AMD: Konsolidierungswelle rollt weiter durch den Halbleitersektor

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Chiphersteller AMD bläst zum Angriff: Xilinx-Übernahme könnte zur Gefahr für Intel werden (Foto: Alexander Tosltykh / shutterstock.com)

Im Halbleitersektor geht es momentan Schlag auf Schlag. Erst kürzlich gab Nvidia die 40 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Chipdesigners ARM bekannt. Geht der Deal wirklich über die Bühne, dann handelt es sich bei dem Zukauf um die größte Transaktion, die es jemals im Halbleitersektor gab. Aber auch der nächste Deal, der sich gerade anbahnt, hat es absolut in sich: Der US-Konzern AMD will Gerüchten zufolge Xilinx schlucken und bläst damit zum Angriff gegen seinen Erzrivalen Intel. Auch vom Volumen wäre der Zukauf beachtlich – immerhin scheint AMD bereit zu sein, knapp 30 Milliarden Dollar für das Objekt der Begierde auf den Tisch zu legen.

In einer ersten Reaktion reagierte die Xilinx-Aktie mit einem Kursplus von 15% deutlich positiv, während die AMD-Papiere als direkte Reaktion auf die Nachrichte erst einmal in die Knie ging und 3,5% nachgab.

Übernahmen im Chip-Sektor knacken magische 100 Milliarden Dollar-Marke

Schon lange zeichnet sich der Halbleitersektor durch einen hohen Konsolidierungsdruck aus. Seit dem Jahreswechsel wechselten bereits Firmen im Wert von 74 Milliarden Dollar den Besitzer. Mit dem AMD-Xilinx Deal würde das Transaktionsvolumen dann sogar die gewaltige Marke von 100 Milliarden Dollar knacken.

Wer hinter Xilinx steckt

Bevor wir zum Deal kommen, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell von Xilinx gerne näher vorstellen: Xilinx ist ein US-amerikanischer Hersteller von Halbleitern und gilt als einer der größten Produzenten von programmierten Plattformen. Diese Plattformen bestehen aus unterschiedlichen Komponenten, die der Konzern entwickelt und in eigenen Fertigungsanlagen produziert.

1984 gegründet, hat sich Xilinx zu einem Hersteller komplexer und umfangreicher Hard- und Software-Lösungen für Elektroniksysteme in vielerlei Märkten entwickelt. Der Konzern betreut Kunden in der Kommunikationsbranche, Unternehmen aus der industriellen Produktion, Medizintechnikunternehmen, Hersteller in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Elektronikhersteller, Kunden aus der Automobilbranche sowie Unternehmen aus den Feldern IT und Computerscience.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei Xilinx 3,05 Milliarden Dollar an Umsätzen durch die Bücher.

Leidtragender der Handelsstreitigkeiten

Zuletzt hatte Xilinx aber mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen. Zum einen weil die Automobilhersteller als Kundschaft weniger Nachfrage zeigten, zum anderen weil Xilinx nach eigener Auskunft unter den angespannten Handelsbeziehungen mit China litt. So sackten im zweiten Quartal die Umsätze von 850 auf 727 Millionen Dollar in den Keller. Das entspricht einem Rückgang um 14%.

Beim Gewinn musste Xilinx sogar einen noch deutlicheren Einbruch verkraften. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 94 Millionen Dollar und damit 60% weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal übrig.

Xilinx profitiert vom 5G-Boom

Ungeachtet der temporären Schwäche sehen viele Analysten und offenbar auch der Interessent AMD den Konzern vor allem wegen der zu erwartenden hohen Investition beim Aufbau in die Mobilfunknetze der nächsten Generation gut aufgestellt. Ein Vorteil für AMD: Bislang ist der Chip-Konzern in diesem Markt noch gar nicht vertreten. AMD könnte mit dem Kauf von Xilinx also in den Markt für Telekommunikations-Chips vordringen, der gerade vom globalen Aufbau der 5G-Netze profitiert. Zudem würde die Übernahme AMD auch im Geschäft mit Chips für Rechenzentren einen Schub verleihen – einem Bereich, in dem vor allem Intel traditionell stark aufgestellt ist.

Ob die Xilinx-Aktionäre der Übernahme zustimmen, ist ungewiss. Der Preisaufschlag auf den Börsenkurs vor der Offerte liegt bei weniger als 20%, zudem ist Xilinx deutlich profitabler als AMD und in einigen Nischen Marktführer. Wir dürfen also gespannt sein, wie die Geschichte der beiden Firmen weitergeht.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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