmenbedingungen in China zeigt der Konzern auch weiterhin exorbitante Wachstumsraten. Trumps Handelskrieg prallt an Chinas Konsumenten ab. Gegenüber 2018 hat die Plattform 121 Millionen neue Kunden dazugewonnen. Mittlerweile kauft jeder zweite Chinese bei Alibaba ein. Im zweiten Quartal kletterten die Umsätze um 42% auf 16,7 Milliarden Dollar. Davon stammten 87% (Vorjahresquartal: 90%) aus dem Konsumbereich, wenn man Logistik (Cainiao) und Lieferdienst (Ele.me) dazu zählt.

Cloud-Segment gewinnt an Bedeutung

Außerhalb des Konsums gewinnt bei Alibaba vor allem das Cloud-Geschäft an Bedeutung. Das Segment wuchs im Vorjahresvergleich um beachtliche 66%. Im Segment Private Clouds für Unternehmen konnte Alibaba die Umsätze im gleichen Zeitraum sogar um 250% erhöhen. Trotz der rasanten Expansion schaffte es der Internetgigant trotzdem, seine Profitabilität deutlich zu verbessern.

Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar, was einem Zuwachs um satte 150% entspricht. Ein Blick auf die operative Gewinnmarge, die von 10 auf 21% anstieg, zeigt Ihnen, dass Alibaba auch seine Kosten stark im Blick hat.

Alibaba schluckt Luxus-Onlinehändler

Nicht nur operativ will Alibaba weiterwachsen. Auch Zukäufe spielen eine große Rolle bei dem Konzern. Gerade hat der chinesische Technologieriese die Übernahme des Luxus-Onlinehändlers Kaola für 2 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Kaola, 2015 gegründet, bietet in China Produkte von Edelmarken an; die Waren werden direkt von Lieferanten bezogen, um sie an Verbraucher weiterzuverkaufen. Alibaba und Kaola kontrollieren fast 60% der gesamten plattformbasierten Transaktionen für ausländische Marken in China. Alibaba selbst beabsichtigt, seine Wettbewerbsfähigkeit im Online-Handelsgeschäft in China durch den Kauf von Kaola zu erhöhen. Alibaba will zudem 700 Millionen Dollar in eine Minderheitsbeteiligung an der Netease-Musikstreaming-Sparte stecken.

Fazit: Alibaba ist ein lupenreines Wachstumsunternehmen, das nicht nur durch seine Umsatz-, sondern auch durch seine Gewinnentwicklung beeindruckt. Allerdings sollten Anleger immer im Auge behalten, dass Aktieninvestments in China mit einem höheren Risiko einhergehen. Die Transparenz der Firmen ist verbesserungswürdig. Die Überwachung der Corporate Governance-Regeln in China ist eine ausgesprochen schwierige Aufgabe. Zudem können Privatanleger nur Hinterlegungsscheine, sogenannte ADRs (American Deposit Receipts) handeln und keine direkte Unternehmensbeteiligung eingehen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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