Amazon-Aktie: Wie Jeff Bezos die Welt erobern will

Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als man online nicht Google, sondern Altavista nach Informationen fragte – und Amazon lediglich als Versandhandel für Bücher galt?

Nicht einmal 20 Jahre liegt das zurück, und doch schimmert beides nur noch als nebliger Fleck in der Erinnerung der meisten von uns. Seither ist viel passiert.

Amazon: Revolution im Kaufverhalten

Amazon ist inzwischen zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Konzerne der Welt aufgestiegen.

Das Unternehmen hat das Kaufverhalten von Millionen von Menschen umgekrempelt und zahlreichen Einzelhändlern in Innenstädten den Garaus gemacht.

Wozu soll man sich samstagsnachmittags schließlich noch durch überfüllte Gassen quälen, wenn man stattdessen rund um die Uhr online shoppen und sich die Ware bequem nach Hause liefern lassen kann?!

Was die Kaufgewohnheiten angeht, hat Amazon einer Revolution den Weg bereitet. Eigentlich könnte Firmengründer Jeff Bezos seine Mission damit als erfüllt betrachten und sich zurücklehnen.

Mit einem geschätzten Vermögen von gut 75 Mrd. US-Dollar gilt er inzwischen nach Bill Gates als zweitreichster Mann auf dem Planeten und könnte sich getrost zur Ruhe setzen.

Das aber kommt ihm jedoch nicht in den Sinn – ganz im Gegenteil: Bezos will mit Amazon die Welt erobern – und nach Buchläden und Elektromärkten weiteren Branchen das Leben schwer machen.

Ein Überblick über die aktuellen Pläne

Lebensmittel-Versand – Amazon Fresh:

Der Lebensmittel-Handel ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits werden hier so hohe Umsätze generiert wie in kaum einem anderen Bereich – Lebensmittel muss schließlich jeder erwerben.

Andererseits sind gerade hier viele Kunden noch skeptisch gegenüber dem Versandhandel; sie prüfen die Ware lieber selbst vor Ort. Dies gilt insbesondere für frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse.

Dennoch hegt Amazon hier große Pläne: In den USA gibt es bereits den Dienst Amazon Fresh, über den sich Kunden ihre Lebensmittel liefern lassen können.

In Kürze geht dieser Service auch in Berlin testweise an den Start und soll letztlich auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden.

In den USA wird der Dienst ergänzt durch Pick-up-Stationen, an denen Kunden ihre Einkäufe abholen können, beispielsweise auf dem Heimweg von der Arbeit.

Es ist also gut möglich, dass Sie diese Stationen in wenigen Jahren auch in Deutschland finden werden.

Supermarktfilialen – Amazon Go:

Doch nicht nur im Bereich Lieferdienst oder Abhol-Service will Amazon in die Lebensmittel-Branche einsteigen; darüber hinaus sind eigene Supermärkte unter dem Label „Amazon Go“ geplant.

Die ersten Filialen sollen in diesem Frühjahr in den Vereinigten Staaten eröffnen, eine Expansion außerhalb der USA ist bereits geplant.

Harte Zeiten für weitere Branchen

Modekollektionen:

Die Werbetrommel wird bereits eifrig gerührt, auch hierzulande flimmern die Clips für den amazoneigenen Modeversand seit einigen Monaten über die Bildschirme.

Dabei geht es nicht um den Verkauf von Kleidung anderer Marken und Hersteller, sondern um Eigenmarken.

In den USA läuft das Geschäft bereits erfolgreich, auch in Europa will Amazon bald Versandhäusern wie Zalando oder Otto Konkurrenz machen.

Mobilfunk:

Es ist ein heißes Eisen für Amazon, nachdem das hauseigene Smartphone mit Namen „Fire Phone“ krachend gescheitert ist und die Produktion des 2014 erschienenen Gerätes bald darauf wieder eingestellt wurde.

Doch statt auf Hardware setzt Amazon nun darauf, Netzbetreiber und Mobilfunk-Anbieter zu werden; und zwar in Deutschland – vorausgesetzt, man bekommt Zugriff auf die Netzwerk-Kapazitäten.

Entsprechende Gespräche sollen bereits stattgefunden haben.

Australien:

Kaum zu glauben, aber wahr: Der kleinste Kontinent ist bislang noch so gut wie gar nicht erschlossen – das soll sich nun ändern:

Bis Ende des Jahres sollen down under alle Amazon-Dienste verfügbar sein. Dafür pumpt der Konzern ordentlich Geld in Richtung Sydney und spinnt damit sein weltumspannendes Netz immer dichter.

Amazon-Aktie: Auf 1.000-Dollar-Kurs

Keine Frage: Amazon hat noch eine Menge vor, und mit Blick auf die bisherige Erfolgsgeschichte ist davon auszugehen, dass sich vieles davon auch auszahlen wird.

Das dürfte auch die Anleger freuen. Wer früh eingestiegen ist, konnte mit der Amazon-Aktie bereits selbst ein kleines Vermögen machen.

Der Kurs hat allein in den vergangenen 5 Jahren um satte 400% zugelegt.

Die Aktie des Online-Giganten steuert inzwischen schnurstracks auf die 1.000-Dollar-Marke zu, die meisten Analysten-Prognosen liegen bereits deutlich darüber. Und alle sind sich einig: kaufen!

2017-04-28 Amazon

30. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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