Amazon Aktie: Neues Steuergesetz zwingt Händler zu mehr Transparenz

Die Bundesregierung nimmt Onlinehändler in Sachen Steuerehrlichkeit stärker in die Pflicht: Für den Erfolg der Amazon Aktie kein Problem. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Von Cayman Islands bis Panama Papers – in den vergangenen Jahren wurden gleich mehrere gigantische Fälle systematischer Steuerhinterziehung öffentlich. Auf den berüchtigten Steuer-CDs, erworben durch deutsche Behörden von Anbietern etwa aus der Schweiz, waren auch zahlreiche prominente Namen unter den Steuerbetrügern.

Doch nicht nur Einzelpersonen, auch Großunternehmen nutzen alle Tricks und Schlupflöcher, um Steuern zu „sparen“. Dem Staat entgehen dadurch Jahr für Jahr Milliardenbeträge. Ärgerlich ist das vor allem aus Sicht der ehrlichen Steuerzahler, die sich vom Finanzamt häufig gegängelt fühlen, während der Eindruck entsteht, dass bei den „großen Fischen“ resigniert wird.

Neues Steuergesetz zielt auf Amazon und Co.

Nun hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, das auf eine vor allem für ausländische Händler besonders attraktive Form des Steuerbetrugs abzielt: Durch das Gesetz sollen Anbieter von Onlinehandelsplattformen wie Amazon oder Ebay stärker in die Pflicht genommen werden. Sie sollen künftig Händler, die über ihre Plattformen Waren in die EU – beziehungsweise nach Deutschland – verkaufen, an die Steuerbehörden melden und somit dazu beitragen, dass für die Produkte ordnungsgemäß Umsatzsteuer abgeführt wird. Andernfalls sollen Amazon, Ebay und Co. selbst dafür geradestehen und entgangene Steuerbeträge bezahlen.

Mit einem ähnlichen Ansatz haben britische Steuerbehörden bereits Erfolge erzielt, auf europäischer Ebene ist ein entsprechendes Vorhaben ab 2021 geplant. So lang will die Bundesregierung offenbar nicht mehr warten: Das neue Gesetz soll bereits 2019 in Kraft treten.

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Betroffen sind davon dem Vernehmen nach vor allem asiatische Händler, die für ihre über Amazon oder Ebay verkauften Artikel häufig keine Mehrwertsteuer abführen und auch keine ordnungsgemäßen Rechnungen an die Kunden ausstellen.

Amazon Aktie weiterhin heißbegehrt

Amazon selbst hat das Gesetz bislang nicht kommentiert. Es ist davon auszugehen, dass es zwar an der einen oder anderen Stelle den bürokratischen Aufwand erhöhen, dem Erfolg des Konzerns insgesamt aber keinen Abbruch tun wird – zumal der Onlinehandel ohnehin nur noch einen Teilaspekt des Gesamtpakets ausmacht, mit dem das Unternehmen seine Gewinne erwirtschaftet.

Wesentlich wichtiger ist längst der Clouddienst Amazon Web Services (AWS) mit beeindruckenden Wachstums- und Gewinnraten. Und auch der Kursverlauf der Amazon Aktie kann sich sehen lassen: Allein in den vergangenen drei Jahren verzeichnet das Papier einen Wertzuwachs von mehr als 230 Prozent, mit einem besonders steilen Anstieg während der letzten anderthalb Jahre. Auf Jahressicht hat sich der Kurs nahezu verdoppelt.

Zuletzt kostete die Amazon Aktie rund 1.600 Euro oder 1.860 Dollar. Analysten sehen jedoch längst die 2.000 Dollar am Horizont – und trauen dem Papier auch darüber hinaus noch einen weiteren Anstieg zu. Neue steuerliche Hürden erscheinen angesichts dieser Erfolgsstory daher eher als kleinere lästige Notwendigkeiten.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.