AMS mit neuerlichem Übernahmeangebot für Osram Licht

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Die österreichische AMS überrascht mit neuerlichem Übernahmeangebot für Osram Licht. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Schneller als von den meisten Kapitalmarktteilnehmern erwartet hat einer der führenden Entwickler und Hersteller von Hochleistungs-Sensorlösungen, die österreichische AMS, ein neuerliches Übernahmeangebot für die Münchener Osram Licht AG abgegeben.

Nur geringe Übernahmeprämie

Diesmal wird den freien Aktionären ein Kaufpreis von 41,00 Euro je Osram-Aktie angeboten. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag entspricht dies einer Übernahmeprämie in Höhe von gerade einmal 2%, was im Normalfall kaum ausreichen würde, die angestrebte Mindestannahmeschwelle von 55% zu erreichen. Der gegenwärtige Kurs der Osram-Aktie spiegelt allerdings nicht gerade die jüngere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens wider, die, wenn man sich den zuletzt veröffentlichten Quartalsbericht ansieht, von einem „herausfordernden Marktumfeld“ geprägt war, in dem „Anzeichen einer Erholung“ nicht ausgemacht werden können.

Angesichts dieser schwachen operativen Entwicklung würde der Aktienkurs von Osram also ohne die Übernahmeversuche von AMS und anderen deutlich niedriger notieren. Zum Beispiel auf dem Niveau vom 2. Juli 2019, dem letzten, von Übernahmeangeboten gänzlich unbeeinflussten Aktienkurs von 28,92 Euro. Gegenüber diesem Preis entspricht der jetzt angebotene Übernahmepreis einer Prämie von 42% – was wiederum im marktüblichen Rahmen liegt.

Gute Miene

Das AMS so hartnäckig Osram übernehmen möchte, entbehrt nicht einer gewissen industriellen Logik. Zum einen entstünde durch den Zusammenschluss der beiden Unternehmen der weltweit führende Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik. Gemeinsam würde ein Global Player mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro entstehen. In einem von technologischem Fortschritt geprägten Marktumfeld würde dies nicht nur Größenvorteile in der Neuentwicklung mit sich bringen, sondern auch auf kostenseitig zu erheblichen Entlastungen führen.

Dennoch hat sich die Führungsetage von Osram ursprünglich gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen. Man wolle die Eigenständigkeit behalten und die Zukunft selbst gestalten, wurde bislang in Pressemitteilungen betont. Nun gerät der Osram-Vorstand in eine veritable Zwickmühle. Denn zeitgleich mit der aufgewärmten Übernahmeofferte von AMS haben sich die beiden Finanzinvestoren Advent und Bain Capital, die sich in den vergangenen Monaten mit eigenen Übernahmeplänen hervorgetan haben, von ihren Plänen endgültig verabschiedet.

Nach ihren Angaben hat sich das Konsortium entschieden, die Due Diligence-Unternehmensprüfung von Osram nicht fortzusetzen. Ursprünglich war vom Osram-Vorstand das Konkurrenzangebot der beiden Finanzinvestoren favorisiert worden, wohl weil man hier auf eine sozialverträglichere Variante in Bezug auf die Mitarbeiter und die Produktionsstandorte in Deutschland gesetzt hatte. Und wohl auch gehofft hatte, bei dem Münchener Traditionsunternehmen weiterhin in Amt und Würden bleiben zu dürfen.

Um wenigstens die Gewerkschaften zu beruhigen, wurde von AMS bereits zugestanden, sämtliche deutschen Produktionsstandorte von Osram für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren weiterzuführen und Arbeitsplätze zu schaffen. Zudem solle München als Co-Firmensitz der gemeinsamen Gruppe festgelegt werden.

Erhebliche Einsparungen

Auch unter finanziellen Aspekten scheint der Zusammenschluss Sinn zu machen. Nach Berechnungen von AMS führt die Fusion zu Kosteneinsparungen in Höhe von rund 240 Millionen Euro, insbesondere bei Produktionskosten sowie aus der Zusammenführung von Verwaltungsfunktionen, IT- und F&E-Programmen. Umsatzsynergien wurden auf 60 Millionen Euro beziffert. Um diese Synergien zu realisieren, werden einmalige Integrationskosten von ca. 400 Millionen Euro fällig.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass für die Osram-Aktie, sollte das Übernahmeangebot scheitern, ein erhebliches Kursrisiko besteht. Ist es hingegen erfolgreich, sind, da mit einem Alternativangebot derzeit nicht gerechnet werden kann, kaum höhere Aktienkurse wahrscheinlich. Die Osram-Aktie ist damit, wie Börsianer bisweilen zu sagen pflegen, „dead money“. Heißt: Anleger sollten sich aussichtsreicheren Investments zuwenden.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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