Altria-Aktie: Zigarettengigant prüft Einstieg in Cannabis-Markt

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Tabakkonzerne müssen sich neue Felder erschließen. Branchen-Gigant Altria überlegt jetzt in den Cannabis-Markt einzusteigen. (Foto: gilangtristiano / Shutterstock.com)

Jahrelang galten die Aktien der Tabakkonzerne als vollkommen krisensicher. Geraucht wird immer so das Argument der Anleger. Doch seit einigen Jahren stockt es im Getriebe. Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein funkt den Expansionsplänen der Zigarettenindustrie gehörig dazwischen. Sie müssen wissen: Alleine in Deutschland hat sich der Zigarettenkonsum seit 2000 halbiert, d.h. heute werden hierzulande rund 70 Milliarden Glimmstängel weniger pro Jahr verkauft.

Das bekommt auch der weltweite Marktführer Altria zu spüren, der immerhin für 46% des Marktvolumens für brennbare Zigaretten steht. Die US-Zigarettenindustrie nutzt seit Jahren Preiserhöhungen, um trotz sinkender Zigarettenmengen Umsatz und Gewinn zu steigern. Doch langsam wird es kritisch. Die Konzerne müssen umdenken und sich neue Felder erschließen. Am schnellsten geht das über Zukäufe. Kein Wunder also, dass zuletzt gleich mehrere Übernahmegerüchte bei Altria die Runde machten.

Neben dem Einstieg bei dem E-Zigarettenhersteller Juul ist Altria offenbar in den Gesprächen mit dem Cannabisspezialisten Cronos. Das wurde sogar von der Konzernführung bestätigt.

Altria im Portrait

Die Altria Group Inc. ist ein international tätiger Konzern, der neben Tabak-Produkten auch Weine und verschiedene Finanzdienstleistungen anbietet. Zu den bekanntesten Produkten des Unternehmens gehören die Zigarettenmarken Marlboro und L&M sowie die Zigarrenmarke Black & Mild. Daneben produziert und vermarktet Altria Dutzende weiterer Zigarettenmarken und eine große Anzahl an Weinsorten.

Der Kernbereich der Altria Group ist der amerikanische Tabakmarkt, jedoch verkauft Altria sowohl Tabak wie auch seine anderen Produktlinien in mehr als 150 Ländern – besonders auf den amerikanischen Kontinenten, in Europa und in Asien.

Altria-Aktie unter Druck – Menthol-Verbot sorgt für schlechte Stimmung

Zuletzt stand die Altria-Aktie kräftig unter Druck. Der Tabakbranche drohen nämlich weitere Einschränkungen durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. Die Behörde prüft ein vollkommenes Verbot für Mentholzigaretten. Für Altria hätte ein solches Verbot spürbare Auswirkungen. Immerhin stehen Mentholzigaretten für ein Fünftel der Umsätze.

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Gerüchte treiben Cronos-Aktie nach oben

Ganz im Gegensatz zum Kurseinbruch bei Altira, schossen die Cronos-Papiere im Zuge der Übernahmephantasie zuletzt um über 30% nach oben. Seit Oktober haben die Anteilsscheine sogar über 50% an Wert gewonnen.

Beteiligung oder Übernahme?

Dabei handelt es sich bislang noch um Spekulationen. Es gibt momentan keine Informationen, ob sich Altria lediglich an Cronos beteiligen will oder eine Komplettübernahme plant. Aber eines ist sicher. Nach der schrittweisen Legalisierung in zahlreichen US-Bundesstaaten entsteht ein riesiger Markt. Analysten schätzen, dass die Cannabis-Industrie in den USA in diesem Jahr 11 Milliarden US-Dollar Umsatz machen wird. Bis 2030 so die Experten könnte sich das Marktvolumen auf bis zu 75 Milliarden Dollar ausweiten.

Cronos – der Hanfspezialist

Die in Toronto ansässige Cronos Group züchtet und verkauft medizinische und Freizeit-Marihuanaprodukte in Kanada. Sie müssen wissen: Kanada hat den Marihuana-Verkauf im Oktober legalisiert und eine Reihe anderer US-Bundesstaaten haben den Verkauf von medizinischem Marihuana durchgewunken.

Cronos stellte im September ein Forschungsprojekt mit der in Boston ansässigen Ginkgo Bioworks Inc. vor, um neue Techniken zur Herstellung von medizinischem Marihuana zu untersuchen. Dabei ist die Herstellung von CBD und anderen Cannabinoiden durch einen Hefefermentationsprozess geplant, der den Anbau von Pflanzen überflüssig macht.

Ein Deal würde Altria die Möglichkeit geben, von diesen Märkten zu profitieren. Ob und wie schnell damit allerdings der schrumpfende Zigarettenverkauf kompensiert werden kann, ist fraglich. Zumindest dürfte das eine Weile dauern. Denn es ist unwahrscheinlich, dass das Unternehmen Marihuana-Produkte in den USA verkaufen wird, bevor Cannabis landesweit legalisiert wird. Während Freizeit- oder medizinisches Marihuana in vielen US-Bundesstaaten legal ist, bleibt es auf Bundesebene aktuell nämlich noch illegal.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.