Allianz kauft Tank & Rast zurück: Da ist doch was im Busch . . .

Der DAX konnte auch heute zulegen. Gestützt vom niedrigen Euro-Kurs (stärkt den Export) und starken Unternehmenszahlen kletterte der deutsche Leitindex auf 11.636 Punkte.

Die Investoren verdrängen langsam die Negativ-Schlagzeilen rund um Griechenland und China und begeben sich wieder auf die Suche nach Rendite. Zum Teil führt diese Suche zu Entscheidungen, die recht erstaunlich sind.

So wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass die Allianz in einer Auktion den Zuschlag für den Raststättenbetreiber Tank & Rast erhielt. Der offiziell nicht genannte Kaufpreis soll nach Angaben aus Finanzkreisen bei 3,5 Mrd. Euro liegen. Das Ungewöhnliche an dieser Transaktion: Damit wird die Allianz bereits zum zweiten Mal Eigentümer von Tank & Rast.

Bevor Sie gleich Einzelheiten und Hintergründe zu der Transaktion erfahren, möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Geschichte der heutigen Tank & Rast geben.

Tank & Rast wechselte schon einige Male den Besitzer

1994 wurde Tank & Rast gegründet. Vorgänger waren die bundeseigene Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen (GfN), die im Jahr 1951 gegründet wurde, sowie die Ostdeutsche Autobahntankgesellschaft.

Im Jahre 1998 wurde Tank & Rast an die Lufthansa, den Finanzinvestor Apax und die Allianz für 1,2 Mrd. D-Mark verkauft. Im Jahr 2004 übernahm der Finanzinvestor Terra Firma das Unternehmen für 1,1 Mrd. Euro. Nur 3 Jahre später – im Jahr 2007 – kaufte sich ein Fonds der Deutschen Bank für 1,2 Mrd. Euro mit 50% ein.

Und jetzt übernimmt wieder der deutsche Versicherungsriese das Steuer. Die Allianz kauft zusammen mit Partnern nach 11 Jahren den Raststättenbetreiber Tank & Rast für 3,5 Mrd. Euro zurück.

Die Autobahn Tank & Rast Holding GmbH betreibt heute 350 Tankstellen und 390 Raststätten sowie 50 Hotels an deutschen Autobahnen. Die Sparten des Unternehmens sind Tankstellen, Raststätten, Eigenbetriebe und Autohöfe.

Hintergründe und Details der Transaktion

Der Rückkauf von Tank & Rast ist die größte Private-Equity-Transaktion in Deutschland seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Mit Private-Equity-Transaktion ist gemeint, dass es sich um die größte Übernahme eines nicht börsennotierten Unternehmens handelt.

Verkäufer von Tank & Rast ist die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, die auch das Wohnungsunternehmen Deutsche Annington im Portfolio hatte und ein Infrastrukturfonds der Deutschen Bank.

Abgeschlossen werden soll der Verkauf in der zweiten Jahreshälfte 2015. Insgesamt gab es 4 Konsortien, die sich um die ehemals staatliche Gesellschaft für Autobahnnebenbetriebe bemühten.

Die niedrigen Zinsen werden zu weiteren Transaktionen führen

Zwar zahlt die Allianz jetzt eine deutlich höhere Summe für Tank & Rast als der deutsche Versicherungsriese selbst vor 11 Jahren durch den Verkauf des Unternehmens eingenommen hat, doch in Zeiten niedriger Zinsen werden hohe Preise für Unternehmen mit hohen Mittelzuflüssen gezahlt. Versicherungskonzerne sind auf Renditen oberhalb des aktuellen Zinsniveaus angewiesen.

Bei Tank & Rast handelt es sich um ein Cash-flow-starkes Unternehmen (ein Unternehmen mit hohen Mittelzuflüssen), das Allianz stetige Einnahmen in einer anständigen Höhe verspricht. Da nahezu alle Versicherer unter dem Anlagenotstand leiden, werden weitere Milliarden-Übernahmen folgen.

Wie es mit den Versicherungen in Deutschland weitergeht, erfahren Sie in einer der nächsten Schlussgong-Ausgaben.

5. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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