Amazon überrascht mit Quartalsgewinn

Amazon, der weltweit größte Versandhändler, der einst als reine Online-Buchhandlung angefangen hatte, hat seine Aktionäre und auch die meisten Experten vor wenigen Tagen mit einem Gewinn für das abgelaufene 3. Quartal 2015 überrascht.

Diese positive Überraschung befeuerte auch den Kurs der Amazon-Aktie und führte dazu, dass die Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen nachbörslich um rund 10% zugelegt hat und damit ein neues Allzeithoch erklimmen konnte.

Amazon-Aktionäre hatten aber schon vorher Grund zum Jubeln. Denn: Die Amazon-Aktie erreichte in den vergangenen 12 Monaten einen Kursgewinn von rund 135%!

Kleiner Gewinn löst großen Jubel aus

Der Quartalsgewinn des Online-Versandhändlers belief sich zwar nur auf vergleichsweise mickrige 79 Mio. Euro – dies reichte jedoch für einen großen Jubel seitens der Aktionäre und Experten aus. Der Grund: Es war zuvor mit einem Verlust gerechnet worden.

Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon noch einen Verlust von 437 Mio. US-Dollar ausweisen müssen. Somit fiel das Ergebnis im 3. Quartal 2015 um 516 Mio. US-Dollar besser aus als das Vorjahresergebnis. Den Umsatz steigerte Amazon im zurückliegenden Quartal um 23% auf 25,36 Mrd. US-Dollar.

Cloud- und Nordamerika-Geschäft überzeugen

Für den überraschenden Quartalsgewinn sorgten vor allem das Geschäft in Nordamerika und die Cloud-Sparte, die viele Unternehmen mit Rechenleistung aus dem Netz versorgt. Das Cloud-Geschäft ist für Amazon besonders lukrativ. Bei einem Umsatz von knapp 2,1 Mrd. US-Dollar lag der operative Gewinn dieser Sparte bei 521 Mio. US-Dollar.

Das war im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzzuwachs um 78% und bedeutet eine operative Gewinnmarge von zuletzt knapp 25%. Das operative Ergebnis legte im Vergleich zum Vorjahr sogar um das fünffache zu.

Damit brachte die Cloud-Sparte Amazon rund die Hälfte des gesamten operativen Gewinns ein, während sie weniger als 10% des Konzernumsatzes ausmacht.

Im seinem Kerngeschäft, dem Versandhandel, erzielte Amazon allein in Nordamerika einen operativen Gewinn von 528 Mio. US-Dollar. Dafür musste Amazon aber immerhin 15 Mrd. US-Dollar umsetzen. Die operative Gewinnmarge liegt hier also bei vergleichsweise bescheidenen 3,5%.

Im internationalen Handelsgeschäft musste Amazon hingegen rote Zahlen verbuchen. Das Minus lag hier bei 56 Mio. US-Dollar. Ursache dafür dürfte vor allem der starke US-Dollar sein, durch den die Auslandseinnahmen bei der Umrechnung in die US-Währung in den Büchern niedriger ausfallen.

Amazon arbeitet weiterhin daran, sich als ein „Allesverkäufer“ im Alltag der Kunden zu etablieren. Und ich persönlich muss gestehen, dass es zumindest bei mir schon funktioniert hat. Während ich noch vor einiger Zeit gedanklich primär Bücher mit Amazon verbunden habe, ist in meinem Bewusstsein mittlerweile der Status des „Allesverkäufers“ fest verankert.

Fazit: Amazon scheint weiterhin in der Lage zu sein, Wachstum und Profitabilität zumindest einigermaßen unter einen Hut bringen zu können. Allerdings ist die Amazon-Aktie aus meiner Sicht angesichts des kleinen Gewinns zu ambitioniert bewertet. Risikoscheue Anleger sollten die Amazon-Aktie daher eher meiden.

26. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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