Amazon vs. Walmart: Das Buhlen um indische Flipkart geht in die nächste Runde

Amazon vs. Walmart: Das Buhlen um indische Flipkart geht in die nächste Runde (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der Kampf der Giganten geht in die nächste Runde. Auf der einen Seite haben Sie mit Walmart den größten Einzelhandelskonzern der Welt. Mit über 10.000 Verkaufsstellen und 2,3 Millionen Mitarbeiter flossen bei dem US-Konzern zuletzt gut 500 Milliarden Dollar Umsatz durch die Bücher. Der Jahresgewinn lag bei 9,8 Milliarden Dollar.

Auf der anderen Seite steht mit Amazon ein Technologiekonzern, der sich in den vergangenen Jahren zum unangefochtenen Marktführer im Onlinehandel entwickelt hat. Mit 566.000 Mitarbeitern und 177 Milliarden Dollar Jahresumsatz blieben zuletzt gut 3 Milliarden Dollar an Gewinn hängen.

Das Kopf an Kopf-Rennen der beiden Giganten um den Offline- und Onlinehandel ist nicht neu, gewinnt aber zunehmend an Schärfe. Jetzt buhlen beide Firmen um Flipkart, den mit Abstand größten Spieler auf dem Markt für Onlinehandel in Indien.

Warum Flipkart für beide Firmen so wichtig ist

Schon in der vergangenen Woche machten Spekulationen die Runde, dass die Übernahme von Flipkart kurz bevorsteht. Auch wenn Ihnen der Name vielleicht noch nichts sagt, Flipkart ist beileibe keine kleine Nummer. Sie müssen wissen: Flipkart wurde 2007 von zwei ehemaligen Amazon-Angestellten gegründet und kontrolliert mittlerweile den Marktforschern von Forrester zufolge fast 40% des indischen Online-Einzelhandels.

Laut den letzten verfügbaren Zahlen kletterten die Umsätze des Konzerns um knapp ein Drittel auf 3,09 Milliarden Dollar (Geschäftsjahr bis zum 31. März 2017). Laut Zeitungsberichten könnte der Flipkart -Deal das Unternehmen mit 21 Milliarden Dollar bewerten.

Indischer Markt ist unterentwickelt und bietet enormes Potenzial

Die Chancen auf dem indischen Markt schätzen Experten als ausgesprochen hoch ein. Während in den USA bereits 9% aller Einzelhandelskäufe über das Internet abgewickelt werden, sind es in Indien gerade einmal 2%. Laut Schätzungen könnte sich der indische Internethandel auf ein Marktvolumen von 52 Milliarden Dollar bis 2022 mehr als verdoppeln.

Die Investmentbank Morgan Stanley rechnet sogar mit einem Marktvolumen von 200 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2027. Für Sie zum Vergleich: In 2017 wurden gerade einmal gut 20 Milliarden Dollar an Handel über das Internet in Indien abgewickelt. Dabei dürfte zukünftig vor allem die aufstrebende Mittelschicht in Indien für Rückenwind sorgen.

Walmart in der Pole-Position

Laut neusten Informationen könnte Walmart die Nase beim Rennen um Flipkart vorne haben. Walmart wird sowohl neue als auch bestehende Flipkart-Aktien kaufen. Offenbar will der Einzelhandelsriese für 51% der Aktien zwischen 10 und 12 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Aber auch Amazon meint es ernst. Insidern zufolge hat der Onlinegigant zuletzt eine Break-Up-Fee von 1 bis 2 Milliarden Dollar ins Spiel gebracht, sollte der Deal mit Amazon nicht zustande kommen.

Hinter Flipkart stehen zahlreiche renommierte Investoren wie unter anderem Softbank, Tencent, Tiger Global, Microsoft und Naspers.

Amazon-Deal könnte regulatorische Probleme verursachen

Die substantielle Auflösungsgebühr zeigt Ihnen, wie wichtig Amazon der Eintritt in den großen, noch unbearbeiteten Wachstumsmarkt in Indien ist. Vor allem vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten in China würde das Geschäft in Indien dem Konzern gut tun.

Für Walmart wäre der Zuschlag nicht weniger bedeutsam. Denn bislang zeigt der Einzelhändler nur geringe Erfolge im Ausbau seines Onlinegeschäfts. Mit Flipkart wäre Walmart auf einen Schlag einen Riesenschritt weiter.

Im Moment spricht einiges dafür, dass Walmart eher das Rennen um Flipkart gewinnt. Denn die Wettbewerbshüter dürften einen Zusammenschluss von Amazon und Flipkart eher kritisch sehen. Immerhin würden beide Firmen gemeinsam rund 70% des gesamten Onlinehandels in Indien kontrollieren.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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