Allianz-Aktie kann von Übernahme-Spekulationen nicht profitieren

Die Allianz soll vom chinesischen Käufer HNA übernommen werden. Doch dieses Unterfangen dürfte wohl kaum gelingen! Wir erklären, warum: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Ein heißes Gerücht macht auf dem Parkett die Runde:

Angeblich hatte der chinesische Mischkonzern HNA, Ihnen vielleicht als Großaktionär der Deutschen Bank bekannt, ein Auge auf die Allianz geworfen.

Dabei soll die HNA nicht nur einen Teileinstieg, sondern auch eine Mehrheits-Übernahme von Deutschlands größter Versicherungs-Gesellschaft geprüft haben.

Bevor Sie jetzt aber die große Übernahme-Chance wittern: Eine Allianz-Übernahme durch HNA ist äußerst unwahrscheinlich.

Problem 1: Finanzierung

Die HNA Holding ist ein chinesisches Konglomerat, dass seit Anfang 2016 bereits Deals im Volumen von über 33 Mrd. € einfädelte. Die Allianz wird derzeit mit knapp 80 Mrd. € bewertet.

Schon jetzt fragen sich einige Marktteilnehmer, woher die HNA das Geld für die zurückliegende Einkaufstour hatte.

Und zuletzt hieß es hinter vorgehaltener Hand zudem, dass sich erste US-Banken von der HNA distanziert hätten.

Darüber hinaus ist die chinesische Politik aktuell bemüht die Anzahl der Auslands-Übernahmen zu drosseln; die Firmen sollen stattdessen im Inland investieren.

Dass die HNA die Allianz übernimmt, ist daher nicht sehr wahrscheinlich.

Theoretisch denkbar wäre nur ein gemeinsamer Vorstoß, bei dem ein Großteil der Finanzierung von einem Partner getragen würde.

Problem 2: Behörden und Politik

Wenn angenommen wird, dass die HNA in der Lage wäre eine Allianz-Übernahme finanziell zu stemmen, wäre ein Deal immer noch in weiter Ferne.

Denn ein Kauf würde sicher die Behörden auf den Plan rufen. Die Allianz wird als systemrelevant eingestuft, was eine Übernahme sehr verkompliziert.

Vielleicht reicht da schon der aggressive Übernahme-Kurs der vergangenen Jahre und das Ziel, bis 2025 zu den größten Konzernen der Welt zu zählen, um die Deal-Genehmigung verweigert zu bekommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass chinesische Käufer im Moment unter größerer Beobachtung stehen und in Europa an einer Änderung des Übernahme-Gesetzes gearbeitet wird.

Befürchtet wird, dass chinesische Unternehmen mit Staatsgeldern ausgestattet werden, um auf Einkaufstour zu gehen.

In 1. Linie geht es dabei um Technologie-Firmen, doch ein Übernahme-Angebot für die Allianz aus China würde die Politik ebenso auf den Plan rufen.

Allianz-Aktie chancenreich – aber nicht wegen einer Übernahme-Chance

Die großen Hürden einer Allianz-Übernahme haben heute letztendlich auch dazu geführt, dass die Aktie des „Übernahme-Kandidaten“ nicht reagiert hat.

In einem festeren Gesamtmarkt notiert das Papier am frühen Nachmittag unverändert.

Dies zeigt Ihnen, dass die Investoren nicht auf eine Allianz-Übernahme setzen – und das aus unserer Sicht auch vollkommen zu Recht.

Wer mit der Allianz-Aktie Geld verdienen will, der sollte aus anderen Gründen einsteigen!

Deutschlands größter Versicherungs-Konzern ist aktuell nämlich selbst auf Übernahme-Jagd.

Und so ist es gut möglich, dass demnächst ein Deal bekanntgegeben wird, der die Investoren überzeugt und die Aktie (+33% auf Jahressicht) weiter nach oben treibt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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