Alphabet-Aktie lässt sich von Rekordstrafe nicht beeindrucken

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Die EU-Kommission verhängt eine Rekordstrafe gegen Google. Die Aktie des Mutterkonzerns Alphabet lässt dies jedoch kalt. (Foto: Denis Linine / shutterstock.com)

Gestern verhängte die EU-Kommission ihre bislang höchste Strafe: 4,3 Mrd. Euro soll Google wegen Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht zahlen. Von dieser Rekordsumme ließen sich die Anleger des Mutterkonzerns Alphabet allerdings überhaupt nicht beeindrucken. Denn die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Alphabet scheint nicht in Gefahr.

EU-Kommission sieht 3 Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht

Aus Sicht der EU-Kommission hat Google seine Marktmacht beim Smartphone-Betriebssystem Android missbraucht. Wettbewerbern sei damit die Möglichkeit genommen worden, innovativ und konkurrenzfähig zu sein und Verbraucher seien um die Vorteile eines wirksamen Wettbewerbs gebracht worden, so EU-Kommissarin Margrethe Vestager.

Konkret geht es um 3 Vorwürfe: Erstens zwinge Google die Smartphone-Hersteller ein Paket von Google-Diensten wie den Browser Google-Chrome vorzuinstallieren. Zweitens verbiete das Unternehmen den Verkauf von Geräten mit konkurrierenden Betriebssystemen. Und drittens locke Google die Anbieter von Mobilfunknetzen mit finanziellen Anreizen, wenn sie ausschließlich Google-Apps auf den Smartphones vorinstallieren.

Google weist Vorwürfe zurück und kündigt Berufung an

Erwartungsgemäß weist Google die Vorwürfe zurück und spricht davon, dass Android den Wettbewerb durch niedrige Preise und ein hohes Innovationstempo verbessert – nicht behindert – hat. Für beide Ansichten gibt es sicherlich Argumente. Ob es bei der Höhe der Strafe bleibt, ist ungewiss. Google hat angekündigt, gegen die Strafe Rechtsmittel einzulegen. Dies kann sich also noch Jahre hinziehen.

Anleger bleiben gelassen

Die Anleger blieben gestern jedenfalls erstaunlich gelassen. Nachdem die letztjährige (halb so hohe) Strafe der EU-Kommission gegen Google noch mit einem deutlichen Kursabschlag quittiert wurde, bewegte sich die Alphabet-Aktie gestern kaum von der Stelle.

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Dies mag daran liegen, dass die Strafe bereits im Vorfeld erwartet wurde. Außerdem haben die Anleger wohl inzwischen erkannt, dass selbst wenn Google gezwungen wird, kleinere Änderungen am Geschäftsmodell vorzunehmen, sich an der Dominanz des Internet-Giganten nichts ändert.

Alphabet bleibt der unumstrittene König der Internetwerbung

Die langfristig starken Perspektiven von Google bzw. der Konzernmutter Alphabet bleiben jedenfalls erhalten: Kein anderes Unternehmen verdient auch nur annähernd so viel Geld mit Internet-Werbung. Alphabet bzw. Google wird auf Jahre hinaus der unangefochtene König der Internet- und Smartphone-Werbung bleiben.

Außerdem rüstet sich Alphabet für die Zukunft: In zahlreichen Zukunftstrends wie künstliche Intelligenz, vernetztes Zuhause und autonomes Fahren ist der Konzern exzellent positioniert. Und mit über 100 Mrd. US-Dollar Cashreserven steht genug Kapital zur Verfügung, um sich in weitere neue Wachstumsbereiche einzukaufen.

Wenn irgendwann das Wachstum aus dem Stammgeschäft abflauen wird, dürften neue Wachstumstreiber parat stehen. Daher mache ich mir über die Zukunft der Alphabet-Aktie keine Sorgen. Selbst wenn die EU-Kommission noch ein paar Strafen mehr gegen das Unternehmen ausspricht.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.