Allianz macht einen auf Porsche

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Die Allianz plant, in Zukunft auf die Veröffentlichung umfangreicher Quartalsberichte zu verzichten. Ein sinnvoller Schritt? (Foto: Birgit Reitz-Hofmann)

Die Allianz plant, in Zukunft auf die Veröffentlichung umfangreicher Finanzberichte zum ersten und dritten Quartal verzichten. Zu diesem Schritt sind börsennotierte Unternehmen grundsätzlich berechtigt, zumindest sofern die Deutsche Börse mitspielt. Hintergrund des Allianz-Vorstoßes vom vergangenen Donnerstag sind Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften für Versicherungsgesellschaften im Rahmen der Einführung des IFRS 17. Dieser ist verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 1. Februar 2022 beginnen.

Bis dahin ist zwar noch viel Zeit, doch die dadurch ausgelöste Neubewertung von Versicherungsverträgen sind so erheblich, dass selbst Großkonzerne wie die Allianz vor den Belastungen für das interne Rechnungswesen einknicken. Zumal in dem Übergangsjahr eine sogenannte Schatten-Berichterstattung erstellt werden muss, während der nicht nur vier, sondern acht Quartalsabschlüsse erstellt werden müssen.

Vorgeschobene Gründe?

Doch das allein scheint nicht der Auslöser für diesen Schritt in die Intransparenz zu sein. Offenbar stellt der Allianz-Finanzvorstand Terzariol auch die generelle Aussagekraft von Quartalsabschlüssen bei Versicherern in Frage. Zu erheblich sind die saisonalen Schwankungen, ausgelöst durch die Verbuchung von Jahresprämien im Januar und der Ballung von Naturkatastrophenschäden in der zweiten Jahreshälfte. Deshalb, so Terzariol, sei es in anderen europäischen Ländern auch Usus, keine Quartalsberichte mehr zu veröffentlichen. Nur die Deutsche Börse verlange dies noch, so der Vorwurf.

Auf den ersten Blick scheinen die Argumente der Allianz nachvollziehbar zu sein. Ein Versicherungskonzern wie die Allianz, drangsaliert von den sich permanent verändernden Regulierungs- und Rechnungslegungsvorschriften, will unnötigen Ballast abwerfen und Publizitätspflichten vermeiden, die es in dieser Form nur an einem einzigen europäischen, nämlich dem deutschen Kapitalmarkt gibt.

Mitleid ist nicht angebracht

Derartig benachteiligt könnte man beinahe Mitleid mit dem Konzern bekommen. Der allerdings im vergangenen Geschäftsjahr einen geschätzten Nachsteuergewinn von 7,8 Milliarden Euro eingefahren hat, ein Rekordwert für das Unternehmen, so dass man sich fragt, ob da nicht vielleicht noch ein paar Euro für zusätzliche Buchhalter und Controller drin wären.

Zumal Analysten und Investoren, selbst wenn die Aussagekraft des Zahlenwerks beschränkt sein sollte, nur ungern auf die Quartalszahlen verzichten wollen. In sechs Monaten kann nun mal eine Menge passieren. Und wenn man es genau nimmt, sind es sogar acht Monate, denn das ist der Zeitraum zwischen den spätestmöglichen Zeitpunkten, an dem ein im Prime Standard gelistetes Unternehmen den Halbjahresbericht (31. August) und den Jahresabschluss (30. April) veröffentlichen muss.

Und so weist die Deutsche Börse den weltgrößten Versicherer darauf hin, dass Unternehmen im Prime Standard verpflichtet sind, neben dem Jahres- und Halbjahresfinanzbericht zwei Quartalsmitteilungen zu veröffentlichen. Wer dagegen verstößt, wird unbarmherzig aus dem Prime Standard ausgeschlossen. Der Fall Porsche, dessen Vorstände ebenfalls die Sinnhaftigkeit von Quartalszahlen angezweifelt hatten, ist den meisten noch in Erinnerung.

Anlegern ist die Saisonalität durchaus bewusst

Zumal auch andere Branchen von saisonalen Schwankungen betroffen sind. Man denke nur an die enorme Bedeutung des vierten Quartals für den Einzelhandel oder für Softwareunternehmen. Kapitalmarktprofis können damit umgehen, indem sie die Quartalszahlen nicht mit ihren Vorquartalswerten vergleichen, sondern mit den im vergleichbaren Vorjahresquartal erzielten.

Wer daher glaubt, sich dieser Transparenz nicht stellen zu wollen, muss sich nicht wundern, wenn seine Aktie an der Börse mit einem Transparenzabschlag gehandelt wird. Die Leidtragenden sind also die Aktionäre. Doch die haben ja noch ausreichend Zeit, auf die Initiative aus der Allianz-Zentrale zu reagieren und sich Versicherungsunternehmen hinwenden, die bereit sind, ihre Anleger bestmöglich zu informieren.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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