Alstom verhandelt mit Bombardier

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Der TGV-Hersteller Alstom hat seine Fühler nach Kanada ausgestreckt. Heute bestätigten die Franzosen Übernahmegespräche mit Bombardier. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Bisher waren es nur Gerüchte, aber heute Morgen bestätigte der französische TGV-Produzent Alstom, dass das Unternehmen mit der kanadischen Bombardier-Gruppe über eine mögliche Übernahme der Bombardier-Zugsparte rede. „Die Verhandlungen laufen, aber es seien noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden“, so Alstom weiter.

Mega-Deal möglich

Sollten sich beide Unternehmen über den Verkauf des Bombardier-Zuggeschäfts einigen, käme ein Mega-Deal zustande. Der Wert des Zuggeschäfts von Bombardier wird mit etwa 7 Mrd. US-Dollar (USD) taxiert. Neben dem Schienenfahrzeugbau ist der Konzern aus Montreal vor allem für seine Flugzeugproduktion bekannt.

Alstom ist schon seit längerem auf Brautschau, um international mit dem chinesischen Eisenbahngiganten CRRC Corp. Ltd, der mittlerweile auch seine Fühler nach Europa ausgestreckt hat, konkurrieren zu können. Erst im vergangenen Jahr war eine angebahnte Fusion mit Siemens am Veto der europäischen Regulierungsbehörden gescheitert.

Genehmigung schwierig

Falls es bei den laufenden Verhandlungen zwischen Alstom und Bombardier zu einer Einigung kommen sollte, werden auch hier die zuständigen Aufsichtsbehörden das letzte Wort haben. Und da sie zuvor eine Fusion zwischen Alstom und Siemens abgelehnt haben, wird auch hier die Messlatte sehr hoch angelegt werden müssen.

Schließlich verfügen die Kanadier in Europa über deutlich höhere Marktanteile als Siemens. Durch die Übernahme der Bombardier-Zugsparte würde Alstom zum größten europäischen Schienenfahrzeugkonzern mit 75.000 Beschäftigten und 15 Mrd. Euro Umsatz aufsteigen.

Eine Genehmigung durch die EU-Behörden wird also wohl nur mit einschneidenden Zusagen gegenüber den Aufsichtsbehörden durchgewunken. So wird sich Alstom möglicherweise von bestimmten Sparten bzw. Standorten trennen müssen, um keine marktbeherrschende Stellung in Europa zu erlangen.

Bombardier in Schwierigkeiten

Der kanadische Flugzeug- und Bahnhersteller hat einen riesigen Auftragsbestand von annähernd 36 Mrd. USD. Allerdings scheinen sich die Kanadier bei den Bahnaufträgen derbe verkalkuliert zu haben und sind dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch Qualitätsprobleme im Bahnbau haben dazu geführt, dass Bombardier aktuell mit einem Schuldenberg von 9,7 Mrd. USD kämpft.

So haben die Kanadier erst in der vergangenen Woche ihren Anteil am A220-Passagierflugzeugprogramm für etwas mehr als eine halbe Milliarde USD an Airbus und die Regierung von Quebec verkauft.

Von seiner Flugzeugteile-Sparte hatte sich der hoch verschuldete Konzern bereits im Herbst 2019 für mehr als 1 Mrd. USD getrennt. Der Verkauf der Schienenfahrzeugsparte, dem Sahnestückchen des Konzerns, würde weitere Milliarden in die leere Kasse der Kanadier spülen.

Auswirkungen auch auf Deutschland

Die Folgen einer möglichen Fusion, wie Standortschließungen oder Personalabbau, würden auch in Deutschland spürbar werden. Beide Unternehmen produzieren in Deutschland vor allem Triebwagen, die als S-Bahnen und Regionalzüge eingesetzt werden.

Bombardier beschäftigt an seinen sieben deutschen Standorten mehr als 8.000 Mitarbeiter. Hier wurden in den letzten Jahren schon massiv Stellen abgebaut. Alstom ist in Deutschland an sechs Standorten aktiv und beschäftigt dort etwa 2.500 Mitarbeiter. Beide Unternehmen haben ihre Deutschland-Zentrale in Berlin.

Alstom hat in seiner Pressemitteilung angekündigt, dass es die Öffentlichkeit zeitnah über den weiteren Verlauf der Übernahmeverhandlungen informieren werde. Sollte es zu einer Einigung kommen müssten aber auch noch die sehr hohen Hürden der Aufsichtsbehörden genommen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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