American Express-Aktie: Kreditkartengigant rutscht nach 26 Jahren in die roten Zahlen

American Express rutscht nach 26 Jahren in die roten Zahlen. Steuerreform sorgt für hohe Einmalbelastung. Kreditvorsorge springt in die Höhe. (Foto: Lemau Studios / Shutterstock.com)

Da mussten die erfolgsverwöhnten Aktionäre wohl zweimal hinschauen. Denn Quartalsverluste haben die Anleger bei dem Kreditkartenkonzern American Express schon lange nicht mehr gesehen – um genau zu sein zum letzten Mal vor 26 Jahren. Dennoch verzeichnete der Aktienkurs im Tagesverlauf nur leichte Abgaben.

American Express im Porträt

Auch wenn Sie den US-Konzern bestimmt kennen, möchte ich Ihnen noch ein paar interessante Hintergrundinformationen liefern. American Express ist neben Visa und Mastercard einer der drei großen Kreditkartenanbieter weltweit. Anders als die Konkurrenten vergibt die Firma auch den eigentlichen Kredit und streicht so neben Gebühren auch Zinseinkünfte ein. In den vergangenen 25 Jahren setzte der Konzern seine Expansionsstrategie ungebremst fort. Die Umsätze kletterten seit 1993 von 12,39 auf zuletzt 33,47 Milliarden Dollar.

Viertes Quartal durch Steuerreform unter Druck

Bislang waren es die Anleger gewohnt, dass American Express robuste Gewinnmargen erzielte hat. Seit der Finanzkrise lagen die Gewinnspannen zwischen 14,71% und 16,84%. Doch im Jahresschlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres musste der Finanzriese den ersten Verlust seit 1992 verkraften.

Eine einmalige Sonderbelastung in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar wegen der neuen Steuergesetze drückte das Ergebnis nun ins Minus. Die Reform senkt die Unternehmenssteuern zwar stark, wovon Konzerne auf längere Sicht profitieren. Zunächst werden aber oft hohe Summen abgeschrieben, weil auch steuerlich absetzbare Beträge sinken und eine Sonderabgabe auf im Ausland geparktes Vermögen anfällt.

Bei einem Umsatzplus von 4% auf 33,47 Milliarden Dollar schrumpfte der Jahresgewinn auf 2,73 Milliarden Dollar (-49%) zusammen.

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Rückstellungen für Kreditausfälle schießen in die Höhe

Auffällig an dem Zahlenwerk im vierten Quartal war der starke Anstieg der Rückstellungen für Kreditausfälle. Im Jahresvergleich kletterten diese um satte 33% auf 833 Millionen Dollar in die Höhe. Verantwortlich war das stark gestiegene Kreditvolumen und die bereits gestiegenen Ausfallraten der Schuldner. Kein Wunder, belegen auch die Daten zur Verschuldung der US-Haushalte diese Tendenz.

Den jüngsten Zahlen zufolge sind die Kreditkartenschulden der US-Haushalte zuletzt auf über eine Billionen Dollar angestiegen. Mit dem jüngsten Anstieg wurde nicht nur das bisherige Rekordniveau von 2008 übertroffen. Gemeinsam mit den anderen wichtigen Konsumkreditsegmenten – den Studenten- und Autodarlehen – resultiert die stärkste monatliche Zunahme seit beinahe zwanzig Jahren.

20% Gewinnzuwachs im laufenden Jahr erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich der Konzern trotzdem optimistisch. Beim Gewinn erwartet Amex 6,90 bis 7,30 je Aktie. Wenn Sie von der Mitte ausgehen und das mit dem letztjährigen Ergebnis ohne die Sonderbelastung durch die Steuerreform vergleichen, entspricht das einem Gewinnanstieg von 20%.  Zugleich setzt der Finanzkonzern sein aktuelles Aktienrückkaufprogramm aus, um seine Kapitalrücklage weiter zu stärken.

Warren Buffett hält Amex weiter die Stange

Unterdessen bleibt Starinvestor Warren Buffett dem Unternehmen weiterhin treu. Seit vielen Jahren hält er 151 Millionen Aktien hält damit 17% aller Aktien des Kreditkartenkonzerns. Ein Investment, mit dem Buffett ausgesprochen gut verdient hat. Seit den 60er Jahren setzt er bereits auf den Trend, dass sich das Plastikgeld stärker verbreitet.

Vor allem die breitere und konsumwillige Mittelschicht in den Schwellenländern hat hierzu einen guten Teil beigetragen. Jetzt muss der Konzern beweisen, dass er die Risiken im Falle einer rückläufigen Konjunktur gut im Griff hat.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.