Allianz-Bilanz erfreut Anleger

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Beim Kunden knausern, beim Anleger ausschütten: Die Corona-Bilanz der Allianz kommt an der Börse gut an. (Foto: Cinberg)

Europas größter Versicherungskonzern hat zum Wochenschluss seine Bilanz für 2020 vorgelegt – und mit starken Zahlen überrascht. Der operative Gewinn ging zwar um 9 Prozent zurück auf knapp 11 Milliarden Euro, fiel damit aber noch deutlich besser aus als von Branchenbeobachtern erwartet worden war.

Immerhin ist mit der Pandemie im vergangenen Jahr eine Naturkatastrophe bislang ungekannten Ausmaßes über die Welt hereingebrochen, über Wochen und Monate standen Betriebe still, in weiten Teilen Europas herrscht nach wie vor der Ausnahmezustand.

Für den Versicherer scheinbar kein Problem – ganz im Gegensatz zu seinen Kunden. Denn die Versicherungsnehmer fühlen sich vielfach im Stich gelassen von der Allianz (und auch anderen Versicherungskonzernen). In gutem Glauben hatten sie teure Policen abgeschlossen, um sich für den Fall einer Betriebsschließung zu wappnen.

Viele Versicherungsnehmer gehen leer aus

Dann kam der Lockdown, doch die Versicherer zahlten nicht. In vielen Fällen zogen beispielsweise Gastwirte gegen die Allianz vor Gericht, noch immer sind zahlreiche Verfahren anhängig, doch rechtssichere Urteile sind nach wie vor kaum zu finden – wann immer es eng wurde, hat sich die Allianz auf einen außergerichtlichen Vergleich eingelassen und über die Details Stillschweigen vereinbart, um bloß keinen Präzedenzfall entstehen zu lassen, auf den sich andere Kläger berufen könnten.

Stattdessen hat man nun eine Klausel in die Verträge aufgenommen, die Zahlungen für Schließungen im Kontext pandemiebedingter Lockdown-Maßnahmen explizit ausschließen. Versicherungsnehmer können dem Passus entweder nachträglich zustimmen, oder der Vertrag wird seitens der Allianz aufgelöst.

Das Vorgehen kratzt am Image des Versicherers, gerade viele betriebliche Kunden werden sich künftig wohl zweimal überlegen, ob sie sich auf eine teure Police einlassen, wenn sie im Zweifelsfall dennoch mit leeren Händen dastehen.

Vermögensverwaltung mit Rekordvolumen

Doch für den Moment ist das Kalkül der Allianz voll aufgegangen. Die coronabedingten Schäden summieren sich auf gerade einmal 1,3 Milliarden Euro, da kommt manche Hurrikan-Saison teurer. Ins Gewicht fielen neben Betriebsschließungen – in einigen Fällen wurde dann doch gezahlt – vor allem ausgefallene Großveranstaltungen. Mit 140,5 Milliarden Euro verbuchte die Allianz für 2020 insgesamt einen Umsatzrückgang in Höhe von 1 Prozent, wobei neben Schadensfällen auch Turbulenzen an den Kapitalmärkten eine Rolle spielten.

Gerade der Bereich der Vermögensverwaltung mit den Töchtern Pimco und Allianz Global Investors (AGI) lief herausragend gut. Hier konnte die Allianz den operativen Gewinn um mehr als 5 Prozent steigern auf knapp 2,9 Milliarden Euro. Mit einem Volumen von fast 2,4 Billionen Euro verwaltete die Sparte zum Jahresende so viel Kapital wie noch nie, davon stammten 1,7 Billionen Euro von den Kunden.

Bäte warnt vor Aktiencrash

Vorstandschef Oliver Bäte warnt allerdings vor Spekulationsblasen am Kapitalmarkt und hat dabei insbesondere den jüngsten Hype um die Kryptowährung Bitcoin im Blick. Angefeuert durch Tweets von Tesla-Gründer Elon Musk durchbrach der Wert des Bitcoin zuletzt einen Rekord nach dem anderen und war mehr als 50.000 US-Dollar wert.

Bäte sieht das Risiko eines Börsencrashs und vergleicht die Vorzeichen mit der globalen Finanzkrise 2008/2009 und dem Platzen der New Economy Blase zum Jahrtausendwechsel. Die Allianz hat daher ihre Vermögenswerte zuletzt umgeschichtet, um sich besser gegen etwaige Turbulenzen an den Börsen zu wappnen.

Allianz Aktie glänzt erneut als Dividendenperle

Anleger dürfen sich im Gegensatz zu Versicherungsnehmern außerdem freuen über die solide Jahresbilanz: Die Allianz stellt mit 9,60 Euro trotz insgesamt rückläufiger Zahlen eine Gewinnausschüttung auf dem Niveau des Vorjahres in Aussicht und wird damit einmal mehr ihrem Ruf als Dividendenperle im Dax gerecht.

Die Allianz Aktie konnte davon jedoch kaum profitieren: Nach einem kurzen, steilen Anstieg sackte der Kurs bereits im Tagesverlauf am Freitag wieder ab, das Papier beendete die Handelswoche mit einem geringfügigen Minus. Auch hat sich die Pandemie beim Aktienwert stärker niedergeschlagen als in der Unternehmensbilanz: Der Wert liegt derzeit mit knapp 200 Euro immer noch rund 15 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau.

Analysten bemängeln vorsichtigen Ausblick

Analysten sehen mehrheitlich Kurspotenzial, mehrere Experten bekräftigten noch am Freitag nach der Bilanzvorstellung ihre Kaufempfehlung für die Allianz Aktie, darunter Beobachter von UBS (Kursziel: 215 Euro) oder JP Morgan (Kursziel: 224 Euro). Vereinzelt wurde jedoch auch moniert, dass der Ausblick für das laufende Jahr mit einer Gewinnprognose von 11 bis 13 Milliarden Euro eher vorsichtig ausfiel und zudem eine breite Spanne umfasst.

Allerdings ist das nach der Erfahrung des vergangenen Jahres mit seinen unberechenbaren Wendungen vielleicht die ehrlichste Variante, die sich in der zweiten Jahreshälfte vermutlich etwas konkreter eingrenzen lassen dürfte.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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