Allianz Aktie taumelt: Diese Faktoren belasten das Ergebnis

Die Versicherungsbranche kämpft mit Problemen – davor ist auch der Branchenprimus Allianz nicht gefeit. Der Münchener Dax-Konzern hat das im zweiten Quartal zu spüren bekommen. Das Geschäft lief zwar insgesamt solide, aber doch nicht ganz so gut, wie Analysten erwartet hatten.

Durchwachsener Quartalsbericht

Das operative Ergebnis lag bei 2,84 Milliarden Euro und verfehlte die Prognosen damit um rund 100 Millionen Euro. Dass der Gewinn unterm Strich von 1,8 auf 2,0 Milliarden Euro gesteigert werden konnte – und damit etwas besser ausfiel als erwartet – war vor allem geringen Belastungen aus Schadensfällen sowie positiven Sondereffekten geschuldet.

Anleger reagierten daher eher enttäuscht auf die Quartalsbilanz und schickten die Aktie erst einmal ins Minus. Besänftigen könnte sie eine verbesserte Jahresprognose. Im Zuge der Halbjahresbilanz legte sich die Konzernführung auf das obere Ende der bisherigen Zielspanne fest.

Wurde zuvor ein operatives Jahresergebnis von 10,0 bis 10,8 Milliarden Euro angepeilt, geht man nun von 10,8 Milliarden Euro im Gesamtjahr aus. Im ersten Halbjahr 2015 wurden davon bereits 5,7 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Schwierigkeiten bereiten vor allem zwei Bereiche: die Lebensversicherung und die Vermögensverwaltung.

Lebensversicherungen in der Zinsfalle

Die Krise der klassischen Lebensversicherung betrifft die gesamte Branche. Vor allem in Deutschland ist die kapitalbildende Lebensversicherung als Altersvorsorge beliebt. Allerdings steht das Modell vor einem grundlegenden Wandel. In der anhaltenden Niedrigzinsphase werden immer geringere Einnahmen generiert, die Belastungen für die Konzerne bleiben allerdings hoch.

In der Folge wird wohl die Zinsbindung aufgegeben, die Lebensversicherungsmodelle grundlegend erneuert. Gänzlich abgeschafft werden sollen sie allerdings nicht, wie Allianz-Chef Oliver Bäte kürzlich betonte.

Bäte lenkt den Konzern erst seit Mai dieses Jahres und hat einige richtungsweisende Entscheidungen angekündigt. Im Spätherbst will er seine Strategie für die kommenden drei Jahre vorstellen, ab Anfang 2016 soll die Umsetzung beginnen.

Pimco-Schock noch nicht verarbeitet

Dann wird die Allianz auch ihr zweites Sorgenkind angehen müssen: die Vermögensverwaltung und hier insbesondere die Tochtergesellschaft Pimco. Die auf Anleihengeschäfte spezialisierte Sparte war über Jahre hinweg bei Kunden wie Anlegern beliebt als Erfolgsgarant.

Doch seit dem Weggang von Pimco-Gründer Bill Gross im Herbst 2014, der das Unternehmen überraschend und im Streit verließ, ziehen Investoren massenweise ihr Geld ab. Allein im zweiten Quartal waren es mehr als 29 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Vermögensverwaltung insgesamt brach daraufhin im zweiten Quartal um ein Viertel ein auf nur noch 505 Millionen Euro.

Das einzig Gute daran scheint zu sein, dass die Mittelabflüsse sich verlangsamen – im Vorquartal war noch mehr Geld weggefallen, nun scheint sich die Lage langsam etwas zu beruhigen. Ob das jedoch für eine Trendwende reicht, muss die Zukunft erst zeigen.

Analysten zuversichtlich

Analysten zeigten sich zuletzt verhalten optimistisch. Die meisten empfehlen, die Aktie zu halten oder zu kaufen. Die Kurszielspanne ist dabei recht breit gefächert und reicht von 143 bis 176 Euro. Experten von Independent Research sind sogar noch optimistischer und gehen von einer fairen Bewertung von 190 Euro je Aktie aus.

Zuletzt war das Papier für gut 152 Euro zu haben. Damit hat der Kurs seit Jahresbeginn um knapp 11 Prozent zugelegt.

2015-08-17 Allianz

19. August 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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