Alphabet Aktie: Mitarbeiter protestieren gegen Googles China-Pläne

Wachstum um jeden Preis? Bei Google gibt es eine interne Auseinandersetzung um Selbstzensur – die Alphabet Aktie steht unter Druck. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

In Zeiten, da chinesische Investoren im Westen auf dem Vormarsch sind und sich vor allem in Europa verstärkt in Unternehmen einkaufen, fällt häufiger unter den Tisch, dass es neben harten Wirtschaftsinteressen auch noch andere, sehr grundlegende Differenzen gibt in den Auffassungen der chinesischen Zentralregierung einerseits und dem, was gemeinhin unter dem Schlagwort der „westlichen Werte“ subsumiert wird.

Meinungsfreiheit beispielsweise gilt in Europa und den USA als wichtiges Gut, Informationsfreiheit ebenso. Dass sich China hinter einer gigantischen Firewall verschanzt und seiner Bevölkerung den Zugang zu Informationen verweigert, die sich etwa regierungskritisch positionieren, wird mit Befremden zur Kenntnis genommen.

Chinas Zensur schließt zahlreiche US-Konzerne aus

Dies war auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Google bereits vor längerer Zeit aus dem Reich der Mitte zurückgezogen hat. Genauer gesagt: Weil sich der US-Konzern weigerte, sich den Zensurregeln der Zentralregierung zu unterwerfen, wurden die Suchmaschine und andere Google-Dienste dort kurzerhand gesperrt.

Von der Zensur ist nicht nur Google betroffen. Auch Facebook, YouTube oder Twitter werden blockiert. Stattdessen haben sich in China verschiedene eigene Internetkonzerne etabliert, die die entsprechenden Lücken im Sinne der kommunistischen Führung füllen, als größter und bekanntester Konzern gilt Alibaba.

Doch nun könnte sich bei Google eine Kehrtwende abzeichnen. Medienberichten zufolge sucht der Internetriese nach Wegen, um sich doch noch Zugang zu dem riesigen Markt zu sichern – immerhin leben in dem Land mehr als eine Milliarde Chinesen, Schätzungen gehen von etwa 730 Millionen Internetnutzern aus. Ein gigantisches Potenzial also, das sich als äußerst lukrativ erweisen könnte, zumal China für etliche Branchen als Wachstumsmarkt der Zukunft gilt.

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Wachstum um jeden Preis?

Aber sollte Google dafür auch beide Augen zudrücken und sich den Zensurvorschriften anpassen, bei Suchanfragen etwa von der Regierung unerwünschte Ergebnisse von vornherein herausfiltern? Dies jedenfalls befürchten zahlreiche Google-Mitarbeiter – und wendeten sich kürzlich in einem offenen Brief an die Unternehmensführung. Das Vorhaben werfe moralische und ethische Fragen auf und widerspreche womöglich den Leitlinien des Konzerns, hieß es in dem Schreiben unter anderem.

Rund 1.400 Beschäftigte unterzeichneten den Brief – und könnten damit womöglich tatsächlich etwas bewirken. Zumindest hat sich die Chefetage von Google bereits in der Vergangenheit aus einzelnen Projekten zurückgezogen, nachdem es massive Proteste von Seiten der Belegschaft gegeben hatte.

Alphabet Aktie fällt zurück

Ein offizielles Statement der Unternehmensführung gibt es zu der Auseinandersetzung in Bezug auf China bislang nicht. Die Aktie von Google-Mutterkonzern Alphabet jedenfalls geriet zuletzt unter Druck und fiel zurück auf rund 1.217 Dollar beziehungsweise 1.058 Euro.

Nichtsdestotrotz glauben Analysten auch weiterhin an den Erfolg der Aktie, mit großer Mehrheit empfehlen sie das Papier zum Kauf. Die Kursziele bewegen sich dabei nicht selten im Bereich um 1.400 Dollar – und mehr. Das Kurspotenzial erscheint dementsprechend enorm, unabhängig davon, wie die China-Frage ausgehen wird.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.