Allergan-Aktie: Botox-Hersteller plant Milliardenzukauf in den USA

Die Übernahmewelle im Pharma- und Medizintechnikmarkt rollt auch in diesem Jahr ungebremst weiter. Einer der größten Konsolidierer der Branche ist der irische Botox-Hersteller Allergan. Allein im vergangenen Jahr nahm der Konzern etwa ein Dutzend Unternehmen ins Visier. Jetzt hat der Pharmariese wieder zugeschlagen und eine Übernahmeofferte für den US-Konzern Zeltiq Aesthetics auf den Tisch gelegt.

Damit setzen die Iren auf innovative Produkte zur Fettentfernung. Nach einem kräftigen Kursplus von 30% seit Anfang Dezember notierte die Allergan-Aktie nach der Meldung unverändert, während die Zeltic-Papiere um gut 13% nach oben schossen.

Mit Kälte gegen hartnäckige Fettpolster

Mit dem Zeltiq-Deal setzt Allergan auf ein amerikanisches Medizintechnikunternehmen. Der Schwerpunkt der Gruppe liegt auf der Entwicklung und Vermarktung von Kühltechnologie-Produkten. Das Hauptprodukt der Firma ist „CoolSculpting“, eine innovative Behandlungsmethode gegen unbeliebte Fettpölsterchen.

Die Anwendung zielt nicht auf eine Reduktion der Fettzellen durch Absaugen ab, sondern auf den lokalen Einsatz von Kälteimpulsen. Das System nutzt dabei eine genau kontrollierte Kühlung, um die Temperatur der Fettzellen in dem behandelten Bereich herunterzufahren. So können Fettzellen durch einen natürlichen biologischen Prozess eliminiert werden.

2,5 Milliarden Dollar für Medizintechnikspezialisten

Für die neue Behandlungsmethodik greift Allergan tief in die Taschen. Immerhin legt der Pharmaspezialist knapp 2,5 Milliarden Dollar für das erst 2005 gegründete Unternehmen auf den Tisch.

Das entspricht 56,50 Dollar je Aktie beziehungsweise einem Aufschlag von gut 14% zum Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Allerdings ist die Zeltiq-Aktie auch vorher schon extrem gut gelaufen. Seite dem Börsengang im November 2013 haben die Papiere immerhin um gut 370% zugelegt.

Zeltiq zeigt satte Wachstumsraten

Mit seiner innovativen Behandlung von hartnäckigen Fettpolstern ist Zeltiq in den vergangenen Jahren gut gefahren. Lagen die Erlöse im Jahr 2009 erst bei überschaubaren 1,6 Millionen Dollar, dürften es im zurückliegenden Geschäftsjahr schon 354 Millionen Dollar gewesen sein. Alleine im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz um 38% nach oben gesprungen sein. Seit 2014 ist der US-Konzern profitabel.

Für 2017 erwartet Zeliq allerdings eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik. Firmenchef Mark J. Foley sieht die Erlöse um 17 bis 20% nach oben klettern (415 – 425 Mio. Dollar). Die erwartete Gewinnmarge ist mit 2 bis 3% noch deutlich ausbaufähig.

Deal passt gut in das Produktportfolio

Mit der Übernahme ergänzt der Botox-Hersteller sein Produktportfolio im Schönheitsbereich. Mit dem Fettspezialisten sichert sich Allergan zukünftiges Wachstumspotenzial. Der Markt für Fettentfernung wird von Experten auf rund 4 Milliarden Dollar geschätzt.

Zusätzlich plant Zeltiq mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen. Im Jahresverlauf soll eine innovative Anwendung gegen Cellulite dazukommen. Da 75% aller Frauen unter irgendeiner Form von Cellulite leiden, ein gigantischer Wachstumsmarkt.

Allergan – Schoppingtour dürfte noch lange nicht beendet sein

Mit dem Zeltiq-Deal setzt Allergan seine beeindruckende Einkaufstour mit hohem Tempo fort. Nach dem geplatzten 160 Milliarden Dollar Deal mit Pfizer im vergangenen Jahr, haben die Iren nämlich so richtig los gelegt.  Seit September meldete Allergan sechs weitere Firmenkäufe, davon drei Milliarden-Deals.

Zukäufe gehören bei den Iren also zur Geschäftsstrategie. Nicht zuletzt mit Hilfe von Übernahmen konnte Allergan seine Umsätze von 1,22 Mrd. Dollar in 2002 auf gut 15 Mrd. Dollar nach oben fahren. Sie können daher davon ausgehen, dass der Zeltiq-Deal nicht der letzte Coup des Pharmariesen ist.

14. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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