American Express: Kreditkartengigant vor Übernahme der Online-Kredit-Plattform Kabbage

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American Express: Gerüchte um Übernahme des Online-Kreditvermittlers Kabbage verdichten sich. Deal würde Amex-Marktposition bei kleinen Kreditnehmern weiter stärken (Foto: Lemau Studios / Shutterstock.com)

Die Gerüchte um die Übernahme der Online-Kredit-Plattform Kabbage verdichten sich. Laut informierten Kreisen könnte das 2009 gegründete Technologieunternehmen für 850 Millionen Dollar den Besitzer wechseln. Nach einem turbulenten Jahresstart hatte die Firma einen Verkauf in Erwägung gezogen.

American Express im Portrait

American Express Company ist einer der weltweit größten Anbieter von Finanz- und Reisedienstleistungen und mit über 100 Millionen eingesetzten Karten einer der führenden Anbieter von Kreditkarten. Die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens umfassen neben Kreditkarten- und Reisemanagement für Privatkunden und Unternehmen auch Geldanlagemöglichkeiten und Versicherungen.

Das Portfolio wird erweitert durch eine Reihe von Prämienprogrammen, Sparkonten und mobilen Funktionen und wendet sich neben den Kundenstämmen aus Großunternehmen und Privatkunden auch an kleine und mittelständische Unternehmen. Über ein globales Händlernetzwerk bietet das Unternehmen Point-of-Sale-Produkte, Multichannel-Marketingprogramme und stellt Services für die entsprechenden internationalen Märkte zur Verfügung.

Wer hinter Kabbage steckt

Das Objekt der Begierde Kabbage ist deutlich kleiner, aber nicht weniger spannend. Kabbage wurde im Jahr 2009 gegründet und bietet kleinen Unternehmen automatisierte Cash-Flow-Lösungen an. Seit März 2020 hat Kabbage alle Kreditvergabedienstleistungen für aktive und neue Kunden ausgesetzt und bietet US-Unternehmen über das PPP (Paycheck Protection Program), das im Rahmen des Konjunkturpakets COVID-19 der Trump-Regierung eingeführt wurde, Kredite an.

Über ihr Produkt Kabbage Funding können Kunden Kreditlinien von bis zu 250.000 Dollar in Anspruch nehmen. Das Unternehmen automatisiert Finanzierungsentscheidungen auf der Grundlage einer Reihe von Datenfaktoren, darunter Geschäftsvolumen, Geschäftszeit, Transaktionsvolumen, Social-Media-Aktivitäten und die Kreditwürdigkeit des Verkäufers. Jede Ziehung gegen die Kreditlinie wird als separater Kredit betrachtet, der von der Celtic Bank entweder mit einer Laufzeit von sechs, 12 oder 18 Monaten ausgegeben wird. Die Gelder werden entweder auf ein Bank- oder PayPal-Konto eingezahlt. Jedes Mal, wenn ein Kreditnehmer einen Kredit aufnimmt, hat er sechs Monate oder 12 Monate Zeit, ihn zurückzuzahlen. Kabbage Kunden nutzen die Finanzierungsplattform in der Regel als Betriebskapital für den Kauf von Ausrüstung und Inventar.

Übernahme für 850 Millionen Dollar

Kabbage, das von Investoren wie dem Vision Fund der SoftBank-Gruppe und Reverence Capital Partners unterstützt wird, wurde zuletzt mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet, nachdem SoftBank im Jahr 2017 250 Millionen Dollar in den Kreditgeber gepumpt hatte. Laut informierten Kreisen könnte American Express 850 Millionen Dollar in bar für die Firma auf den Tisch liegen. Die Gespräche befinden sich offenbar im fortgeschrittenen Stadium, könnten aber immer noch scheitern.

Marktposition könnte deutlich ausgebaut werden

Für American Express könnte der Zukauf durchaus Sinn machen. Zuletzt kamen laut Firmenangaben kleinere Unternehmen wesentlich besser durch die Krise. Nur 3% der Amex-Kunden aus dem Bereich der Kleinunternehmen sind tatsächlich Restaurants, so Firmenboss Steve Squeri. Der Schwerpunkt des  Portfolios für kleine Unternehmen liegt auf professionellen Dienstleistungen: Rechts-, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Immobilien etwa 14%, Bauwesen etwa 10% und Gesundheitsfürsorge etwa 5%. Mit dem Deal würde der Kreditkartengigant seine Position bei Krediten für kleine Firmen deutlich ausbauen.

Gewinneinbruch im zweiten Quartal

Zuletzt hatten hohe Rückstellungen für Kreditausfälle und mangelnde Ausgaben von Kreditkartenkunden den Gewinn von American Express in der Corona-Krise kräftig einbrechen lassen. Im zweiten Quartal ging der Überschuss verglichen um 85% auf 257 Millionen Dollar zurück. Insgesamt sanken die Umsätze von American Express um 29% auf 7,7 Milliarden Dollar. Auch wenn der Tiefpunkt beim Zahlungsvolumen im April erreicht wurde, die Erholung macht sich bislang nur zum Teil im Aktienkurs bemerkbar. Seit dem Jahreswechsel liegt die Amex-Aktie, trotz der jüngsten Rally, weiterhin mit 20% in der Verlustzone.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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