Alphabet: Intergigant knackt 100 Milliarden Dollar-Marke

Alphabet-Aktie: Warum die Anleger trotz kräftigem Wachstum nicht zufrieden sind. Internetpionier knackt 100 Milliarden Dollar-Marke. Steigende Kosten treiben Anleger Sorgenfalten auf die Stirn (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Manchmal ist gut den Anlegern eben nicht gut genug. Anders ist die Kursreaktion bei der Google-Mutter Alphabet wohl kaum zu erklären. Denn das präsentierte Zahlenwerk war durchaus  beeindruckend. Trotzdem sackte die Aktie des Internetpioniers erstmal deutlich ab. Langfristanleger dürfte die kleine Kursdelle wenig beunruhigen. Die Papiere notieren immer noch knapp unter ihrem Allzeithoch und haben alleine in den vergangenen fünf Jahren über 200% an Wert zugelegt.

Viertes Quartal durch Steuerreform belastet

Dabei ist die Wachstumsgeschichte der Google-Mutter Alphabet noch lange nicht zu Ende. Alleine im vierten Quartal kletterte der Umsatz um knapp ein Viertel auf 32,32 Milliarden Dollar. Allerdings sorgte, wie bei vielen anderen US-Konzernen auch, die Steuerreform in den USA für Gegenwind.

Unterm Strich musste Alphabet eine einmalige Belastung in Höhe von 9,9 Milliarden Dollar verkraften. Dafür darf der Konzern zu einem geringen Steuersatz bis zu 100 Milliarden Dollar an Kapital aus dem Ausland in die USA zurückholen. Zugleich machte sich eine Kartellstrafe der Europäischen Union von 2,7 Milliarden Dollar negativ bemerkbar.

Werbegeschäft wächst weiter, aber die Kosten auch

Während der US-Konzern weiterhin einen Großteil seines Geldes mit dem Suchmaschinengeschäft verdient (84,5% der Gesamterlöse), werden auch die Anzeigen auf der Youtube-Plattform und die Cloud-Umsätze immer wichtiger. Zugleich versucht Google weitere Marktanteile mit Geräten mit seinem hauseigenen Sprachassistenten zu gewinnen.

Bislang gelingt es Google im wichtigen Suchmaschinengeschäft die sinkenden Einnahmen pro Online-Anzeige  (im vierten Quartal -14%) durch eine steigende Anzahl an Klickraten (+43%) auszugleichen. Sie müssen wissen: Der Trend zur mobilen Internetnutzung sorgt für anhaltend sinkende Werbepreise, da die Kunden für diese Anzeigen weniger zahlen als für Werbung, die über einen normalen PC aufgerufen wird.

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Denn die Kosten, die Google für Partner ausgeben muss, damit diese die Suchmaschine als Standard auf ihren Geräten setzen, ist zuletzt auf 24% der gesamten Werbeerlöse gestiegen. Das ist ein immerhin ein ganzer Prozentpunkt mehr als zuvor. Alleine an Apple fließen jährlich mittlerweile 3 Milliarden Dollar, damit die Suchmaschinen auf den Iphones gesetzt ist. Zugleich macht sich Googles Einstieg in das Hardwaregeschäft bemerkbar. Die Marketingkosten für eigene Smartphones oder den Lautsprecher Google Home stiegen von 3,1 auf 4,3 Milliarden Dollar.

100 Milliarden Dollar-Marke geknackt

Es lohnt sich aber auch, einen Blick auf das Gesamtjahr zu werfen. Denn erstmals hat der Internetriese die 100 Milliarden Dollar-Marke knacken können. Insgesamt erzielte Alphabet mit Erlösen von 110,9 Milliarden Dollar ein Plus von 23%. Allerdings fiel der Gewinn auf Grund der Einmalbelastungen (Steuerreform und Kartellstrafe) um 35% auf 12,6 Milliarden Dollar. Bärenstark zeigt sich hingegen weiter die Bilanz. Durch die hohen Mittelzuflüsse ist der Cash-Berg mittlerweile auf beinahe 102 Milliarden Dollar angewachsen.

Fortschritte bei Roboterautos

Unterdessen meldete der Technologiekonzern vor wenigen Tagen weitere Fortschritte im Rennen um das erste serienreife Roboterauto. Nach einer kalifornischen Statistik hat die Google-Schwester Waymo weiterhin die Nase vorn. Unterm Strich mussten die Fahrer nur alle 9.000 Kilometer in das Geschehen eingreifen.

Das waren insgesamt 63 Mal in 12 Monaten. Für Sie zum Vergleich: Bei Nissan waren Eingriffe alle 330 Kilometer notwendig, bei General Motors alle 2000 Kilometer und bei Mercedes schafften es die autonomen Fahrzeuge nur 2,9 Kilometer ohne menschliche Unterstützung. Insgesamt waren die Autos der Google-Schwester 567.365 Kilometer auf öffentlichen Straßen unterwegs.

Bei Waymo ist es wie mit den anderen Technologiewetten des Internet-Konzerns: Es werden keine exakten Zahlen für die einzelnen Bereiche aus dem Geschäftsbereich „Bets“, also „Wetten“ berichtet. Unterm dem Strich produzierten alle Wetten noch einen Verlust von 916 Millionen Dollar, während die Umsätze mit 409 Millionen Dollar noch sehr überschaubar sind. Das Ganze ist also eine Investition in die Zukunft, die Alphabet sich leisten kann und auch muss, um die rückläufigen Margen im Kerngeschäft auf lange Sicht auszugleichen.

 

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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