Alles andere als wie geschmiert

Würden Sie jetzt in Öl und Gas investieren? Ich gebe zu, die Frage ist etwas heikel.

Denn in der Tat ist der Ölpreis auf Erholungskurs. Doch heißt das nicht, dass Öl-Gesellschaften damit auch attraktiv sind.

Unternehmen, die Öl fördern oder verarbeiten, gehen mit den Entwicklungen am Ölmarkt unterschiedlich um, sichern sich gegen Preisschwankungen ab, bauen Kapazitäten auf und so weiter.

Die Frage lässt sich also bei Öl-Unternehmen gar nicht pauschal beantworten. Anleger müssen abwägen. Lesen Sie daher unsere Analyse.

Geschäft in Libyen belastet

Repsol gehört zu den 10 größten Erdöl-Unternehmen der Welt. Der Konzern betreibt Exploration, Produktion, Raffinierung, Transport, Verarbeitung und Verkauf von Öl und Gas, Herstellung von petrochemischen Produkten sowie Stromerzeugung.

Repsol ist in mehr als 30 Ländern aktiv. Die argentinische Tochter YPF wurde verstaatlicht.

Abschreibungen auf die Ölreserven in Höhe von 2,96 Mrd. $ haben Repsol im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gezogen. Gleichzeitig ging der Umsatz um 12,9% zurück.

Neben dem Ölpreis-Verfall haben hohe Explorations-Kosten sowie Produktions-Ausfälle in Libyen belastet. Ein solides Raffinerie-Geschäft verhinderte einen noch höheren Verlust.

Die tägliche Öl- und Gas-Förderung stieg akquisitionsbedingt um 58% auf 559.000 Barrel. Im 4. Quartal hat der Konzern sogar 697.500 Barrel gefördert.

Die nachgewiesenen Öl- und Gas-Reserven erhöhten sich um 54% auf 2,37 Mrd. Barrel, und die Reserve-Ersatzrate erreichte 500%.

Fruchten die Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz?

Ähnlich wie die Konkurrenz muss Repsol die Kosten senken. Ziel ist es, schon bei einem Ölpreis von 40 $ pro Barrel einen positiven freien Cashflow nach Zinsen und Dividenden zu erwirtschaften.

Zudem muss der Schuldenberg von 11,9 Mrd. €, der sich nach der Talisman-Übernahme aufgetürmt hat, abgebaut werden.

Ein neuer Strategieplan sieht Investitions-Kürzungen in diesem und dem nächsten Jahr auf 2 Mrd. € sowie den Verkauf von Randaktivitäten im Wert von 6,2 Mrd. € vor.

Warum aber die 30%-Beteiligung an Gas Natural nicht zur Disposition gestellt wird, ist nicht nachvollziehbar.

Zumindest die Talisman-Integration scheint auf einem guten Weg zu sein. Repsol sprach von ersten Erfolgen bei der Realisierung von Synergien und bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz.

Repsol steckt im Schlamassel

Dennoch wird Repsol ohne eine kräftige Ölpreis-Erholung Probleme bekommen, seine Schulden abzubauen.

Repsol konnte selbst in Zeiten hoher Ölpreise operativ nicht überzeugen. Lassen Sie von der Aktie daher besser die Finger, es gibt bessere Alternativen am Ölmarkt. 

20. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt