Amazon – Bequemlichkeit schlägt Bestpreis

In den USA bleiben heute die Börsen geschlossen – wegen Thanksgiving, dem Feiertag, der dort einen vergleichbaren Stellenwert hat wie Weihnachten hierzulande.

Mit dem morgigen Freitag beginnt dann offiziell das Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler, von dem sich Unternehmen und ihre Anleger satte Gewinne erhoffen. Immerhin hatte sich die Stimmung der Verbraucher zuletzt wieder aufgehellt – ein wichtiges Signal für die Wirtschaftsentwicklung der USA, die zu einem Großteil vom privaten Konsum abhängig ist.

Doch nicht nur in den großen Shopping-Malls beginnt ab morgen das große Getümmel. Längst hat sich ein nicht unerheblicher Teil der Weihnachtsbesorgungen ins Internet verlagert, und ihr ganz besonders zu einem Händler: Amazon.

Dort gibt es ja bekanntlich nahezu alles, was das Herz begehrt. Auch Deutschland ist aus Amazons Sicht ein großer und wichtiger Markt.

Amazons ramponiertes Image

Doch hierzulande ist das Image des Online-Händlers seit dem letzten Weihnachtsgeschäft stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Anfang des Jahres gab es eine wochenlange öffentliche Debatte über die Arbeitsbedingungen von Mitarbeitern in den Logistikzentralen – gerade in der Vorweihnachtszeit werden hier etliche Saisonkräfte angeheuert, um den Bestellungsboom abzuarbeiten.

Seither wurden Betriebsräte gegründet und mehrere Streiks organisiert. Auch das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist betroffen, ausgerechnet in der Schnäppchenwoche wollen Beschäftigte die Arbeit ruhen lassen, um für bessere Bedingungen und höhere Bezahlung zu kämpfen.

Verdi fordert bei der Entlohnung eine Orientierung an der Tarifgestaltung des Einzelhandels, Amazon sieht sich aber eher als Logistiker – wo die Löhne niedriger sind.

Am Pranger der Kartellwächter

Aber nicht nur aus Sicht der Belegschaft steht Amazons Preispolitik am Pranger. Bis vor kurzem ermittelte auch das Bundeskartellamt gegen den Versandhändler, weil er von externen Anbietern verlangte, niedrigere Preise anzubieten als bei der Konkurrenz.

Und mit Konkurrenz waren in diesem Fall sämtliche anderen Online-Vertriebswege gemeint, inklusive des eigenen Online-Shops des Anbieters. Nirgendwo durfte die Ware billiger zu finden sein als bei Amazon.

Doch das hat nun ein Ende. Auf Druck der Behörden hat Amazon seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen angepasst und das aus Sicht die Kartellamts wettbewerbsverzerrende Klausel gestrichen – und zwar für die gesamte EU. Im Gegenzug hat das Kartellamt nun die Ermittlungen eingestellt.

Der Kunde mag’s bequem

Sorgen machen muss man sich bei Amazon indes nicht. Denn das Geschäftsmodell des Onlinehandels funktioniert vor allem aufgrund einer Tatsache: der Kunde hat es gern bequem.

Er muss sich nicht aufraffen, warm einpacken und selbst losstiefeln, sondern kann seine Weihnachtseinkäufe ganz gemütlich vom heimischen Sofa aus erledigen, mit etwas Glück wird alles pünktlich geliefert und man braucht sich keine Gedanken mehr zu machen.

Gerade diese Bequemlichkeit wird Amazon wohl auch in Zukunft zugutekommen. Denn dass jemand das Internet durchforstet, um irgendwo ein günstigeres Angebot für ein Produkt zu finden, mag bei teuren Einzelanschaffungen der Fall sein.

Wenn es aber um die größere Bestellung von vielen kleineren Geschenken geht, besiegt bei den meisten eben doch der innere Schweinehund den Sparfuchs. Wozu lange suchen, wenn es doch alles bei Amazon gibt?

Auch die Anleger sind nicht beunruhigt wegen der Aufgabe des Tiefpreiszwangs, die Amazon-Aktie legte am Donnerstag zu.

Dennoch bleibt mein Tipp an Sie der Gleiche wie im letzten Jahr – schnüren Sie die Winterstiefel und stürzen Sie sich ins weihnachtliche Getümmel.

Denn den Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln, die funkelnden bunten Lichter und die Weihnachtsmusik unter freiem Himmel – all das gehört doch auch zur Weihnachtsstimmung.

Und die kann man eben nicht bei Amazon kaufen.

28. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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