Alles richtig gemacht: Biotech-Firma Elan findet neuen Käufer

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Der amerikanische Medikamente-Hersteller Perrigo übernimmt für fast 8,6 Mrd. US-$ das irische Biotech-Unternehmen Elan. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Der amerikanische Medikamente-Hersteller Perrigo übernimmt für fast 8,6 Mrd. US-$ das irische Biotech-Unternehmen Elan.

Damit haben die Iren einen neuen Käufer gefunden, nachdem eine feindliche Übernahme von Royalty Pharma abgewehrt wurde. Royalty Pharma bot nur rund 6,4 Mrd. US-$ für Elan.

Nach der Fusion soll das neue Unternehmen New Perrigo heißen und die Geschäfte von Irland aus steuern.

Sowohl der Elan- als auch der Perrigo-Vorstand befürworten den Deal. Die Elan-Aktionäre bekommen 6,25 US-$ in bar und 0,07636 Perrigio-Aktien.

Gemessen am Freitagskurs wird die Elan-Aktie mit insgesamt rund 16,50 US-$ bewertet. Kurz nach Bekanntgabe der Übernahme-Pläne steigt die Aktie um 10% knapp unter der Offerte. Ein Anzeichen dafür, dass die Investoren eine reibungslose Übernahme erwarten.

Perrigo zieht es ins Steuerparadies

Das US-Unternehmen Perrigo ist in der Pharma-Branche aktiv und vertreibt vor allem rezeptfreie Medikamente wie z.B. Erkältungs- und Allergiemittel. 2013 kletterte der Kurs der Perrigo-Aktie nach gut laufenden Geschäften um 29% auf 134 US-$.

Nachdem das neue Unternehmen New Perrigo gegründet wird, soll der Hauptsitz des Konzerns nach Irland verlegt werden.

Die Gründe für einen Sitz auf der grünen Insel sind klar – Irland ist eines der Länder mit der weltweit niedrigsten Steuerbelastung für Unternehmen.

In den USA muss Perrigo die Gewinne mit 30% versteuern. In Irland ist die Steuerlast deutlich gündtiger. Dort  besteuert der Fiskus die Gewinne mit 12,5 %. Dadurch erhoffen sich die Amerikaner Einsparungen in Höhe von 150 Mio. US-$ jährlich.

Die effektive Steuerrate könnte auf unter 20% gesenkt werden. Dies ist auch ein Grund dafür, dass Perrigio bereit war, mehr zu zahlen.

Niedrigere Steuern als Übernahme-Motiv sind in der Pharma-Industrie nichts Neues. Auch das US-Unternehmen Watson erwarb aus gleicher Motivation das in Dublin ansässige Warner-Chillcott.

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Elan ermöglicht Perrigo leichteren Einstieg in den europäischen Markt

Der amerikanische Markt ist Perrigo nicht mehr genug. Es wurde schon länger nach passenden Zielen außerhalb des Heimatmarkts gesucht. Die Elan-Übernahme ermöglicht den Amerikanern sich in Europa zu etablieren.

Größenvorteile, Steuervorteile  und vor allem der vorprogrammierte Umsatz- und Gewinnsprung sprechen für die Strategie.

Elan hat momentan einen Erfolgsgaranten auf dem Markt. Dabei handelt es sich um das Multiple Sklerose-Medikament Tysabri. Obwohl Elan die Lizenz am Medikament nicht mehr allein besitzt, verdient das irische Unternehmen noch immer Millionen jedes Jahr.

Vergangenes Jahr erwirtschaftete Tysabri einen Umsatz von 1,6 Mrd. US-$. Derzeit bekommt Elan 12% aus dem Tysabri-Erlös. Sollte sich das Medikament weiterhin so gut verkaufen, kann sich die Gewinn-Beteiligung auf 25% erhöhen.

Monatelanger Übernahmekampf endlich zu Ende

Dem Elan-Management kann nur gratuliert werden. Es hat von Anfang an gesagt, dass das Unternehmen mehr wert ist als von Royalty Pharma geboten und Recht behalten. Mit Perrigio wird ein Käufer präsentiert, der gute 10% mehr bot als Royalty Pharma.

Zudem passen die Amerikaner offensichtlich besser zu Elan als der unerwünschte Bieter. Der Elan-Konzern-Chef Kelly Martin kommentierte den Ausgang des Verkaufsprozesses mit den Worten: „Perrigo ist ein Unternehmen, Royalty Pharma nur ein Finanzfonds.“

Er will damit auch sagen, dass Elan zusammen mit Perrigio besseres Entwicklungspotenzial besitzt. Das Management hat seine Aufgabe also gleich aus mehrfacher Sicht optimal gemacht.

Erst wurden die Aktionäre vor einem feindlichen Billig-Angebot geschützt. Danach kam das Management dem Wunsch der Aktionäre nach, einen Unternehmensverkauf anzustreben.

Bei dem Verkaufsprozess konnte ein ordentlicher Preis rausgeholt werden und der Partner bietet gutes Zukunftspotenzial.

Der Übernahme-Sensor meint: Auf ganzer Linie gewonnen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.