Amer-Aktie: Chinesen greifen nach finnischem Sportgiganten – größter Auslandsdeal des Jahres

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Amer-Aktie: Chinesen greifen nach finnischem Sportgiganten – größter Auslandsdeal des Jahres (Foto: Lenscap Photography / Shutterstock.com)

Lange war es ruhig geworden bei Übernahmen mit chinesischer Beteiligung. Zahlreiche Deals wurden mit Verweis auf besonders sensible Industriebereiche, strategisches Interesse des Staates oder befürchteten Technologietransfer ins Ausland abgeblasen. Doch damit ist jetzt vorerst Schluss. Denn kurz vor Jahresende dürfte es nochmals einen richtigen Megadeal geben. Ein chinesisches Bieterkonsortium streckt seine Fühler. Das Objekt der Begierde ist die finnische Amer, einer der führenden Sportartikelhersteller weltweit.

Der Kurs von Amer hat bereits deutlich reagiert und notiert mit 38,30 Euro nur noch knapp unter dem Übernahmeangebot.

Amer Sports – über Umwege zum Sportgeschäft

Das 1950 gegründete Unternehmen hat seinen Firmensitz in Helsinki und gehört zu den führenden Sportartikelherstellern. Doch das war nicht immer so. Denn zuerst war die Firma in ganz anderen Bereichen aktiv (Schiffe, Tabakprodukte und Medien). Im Jahr 1961 erwarb es die Rechte, Philip Morris Zigaretten zu verkaufen, die es 2004 an Phillip Morris zurückverkaufte.

In den 1960er Jahren erwarb das Unternehmen dann drei Schiffe. In den 1970er Jahren kaufte es verschiedene Medienunternehmen wie Weilin+Göös. In den 1980er Jahren erwarb das Unternehmen die Fahrzeugherstellerfirma Korpivaara und hierdurch die Vertriebsrechte zur Vermarktung von Citroën und Toyota in Finnland.

Seit 1986 fokussierte Amer Sports aber seinen Firmenschwerpunkt auf Sportausrüstung. Über zahlreiche Übernahmen wurde das Produktsortiment immer wieder erweitert. Auch heute dürfte die Muttergesellschaft hierzulande nur wenigen bekannt sein. Die einzelnen Marken des Konzerns kennen Sie aber bestimmt. Zu den Finnen gehören beispielsweise die bis 2005 zu Adidas zählende Salomon, Arcteryx (Outwear), Atomic Ski, Mavic (Bikes), Suunto (Sportuhren), Wilson (Ballsport) und Precor (Fitnessgeräte).

Konsortium bietet 4,6 Milliarden Euro

Die Übernahmeofferte des chinesischen Konsortiums rund um den Sportartikelhersteller Anta liegt bei 40 Euro je Aktie. Das entspricht einem Börsenwert von immerhin 4,6 Milliarden Euro und einem Aufschlag von 40% zum gewichteten Dreimonatskurs.

Zu der Übernahmegemeinschaft gehören Lululemon-Gründer Chip Wilson mit seiner Investment-Firma Anamered Investments sowie die chinesischen Unternehmen Anta Sports, der Hongkonger FV Fund und der ebenfalls chinesische Tech-Konzern Tencent. Geht der Deal durch, dann wäre es die größte Auslandsinvestition eines chinesischen Unternehmens in diesem Jahr.

Weltweit die Nummer Drei der Sportbranche

Zugleich entstünde ein neuer Riese auf dem Sportmarkt. In seinem Heimatmarkt China ist Anta Sports die Nummer drei hinter Nike und Adidas. Durch eine potentielle Übernahme von Amer Sports könnte das in Europa noch weitgehend unbekannte Sportartikelunternehmen auch zur Nummer drei der Welt aufsteigen. Anta bietet eine breite Palette von Produkten an, darunter Basketballschuhe und -kleidung, Laufschuhe und -kleidung, Lifestyle und Outdoor.

Geschäft in China soll deutlich ausgebaut werden

Ein Ziel des Deals zudem dürfte der massive Ausbau des China-Geschäfts sein. Vor allem Synergien im Vertriebsnetz könnten gehoben werden. Immerhin verfügt Anta über 10.000 Läden in China und Hongkong sowie Singapur und Macau.

Mit einem geschätzten Marktanteil von 8 % liegt Anta auf Rang drei in China (Nike: 21 %, Adidas: 20 %). Im abgelaufenen dritten Quartal erwirtschaftete Anta einen Umsatz von umgerechnet 757 Millionen Euro (+9%). Operativ fiel jedoch noch ein Verlust von 5,2 Millionen Euro an (Vorjahresquartal: -34 Mio. Euro).

Für Sie zum Vergleich: Die finnische Amer kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 2,68 Milliarden Euro. Unter dem Strich erzielten die Finnen einen Gewinn in Höhe von 93 Millionen Euro, was einer Gewinnspanne von 3,47% entsprach.

7,9% der Aktionäre haben zugestimmt

Laut Presseberichten haben momentan 7,9% der Amer Sports-Anleger ihre Zustimmung für den Deal gegeben. Die genauen Angebotsunterlagen werden am 20. Dezember veröffentlicht. Bis dahin dürfte der Kurs weiterhin knapp unter dem Angebotsniveau notieren.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.