American Express-Aktie nach starken Zahlen im Höhenflug

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Der Kreditkartenanbieter American Express ist nach starken Zahlen im Höhenflug. Die robuste Konjunktur sorgt für Rückenwind. (Foto: Lemau Studios / Shutterstock.com)

Die Berichtssaison läuft weiter auf Hochtouren und sorgt wie jedes Quartal für eine erhöhte Schwankungsbreite bei den Unternehmen, die gerade über ihre Geschäftsergebnisse berichten. So auch bei dem Kreditkartenanbieter American Express, der die Analysten mit einem satten Gewinnsprung überraschte. Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus. Mit einem Tagesplus von über 7% markierte die Amex-Aktie das höchste Kursniveau aller Zeiten.

American Express: vom Post-Rivalen zum internationalen Finanzkonzern

Der US-Konzern American Express ist eine absolute Traditionsfirma. Im Jahr 1850 wurde American Express von Henry Wells, William George Fargo und John Warren Butterfield gegründet. (Wells und Fargo gründeten übrigens auch den heutigen Weltkonzern Wells Fargo.) Zu Beginn gehörte die Firma zu den ersten und erfolgreichsten Eilzustelldiensten. Obgleich American Express anfangs keine Finanzdienstleistungen anbot, gehörten zu ihren Kunden alle großen Banken.

Bald war klar, dass das Transportieren von Aktienzertifikaten, Währungen und anderen Bankgütern rentabler war als das Transportieren von größerer Fracht. 1882 nahm American Express, als direkter Konkurrent der US-Post, Postanweisungen in seine Dienstleistungspalette auf. 1890 gab Amex die ersten Reiseschecks aus.

Heute ist der Konzern ein weltweiter Anbieter von Finanzdienstleistungen. Zu der Produktpalette des Kreditkartenherausgebers und Geschäftsreisedienstleisters gehören Kreditkarten und Reiseschecks. Zudem bietet das Unternehmen Bank- und Investmentdienstleistungen sowie Versicherungen an. Im Gegensatz zu den Konkurrenten Mastercard und Visa betreibt Amex nicht nur ein eigenes Netzwerk, sondern vergibt auch selbst Kredite.

Konjunkturaufschwung sorgt für Rückenwind

Die gerade vorgelegten Zahlen hatten es in sich. Während die Umsätze um 12% auf 9,7 Millionen Dollar nach oben kletterten, explodierte der Nettogewinn regelrecht auf 1,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von immerhin 31%. Außergewöhnlich stark zeigte sich dabei das Kreditwachstum, das um 14% zulegen konnte. Die Konzernführung verwies darauf, dass der Erwerb eines Teils des Hilton-Karten-Portfolios alleine 1,4 Prozentpunkte des Anstiegs ausmachte. Zugleich erhöhten sich die Abschreibungen auf das weltweite Kreditportfolio nur leicht auf 2,4% (+2%).

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Ein Großteil des Gewinnsprungs ist aber auch auf US-Steuerreform zurückzuführen. Immerhin sank die effektive Steuerquote von 32% im Vorjahresquartal auf nur noch 21,5%.

Risikovorsorgen wird deutlich steigen

Amex geht davon aus, dass die Risikovorsorge im Kreditgeschäft in diesem Jahr um etwa 35% wachsen wird, da sie verstärkt Kunden anspricht, die ihre Guthaben von Monat zu Monat übertragen. Zugleich sind die Margen unter Druck, da Amex mit Preisnachlässen versucht, das Wachstum anzukurbeln. Zumindest im abgelaufenen Quartal gelang dies recht gut. Die gesunkene Marge konnte durch das neue Geschäft mehr als ausgeglichen werden.

Prognose nach oben angepasst

Unter dem Strich zeigt sich der Konzern auch für den restlichen Jahresverlauf zuversichtlich. Statt wie bislang einen Gewinn zwischen 6,90 und 7,30 Dollar je Aktie peilt Amex nun das obere Ende der Spanne an.

Warren Buffett bleibt der Aktie treu

Besonders Warren Buffett dürfte sich über den jüngsten Kurssprung gefreut haben. Immerhin macht die Position knapp 8% seines gesamten Portfolios aus. Insgesamt hält der Starinvestor 17,63% aller ausstehenden American Express-Papiere.

Dennoch sollten Amex-Anleger eines im Auge behalten: Auf Grund der Kreditvergabe hat der Konzern ein komplett anderes Risikoprofil als reine Zahlungsabwickler wie Visa oder Mastercard. Zwar verdient Amex in einem Konjunkturaufschwung doppelt über die Kreditvergabe, ist aber in einem Wirtschaftsabschwung mit seinem Kreditportfolio auch deutlich höheren Risiken ausgesetzt.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.