Altria-Aktie: Pläne der US-Gesundheits-Behörde bedrohen Tabak-Konzerne

Warum die Anleger aus Scharen aus Tabak-Aktien fliehen, und warum es in Zukunft selbst für Altria eng werden könnte, das erfahren Sie hier: (Foto: gilangtristiano / Shutterstock.com)

Jahrelang galten Tabak-Aktien als defensive Anlage und Hort der Sicherheit:

Die wiederkehrenden Erlöse, hohe Gewinnmargen und konstante Dividenden-Ausschüttungen wurden von vielen Anlegern als Kauf-Argumente gesehen.

Altria mit starken Zahlen, doch es droht Ungemach

Entsprechend kräftig waren die Kurssteigerungen; auch bei der Altria-Aktie:

Seit der Jahrtausendwende zog der Anteils-Preis von unter 5 Dollar auf über 77 Dollar vor wenigen Wochen an.

Doch damit könnte nun Schluss sein – zumindest ist das die Sorge der Investoren, die im Moment die komplette Branche unter Druck sehen.

Immerhin krachte die Altria-Aktie in den vergangenen Tagen um 15% in den Keller. Der Grund ist schnell gefunden:

Ein neues Gesetzt könnte zu Beschränkungen des Nikotin-Gehalts in Zigaretten führen und damit dafür sorgen, dass die Glimmstengel weniger süchtig machen.

Neues Gesetzt sorgt für Panik unter den Anlegern

Konkret geht es um die Pläne der US-Gesundheits-Behörde FDA. Diese will nämlich den Nikotin-Gehalt in Zigaretten per Gesetz drastisch herunterschrauben.

Die Behörde behält sich zugleich vor, das Verbot auch auf Menthol- und andere Zigaretten mit Geschmack anzuwenden.

Das Ziel ist klar: die Sucht soll bekämpft und die Kosten für das Gesundheits-System sollen reduziert werden.

Sie müssen wissen: Weltweit gibt es jedes Jahr 7 Mio. frühzeitige Todesfälle wegen des Rauchens; d. h. alle 8 Sek. stirbt auf der Welt ein Mensch als Folge des Rauchens.

Auch in Europa gilt Rauchen mit 700.000 Todesopfern pro Jahr als die wichtigste vermeidbare Todes-Ursache.

Experten werteten die angekündigte Nikotin-Senkung als radikalste staatliche Regulierungs-Maßnahme seit 1965.

Damals hatte der US-Kongress Hersteller dazu verpflichtet, Krankheits-Warnungen auf Zigaretten-Packungen aufzudrucken.

Tabak-Branche unter Druck

Bislang gibt sich die 130 Mrd. Dollar schwere Tabak-Branche noch gelassen, dabei dürfte das Gesetz tiefe Furchen hinterlassen.

Denn schließlich lebt die Branche davon, dass die Glimmstengel süchtig machen und von den Rauchern somit fortlaufend neue Zigaretten gekauft werden.

Dabei sind die Zeiten des großen Wachstums ohnehin seit Längerem vorbei…

Lassen Sie uns nun einen Blick in die Altria-Bilanzen werfen:

  • Mit einem Jahres-Umsatz von zuletzt 19,33 Mrd. Dollar liegt der Tabak-Riese ungefähr auf dem gleichen Niveau wie vor 8 Jahren.
  • Der Gewinn lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 14,23 Mrd. Dollar, was aber auf den hohen Sonder-Erlös durch den Verkauf der SAB-Miller-Beteiligung zurückzuführen war.
  • In den beiden Jahren zuvor erzielte Altria mit 27,80% (2015) und 28,25% (2014) aber auch weiterhin ausgesprochen hohe Gewinnmargen.

Rauchfreie Produkte und E-Zigaretten sollen für Rückenwind sorgen

Der nachlassenden Nachfrage in den vergangenen Quartalen versuchte Altria mit höheren Preisen und einem größeren Angebot an Produkten wie Kau- und Schnupftabak oder E-Zigaretten zu begegnen.

Als besonders aussichtsreich galt die E-Zigaretten-Variante Iqos – der Grund: Iqos stinken nicht und man kriegt auch keine gelben Finger.

Außerdem finden sich in den Iqos-Heatsticks, in denen das Aerosol auf 350 °C erhitzt wird, 90% weniger gefährliche Schadstoffe wie Formaldehyd oder Benzopyren.

Bislang erwirtschaftet Altria aber erst einen geringen Umsatz-Anteil mit den alternativen Produkten.

Der Anteil mit traditionell rauchbarem Tabak trug im vergangenen Geschäftsjahr noch über 98% zu den Erlösen bei.

Einstieg ins Cannabis-Geschäft

Die Auswirkungen könnten also auch für den Altria-Konzern durchaus von Bedeutung sein. Positiv ist hingegen Folgendes:

Der Tabak-Gigant sitzt durch den Verkauf der SAB-Miller-Beteiligung auf einem Cash-Berg von über 10 Mrd. Dollar – genug Geld also, um sich mittels Zukäufen ein 2. Standbein zuzulegen.

Kein Wunder also, dass immer wieder Gerüchte über einen Einstieg in den lukrativen Cannabis-Markt die Runde machen.

Da ein Bundesstaat nach dem anderen die Droge legalisiert, wächst das Potenzial des Cannabis-Geschäfts in den USA sprunghaft.

Die Zahl der Konsumenten soll dort bis zum Jahr 2029 auf 50 Mio. steigen, das Umsatz-Volumen könnte dann rund 100 Mrd. Dollar betragen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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