Allianz sorgt für positive Überraschung

Sturmtief plus Flugzeugabsturz gleich schwaches Quartal für die Allianz – dachten viele Beobachter im Vorfeld. Doch die Zahlen, die Europas größter Versicherungskonzern Anfang Mai vorgestellt hat, können sich sehen lassen.

Das erste Quartal lief demnach trotz der Belastungen besser als erwartet. Zudem bestätigte die Führungsetage ihre Jahresprognose. Demnach soll im laufenden Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis im Bereich zwischen 10,0 und 10,8 Milliarden Euro erzielt werden. Der Vorjahreswert liegt bei 10,4 Milliarden Euro und damit auf ähnlichem Niveau.

Anleger erleichtert

Anleger reagierten erleichtert auf die guten Quartalsergebnisse und griffen in den Folgetagen bei der Aktie zu. Das Hoch war allerdings nur von kurzer Dauer. Insgesamt befindet sich das Papier in einer Abwärtsbewegung, seit im April ein Jahreshoch von rund 170 Euro erreicht wurde. Zuletzt lag der Kurs nur noch bei etwas über 142 Euro.

2015-06-02 Allianz

Das ist sicherlich auch der allgemeinen Dax-Tendenz geschuldet: Nachdem der Leitindex in den ersten Monaten des Jahres kräftig zugelegt und neue Rekorde erzielt hatte, geht es seit einigen Wochen wieder bergab.

Allerdings erklärt die schwierige Stimmung an den Märkten allein nicht die Schwierigkeiten der Allianz-Aktie. Die Branche steckt aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase insgesamt in der Bredouille, denn gerade Lebensversicherungen verlieren an Attraktivität und werfen auch immer weniger ab. Das gilt sowohl für die Versicherungsnehmer als auch für die Allianz selbst.

Analysten teils skeptisch, teils optimistisch

Dementsprechend zurückhaltend bewerten auch manche Analysten das Potenzial der Aktie. In einer ersten Reaktion stuften viele den Titel erneut auf „halten“ ein. Die meisten Experten sehen eine faire Bewertung allerdings bei um die 160 Euro – das würde nach aktuellem Stand durchaus noch Luft nach oben bedeuten.

Andere Studien sind zudem optimistischer und sprechen nach dem erfolgreichen ersten Quartal nun Kaufempfehlungen aus. Goldman Sachs, UBS und Citigroup sehen das Kursziel bei 175 beziehungsweise 180 Euro, Independent Research sogar bei 190 Euro.

Als vielversprechend wird beispielsweise die strategische Neuausrichtung angeführt. So engagiert sich die Allianz inzwischen stärker in den USA, während sie sich aus Russland und der Ukraine zurückzieht.

Dividendenchampion im Dax

Ein spezielles Bonbon aus Sicht der Anleger ist aber sicherlich auch die Dividendenstärke: Mit einer Dividendenrendite von 4,5 Prozent ist die Allianz in dieser Hinsicht Spitzenreiter unter den Dax-30.

Grundsätzlich gilt der Konzern als gutes Basisinvestment, von dem man sich aber keine kurzfristigen Traumrenditen versprechen sollte. Stattdessen ist die Allianz-Aktie vor allem für langfristig orientierte Anleger interessant, die mit moderatem Kursanstieg leben können und sich über eine kräftige Dividende freuen.

Wer hier anlegt, sollte sich allerdings auch der äußeren Einflüsse bewusst sein, die die Aktie belasten können – ganz unabhängig von der konzerninternen Aufstellung. Dazu zählen neben geopolitischen Krisen oder besonders großen Schadensfällen auch geldpolitische Entscheidungen wie etwa das Zinsniveau. Hierauf hat die Konzernführung keinen Einfluss, die Bilanzen und letztlich auch der Aktienkurs können hierdurch jedoch beeinträchtigt werden.

2. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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