Amazon, Argentinien & Co.: Anleihemarkt im Blickpunkt

An dieser Stelle habe ich für Sie in den zurückliegenden Tagen zahlreiche Halbjahres-Zahlen börsennotierter Unternehmen unter die Lupe genommen.

Nun möchte ich mich in diesem Beitrag einem Markt widmen, den oft nur Börsen-Insider auf dem Radar haben: dem Anleihemarkt.

Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Der Internet-Handels-Gigant Amazon hat dieser Tage mit einer riesigen Anleihe-Emission insges. 16 Mrd. US-Dollar eingenommen.

Amazon mit der viertgrößten Anleihe-Emission 2017 in Dollar

Es handelt sich dabei um die viertgrößte Anleihe-Emission in US-Dollar in diesem Jahr.

Das Interesse der Anleger an der Zeichnung der Amazon-Anleihen war trotz des Sommerlochs sehr groß:

Das Orderbuch erreichte rund 47 Mrd. US-Dollar. Damit hätte Amazon deutlich mehr Geld mit den neuen Anleihen einsammeln können als tatsächlich geschehen.

Amazon bediente fast das gesamte Laufzeit-Spektrum; angefangen bei 3 Jahren bis hin zu 40 Jahren Laufzeit.

Und der Online-Handels-Riese konnte sehr gute Konditionen herausschlagen:

Für die Laufzeit von 3 Jahren zahlt Amazon knapp unter 2% Zinsen, für das 40-jährige Papier rund 4,3% Zinsen.

Eine interessante Beobachtung: Die kürzeste Laufzeit von 3 Jahren war kaum gefragt.

Am meisten wurden die Papiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren nachgefragt, gefolgt von der 7-jährigen Anleihe und den Papieren mit 40 Jahren Laufzeit.

Längere Laufzeiten in Kombination mit höheren Zinsen sind im aktuellen Niedrig-Zins-Umfeld besonders gefragt.

Für die Anleihen mit einer Laufzeit von 40 Jahren, die für ein Tech-Unternehmen ungewöhnlich lang ist, sollen sich v. a. Pensionsfonds interessiert haben.

Insges. kamen für diese Laufzeit Orders mit einem Volumen von 6 Mrd. US-Dollar rein.

Die bis dato 3 größten Dollar-Anleihen in diesem Jahr

Wie bereits erwähnt, handelte es sich bei der jüngsten Anleihe-Emission von Amazon um die viertgrößte in Dollar notierte Emission in diesem Jahr.

Auf den ersten 3 Plätzen liegen:

  1. der Telekom-Konzern AT&T mit 22,5 Mrd. US-Dollar,
  2. British American Tobacco (Tabakwaren) mit 17,3 Mrd. US-Dollar
  3. und Microsoft mit 17 Mrd. US-Dollar.

Die Investoren sind ganz heiß auf diese Papiere:

Während bei Amazon das Orderbuch 47 Mrd. US-Dollar verbuchte, waren es bei der Anleihe-Emission von AT&T sogar 55 Mrd. US-Dollar.

Argentinien leiht sich Geld für 100 Jahre

Das südamerikanische Land Argentinien hat sich kürzlich sogar für 100 Jahre Geld geliehen und zahlt dafür einen Zins von 7,92%.

Zunächst war ein Anleihe-Volumen von 2 Mrd. US-Dollar bei einem Zinskupon von 8,25% im Gespräch.

Die große Nachfrage nach diesen Anleihen bewog die argentinische Regierung jedoch dazu das Volumen zu erhöhen.

Das wiederum ermöglichte eine Reduzierung des Zinses auf die bereits erwähnten 7,92%.

Nach Angaben der argentinischen Regierung reichten Investoren Gebote für 9,75 Mrd. US-Dollar ein. Das verdeutlicht die große Nachfrage nach Papieren mit vergleichsweise hohen Zinsen.

Besonders sicher sind diese Papiere jedoch nicht; Besitzer von Argentinien-Anleihen mussten in der Vergangenheit z. T. schwer bluten und auf Rückzahlungen verzichten.

Die abschreckende Wirkung ist jedoch verpufft.

Anleihemarkt gefährlicher als Aktienmarkt

Die aktuellen Beispiele vom Anleihemarkt zeigen Ihnen 2 Dinge:

  1. Es muss weltweit extrem viel Geld angelegt werden.
  2. Angesichts der Niedrig-Zins-Politik gehen Anleihe-Investoren teilweise auf verrückte Deals ein. Wer leiht Argentinien – angesichts der unrühmlichen Vergangenheit als Schuldner – für 100 Jahre Geld?!

Fazit

Am Aktienmarkt gibt es nur noch wenige „Schnäppchen“, aber bewertungstechnisch keine Blase.

Am viel größeren Anleihemarkt spielen sich dagegen verrückte Dinge ab: Dort können wir gar von einer gefährlichen Blase sprechen.

Achten Sie am Zinsmarkt auf vernünftige Laufzeiten und solide Bilanzen! Die Anleihen mit den höchsten Renditen sind dagegen oft tickende Zeitbomben…

17. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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