Amazon-Aktie: Warum der Online-Riese trotz Gewinnsprung enttäuscht

Das Weihnachts-Quartal ist für viele Firmen im Einzelhandel bekanntlich das wichtigste Quartal des Jahres; so auch für den Online-Giganten Amazon.

Kein Wunder also, dass die Anleger die gerade vorgelegten Geschäftszahlen für das Schlussquartal mit Argusaugen verfolgen.

Kurzum: Trotz einem kräftigen Gewinnsprung zeigten sich die Anleger enttäuscht und straften die Aktie ab.

Darum enttäuschte der 400 Mrd. Dollar schwere Online-Händler

Auf den 1. Blick sehen die präsentierten Ergebnisse gar nicht einmal so schlecht aus, so könnte man zumindest meinen.

Denn der Online-Gigant steigerte seine Erlöse im vergangenen Quartal immerhin um 22% auf beeindruckende 43,7 Mrd. Dollar.

Im Gegenzug verbesserte sich sogar der Jahres-Überschuss um 55% auf 749 Mio. Dollar. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das ein Umsatz von 136 Mrd. Dollar (+27% zum Vorjahr).

Beim Gewinn sehen die Zuwachs-Raten noch beeindruckender aus: Hier ging es um ein Vielfaches von 596 Mio. Dollar auf 2,4 Mrd. Dollar nach oben.

Analysten-Erwartungen nicht erreicht

Trotz der Zuwächse konnten die Analysten-Schätzungen nicht erreicht werden. Die Experten waren nämlich im Vorfeld der Zahlen von einem Umsatz von 44,68 Mrd. Dollar (vs. 43,7 Mrd. Dollar erreicht) ausgegangen.

Besonders ins Kontor schlug der unerwartet heftige Gegenwind auf der Währungs-Seite; hier musste Amazon einen negativen Effekt von 800 Mio. Dollar ausweisen.

Weiteres Wachstum im Cloud-Geschäft

Nichts zu meckern hatten die Anleger hingegen im Geschäft mit der sogenannten Cloud:

In dem rasant wachsenden Geschäft für Rechenleistung für Unternehmen ist der US-Konzern deutlicher Marktführer. Mit 12,2 Mrd. Dollar steuerte der Bereich 27% zu den Gesamt-Erlösen bei.

Allerdings ist der Bereich mit einer Gewinnmarge von 26% hochprofitabel und für den Großteil der Gewinne verantwortlich.

Amazon baut Flughafen auf

Aber nicht nur das flachere Wachstum, auch die Ansagen zu den Investitionen ließen die Anleger aufhorchen:

Denn der weltgrößte Online-Händler will für 1,5 Mrd. Dollar den Flughafen in Cincinatti für seine eigenen Zwecke erweitern.

Zukünftig sollen täglich bis zu 200 Amazon-Flieger in die Luft gehen und die Pakete an die Kunden liefern.

Dabei ist der Schritt nur allzu verständlich. Denn über Amazon verkaufen immer mehr unabhängige Händler, die nur ihre Produkte in den Warenlager des Online-Konzerns abliefern und gegen Gebühr versenden lassen.

Mittlerweile machen die unabhängigen Händler 55% aller Verkäufe aus. Alleine im vergangenen Quartal kletterten diese Verkäufe um sage und schreibe 70%.

Hohe Investitionen erwartet

Zugleich erwartet der Konzern anhaltend hohe Investitionen. Damit bleibt sich der Technologie-Konzern treu:

Ob Geld für eigene Inhalte, Amazon Video, den Musikdienst oder Investitionen in Lizenzen – Amazon öffnet weiter die Schatulle, um sich mit neuen Diensten zukünftiges Wachstum teuer zu erschließen.

Dass dabei im Kerngeschäft die Zuwachsraten nachlassen, ist vollkommen normal. Immerhin hat der Online-Händler seine Erlöse von 3,1 Mrd. Dollar vor 15 Jahren mittlerweile um mehr als 4.000% gesteigert.

Schwaches Quartal erwartet

Auch für das laufende 1. Quartal hat die Konzern-Führung die Erwartungen gedämpft:

Das operative Ergebnis wird zwischen 250 und 900 Mio. Dollar erwartet und liegt damit deutlich unter den Schätzungen der Analysten (1,3 Mrd. Dollar).

Beim Gewinn für nächstes Jahr gehen die Experten von einem Anstieg auf 8,58 Dollar je Aktie aus.

Bei einem Kurs von über 800 Dollar je Aktie handeln die Papiere immer noch mit einem mehr als sportlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 90 – damit steht fest: Günstig geht anders!

6. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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